Lipka verlässt Schnaittach

Im „Tausendschön“ fällt 2014 der letzte Vorhang

Vor gut vier Jahren sind sie erst eingezogen (im Bild), jetzt brechen Andrea Lipka und Ralph Friedewald ihre Zelte im Schnaittacher Badsaal wieder ab. Foto: PZ-Archiv2013/10/70803_LipkaFriedewBadsaalSchna_New_1381936563.jpg

SCHNAITTACH — Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: Ende Januar ist Schluss mit dem „Tausendschön“ in Schnaittach. Andrea Lipka und ihr Mann Ralph Friedewald haben den Pachtvertrag mit der Marktgemeinde gekündigt, Gaststätte und Saal sind bereits neu ausgeschrieben. Damit ist das Konzept einer Kleinkunstbühne im Badsaal, kombiniert mit einem Restaurant und der Freibadbewirtung, gescheitert. Das Ehepaar plant bereits eine neue, „wieder kleinere und familiärere“ Bühne im Nürnberger Land. Wo genau, verraten beide noch nicht.

Im Juli 2009 bei der Neueröffnung freuten sich die Gäste über die unstrittig erfreuliche Wandlung des schmucklosen Badsaals und der angebauten, damals arg heruntergewirtschafteten Gaststätte in einen modernen und geschmackvoll dekorierten Kulturkomplex – den neuen Farbtupfer in der Marktgemeinde, der auf längere Sicht die Freibadgastronomie und ein festes Kleinkunstprogramm beherbergen sollte.

Lipka/Friedewald war damals klar, dass sie viel Arbeit erwartete und „dafür sind wir uns auch bis heute nicht zu schade“, sagt die Kabarettistin. Attraktiv war die Chance allemal, die ihnen Bürgermeister Georg Brandmüller eröffnet hatte, als er sie aus Simmelsdorf nach Schnaittach lotste, um die Serie der häufigen Pächterwechsel in der Gaststätte zu durchbrechen. Das Freibad war dabei das entscheidende Lockmittel, das ab 2010 frisch renoviert eröffnet werden sollte. „Wir versprachen uns zusätzliche Einnahmemöglichkeiten durch gas­tronomischen Umsatz im Sommer“, also dann, wenn die Besucherzahlen im Theater saisonbedingt zurückgehen, sagt das Paar zurückblickend.

Der schöne Plan ging nicht auf. Die Kleinkunst, Lipka-Friedewalds Herzstück, lief die 51 Monate und laufe nach wie vor zwar gut, aber das Experiment Gastronomie ist gescheitert. Die Gäste blieben aus, wohl auch, weil die Betreiber den Spagat zwischen Kulturbetrieb und Restaurant nicht schafften.

Eine Gaststätte, ein Freibad-Kiosk und auch die in Schnaittach zuletzt fast zum Politikum gewordene Terrasse mit Blick über die Schwimmbecken auf der Sandplatte verlangen eine Präsenz der Betreiber zu etwas anderen Uhrzeiten als eine Theaterbühne. „Wir arbeiten von Mittag bis oftmals weit nach Mitternacht“, sagt Lipka. Trotzdem kommt es nicht gut an, wenn „die Künstler“, so die Schnaittacher, nicht jeden Tag schon vormittags zur Verfügung stehen, wenn also das Bad geöffnet hat. Was so pauschal laut Lipka gar nicht stimmt. Der Kiosk aber sei im Gesamtpaket zuviel gewesen.

Ein weiteres Problem ist schon im Pachtvertrag angelegt. Die Vereine sollten – wie sie es bis 2009 gewohnt waren – weiterhin die gewohnte Miete bezahlen und zudem auch als Selbstversorger den Saal nutzen können. „Wir haben uns 2009 den Badsaal-Terminkalender im Rathaus angesehen und sind von zehn Veranstaltungen im Jahr ausgegangen, zuletzt waren es 30“, sagt Friedewald.

Vielleicht sei man ein wenig naiv gewesen, sie wolle sich auch nicht beklagen, so Lipka, denn das gestiegene Interesse sei ja auch eine Anerkennung für das Erscheinungsbild des „Tausendschön“. Das Problem sei aber der Verdienstausfall. Denn an diesen Abenden, zumeist attraktive gewinnträchtige Wochenendtermine für das eigentliche „Tausendschön“-Programm, würden nicht einmal die Betriebskosten erreicht. „Ich sehe aber auch nicht ein, dass ich durch meine auswärtigen Auftritte, zum Beispiel auch bei Firmen, auf Dauer das ,Tausendschön‘ finanziere“, sagt Lipka. So könne keine Bühne wirtschaftlich arbeiten.

„Bad-Pannen kosteten Umsatz“

Das I-Tüpfelchen hätten dann die im Juni aufgedeckten neuerlichen Mängel auf der Freibaddauerbaustelle gesetzt. Ein gewisser Umsatz mit den Schwimmern war fest eingeplant. „Die machen ja nächstes Jahr wieder nicht auf“, war ihre erste Reaktion. Die lange Pannenserie war sicher keine gute Werbung für eine Gaststätte, die laut Lipka/Friedewald schon auch mit dem Bad identifiziert wird. Ihr Beleg: „Als das komplette Bad 2011 für wenige Wochen geöffnet war, hatten wir viele Gäste auf der Terrasse“, berichten die beiden. Als es dann aber durch die Sperrung des Nichtschwimmerbeckens wieder an Attraktiviät verlor, habe auch auf dem „Tausendschön“-Podest Flaute geherrscht. Personal und Küche mussten trotzdem bereit stehen. Alles Kosten, so dass Lipka/Friedewald Gaststätte und Terrasse seit einer Weile nicht mehr öffnen, wenn das „Tausendschön“ kein Programm hat.

„Das war für den Marktrat ein Schritt zu weit“, sagt Bürgermeister Georg Brandmüller gegenüber der PZ. Die Gemeinde wäre Lipka/Friedewald „auch finanziell“ weit entgegengekommen: bei den für die Vereine bislang gedeckelten Mietkosten, beim Thema Fremdcatering, bei der Frage des Kioskbetriebs. Dies alles „wäre zu regeln gewesen“, meint er. Aber, dass außerhalb der Programmtage alles geschlossen bleibt, hätten „viele Markträte für den Normalgast als nicht zumutbar“ empfunden.

Darum kämpfte der Haupt- und Finanzausschuss nach der Kündigung nicht mehr – trotz eines letzten Rettungsversuchs Brandmüllers im August – und beauftragte die Gemeinde mit der Suche nach einem Nachfolgerbetreiber. Die Fraktionssprecher von CSU und SPD bedauern diesen Verlust zwar, aber ebenso die „Veränderungen im Laufe der vier Jahre, die nicht nur Freude gemacht haben“, so Johannes Merkel. Ulrich Weber spricht außerdem von einem „herben Verlust kulturell“. Während Lipka/Friedewald sich insgesamt etwas mehr „Wohlwollen“ in Schnaittach gewünscht hätten.

Jetzt soll es andernorts weitergehen. Nach drei Verlustjahren war die Erkenntnis ohnehin gereift, dass „das ,Tausendschön‘ in seiner Größe für uns nicht zu stemmen ist“, sagt Lipka. Spätestens seit den erneut schlechten Nachrichten aus dem Bad vor vier Monaten reifte ein Plan B, so dass schon bald, nachdem am 24. Januar im „Tausendschön“ der letzte Vorhang gefallen sein wird, er sich „ganz in der Nähe“ wieder heben dürfte. Ein passendes Objekt sei bereits gefunden.

Und wie geht es in Schnaittach weiter? Wie Bürgermeister Brandmüller derweil auf Nachfrage bestätigt, gibt es bereits Interessenten für die Nachfolge in der Badgaststätte. Zuerst einmal sei aber die laufende Ausschreibung abzuwarten.

Der Spielbetrieb im „Tausendschön“ geht noch bis 24. Januar weiter. Info zum Programm unter www.tausendschoen-schnaittach.de oder aktuell in der Pegnitz-Zeitung.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz