Komische Oper „Rita“ feiert Premiere im Dehnberger Hof Theater

Liebe mit Südseeflair

Foto: Lucie Peetz2018/03/Musical-Rita-DHT-2.jpg

DEHNBERG — Vor vollem Haus hat die Komische Oper „Rita oder Der geprügelte Ehemann“ von Gaetano Donizetti im Dehnberger Hoftheater Premiere gefeiert. Das Publikum ist begeistert: Schließlich werden gängige Klischees in ihr Gegenteil verkehrt.

Männer schlagen Frauen? Frauen wissen nicht, wie sie ihre gewalttätigen Partner loswerden können? Stereotype umzudrehen ist ein probates Mittel, um interessante und gute Geschichten zu schaffen – das wussten schon der französische Librettist Gustave Vaëz (1812–1862) und der italienische Komponist Gaetano Donizetti (1797–1848). Musik war Donizettis Leben, er gilt als einer der wichtigsten Opernkomponisten des Belcanto. Als der arbeitseifrige Mann aus Bergamo 1841 in Paris seinen Kollegen traf, bat er ihn angeblich eindringlich um einen neuen Stoff, da er seit über einer Woche nichts Neues mehr komponiert hatte. Sie waren sich schnell einig: Eine komische Oper sollte es werden. In nur einer Woche war der Einakter fertig.

Erst zwölf Jahre nach Donizettis Tod wurde „Rita oder der geprügelte Ehemann“ an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt. Bis heute werde das Werk nicht oft gespielt, berichtet Dramaturgin Brigitte Schürmann: „Einer der Gründe, warum wir es inszenierten wollten.“

Unter der Regie von Holger Seitz singen und spielen die Sopranistin Diana Fischer (Rita), Tenor Berthold Schindler (Bepe) und Bariton Herfinnur Arnafjall (Gasparo). „Ein Mal pro Woche rechne ich mit meinem Beppe ab!“, singt Rita, die den Spieß einfach umgedreht hat. Ihr erster Ehemann Gasparo hatte sie stets verprügelt – nun ist sie es, die den Partner quält: „Das ewige Meckern ist wirklich ein Graus, und all diese Schläge – die halt‘ ich nicht aus“, klagt Beppe nun – und wünscht sich, er wäre tot, bis plötzlich Gasparo in der Bar auftaucht, die das Paar führt, da er die alte Heiratsurkunde benötigt.

Beppe wittert seine Chance und zettelt einen Wettbewerb an: Wer verliert, soll Rita behalten: „Verlieren heißt gewinnen, verlieren muss ich bloß und dann bin ich sie los! Dich leg‘ ich rein, Du sollst hier der Gewinner sein‘“, singt er wagemutig und fordert seinen Kontrahenten zum „Morra“-Duell: Mit „Stein, Schere, Papier“ und Strohhalm-Ziehen kämpfen sie um ihre Zukunft. Es kommt, wie es kommen musste: Der Ex soll seine Ex zurücknehmen. „Warum bin ich damals nur nicht ertrunken im Meer?“, jammert dieser wehleidig, während Beppe überglücklich seine Freiheit feiert: „Von allem Leid bin ich befreit und wurde schnell ein Junggesell‘.“

Es folgt ein wunderbares Duett zwischen Rita und Gasparo: Er versichert, sie nicht mehr zu schlagen, aber sie fällt auf seine „Schleimerei“ nicht herein. Noch wunderbarer gestaltet sich das darauf folgende Terzett, in dem die drei gemeinsam über die Zukunft philosophieren: „Es bleibt auf jeden Fall einer hier als mein Gemahl“, fordert Rita.

Schindler und Arnafjall überzeugen in ihren Rollen – die attraktiven Männer sind in ihrer Ausstrahlung sehr gegensätzlich, jedoch gleich glaubwürdig. Souverän agiert Diana Fischer, die die Tonleitern mühelos erklimmt und auch darstellerisch zu überzeugen weiß.

Holger Seitz setzt seine Darsteller gekonnt in Szene, inmitten eines von Christine Knoll schön gestalteten Bühnenbildes einer Tiki-Bar im polynesischen Stil der 1950er Jahre.

Norbert Nagel (musikalische Leitung, Klarinette, Saxophon), Maria Reiter (Akkordeon) und Rolf Schamberger (Kontrabaß) ersetzen ein ganzes Orchester. Nagel hat Donizettis Musik einfühlsam neu arrangiert. Das hervorragende Trio erschafft mit seinen Instrumenten eine dichte Atmosphäre, die sich von klassisch-schön über jazzig-modern bis poppig-lustig erstreckt („Marina“, „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“): Eine gelungene, interessante musikalische Adaption zwischen Klassik und Moderne.

So wird das 70-minütige Stück in der starken Dehnberger Inszenierung fast schon zur Oper für Minimalisten. Überflüssiges wird gestrichen, was übrig bleibt, überzeugt zu hundert Prozent. Hätte man diesen Gedanken konsequent umgesetzt, könnte man sogar auf die beiden Tänzerinnen verzichten: Laura Meissauer und Alyssa Hagemann bringen zwar Farbe und Bewegung auf die Bühne, die Handlung selbst aber nicht voran. Die Hauptfiguren füllen die Bühne gesanglich, schauspielerisch und räumlich sehr gut aus.

Das Stück weist weit über den privaten Kontext hinaus: Wer Gewalt erfährt, wird irgendwann selbst gewalttätig – ein auch heute noch aktuelles Muster. Insofern kann jedem der Besuch des amüsanten, durchaus sarkastischen Stücks empfohlen werden, Opern-Liebhabern genauso wie Opern-Neulingen.
Lucie Peetz

Die nächste Vorstellung von „Rita“: Sonntag 22. April 2018 um 16 Uhr im DHT. Karten gibt es unter anderem im Service-Center der Pegnitz-Zeitung. Das Stück wird mit weiteren Terminen im Herbst/Winter dieses Jahres wieder gespielt.

Lucie Peetz

N-Land Pegnitz-Zeitung
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