Kuriose Oper „Rita“ im DHT

Eine Frau, die keiner will

Nimm du sie, ich will nicht mehr: Gasparo (Herfinnur Arnafjall, links) und Beppe (Berthold Schindler) haben beide keine Lust mehr auf Rita (Diana Fischer, Bildmitte), die Betreiberin einer Tiki-Bar. | Foto: Kirchmayer2018/03/Oper-Rita-DHT-Dehnberg-Proben-Herfinnur-Arnafjall-Berthold-Schindler-Diana-Fischer.jpg

DEHNBERG — Mit der komischen Donizetti-Oper „Rita oder Der geprügelte Ehemann“ nimmt sich das Dehnberger Hof Theater eines selten aufgeführten Singspiels an. Auch das Thema ist nicht alltäglich: Zwei Männer streiten sich um eine Frau – aber nicht darum, wer sie bekommt, sondern, wer sie behalten muss.

Eine Ehefrau, die ihren Mann verprügelt, die aber nur zuschlägt, weil sie in erster Ehe selbst Opfer von häuslicher Gewalt wurde – das klingt nach hochbrisantem Stoff vor dem Hintergrund der #metoo-Debatte. Zumindest in der westlichen Welt wird über sexuelle Gewalt und Unterdrückung von Frauen, auch und gerade im Kulturbetrieb, aktuell mehr denn je diskutiert.

In Dehnberg spielt diese Debatte keine Rolle. Zumindest nicht für die neue Eigenproduktion des DHT, die recht unbekannte Kurzoper „Rita“ von Gaetano Donizetti. Dabei scheint der Einakter wie die Faust aufs Auge zu passen zum Thema Geschlechterkampf. Doch die Oper, die Donizetti 1841 binnen einer Woche geschrieben haben soll, war schon in Planung, bevor der Weinstein-Skandal ins Rollen kam, sagt Regisseur Holger Seitz.

„Rita“ soll unterhalten

Der 55-Jährige macht erstmals am Dehnberger Hof Theater Station und möchte weder belehren noch zum nachdenken anregen. Die Opera Buffa soll das tun, was sie bei ihrer Uraufführung im Jahr 1860 auch getan hat: unterhalten. Schließlich sei Gewalt in der Ehe zu Lebzeiten Donizettis etwas Alltägliches gewesen, sagt Seitz. Die Handlung wolle er „mit einem Augenzwinkern“ zeigen. Die Gewalt solle man, wie bei der eigentlich brutalen Trickfilmserie Tom und Jerry, nicht so ernst nehmen.

Aufgeführt wird „Rita ou Le Mari Battu“, wie das Singspiel im französischen Original heißt, auf Deutsch. Die Sopranistin Diana Fischer, die DHT-Fans von der Oper „La Serva Padrona“ bekannt ist, übernimmt erneut die Titelrolle und hat das schon etwas verstaubte deutsche Libretto selbst modernisiert. Tenor Berthold Schindler mimt ihren zweiten Ehemann Beppe und Bariton Herfinnur Arnafjall spielt den vermeintlich verstorbenen ersten Gatten Gasparo. Dieser taucht überraschend auf und will die Hochzeit wegen einer anderen Frau annulieren lassen. Beide Sänger feiern mit „Rita“ Premiere am DHT, beide sind von ihrer Kollegin Fischer vorgeschlagen worden.

Tiki-Bar in den 1950ern

Statt wie im Original ein Gasthaus in Bergamo zu führen, sind Rita und Beppe in der DHT-Produktion die Betreiber einer Tiki-Bar, eines Strandlokals im polynesischen Stil in den 1950er Jahren. Neben Arien, Duetten und Terzetten geben die drei Sänger auch jeweils einen Schlager aus dem Jahrzehnt des Petticoats und der Nierentische zum Besten. Dass die 50er als Hintergrund gewählt wurden, liege an der Handlung, sagt Dramaturgin Brigitte Schürmann. Über Gewalt in der Ehe sei damals öffentlich nicht diskutiert worden.

Bei der Instrumentierung der Oper musste man sich in Dehnberg wieder etwas einfallen lassen. Für ein 40-köpfiges Orchester fehlt dem kleinen Theater der nötige Graben. So wandten sich Dramaturgin Schürmann und DHT-Leiter Ralf Weiß an Musiker Norbert Nagel, der seit Jahrzehnten ein gern gesehener Gast im Laufer Ortsteil ist. Nagel hat Donizettis Musik für ein Akkordeon (Maria Reiter), Kontrabaß (Rolf Schamberger) und sich selbst an der Klarinette neu arrangiert.

Als der vielbeschäftigte Musiker dem DHT zum wiederholten Mal zusagte, „wussten wir, dass es gut wird“, sagt Dramaturgin Schürmann. Die anderen beiden Musiker sind neu am DHT, aber bei Nagel könne man sich darauf verlassen, „dass er gute Leute mitbringt“, fügt Schürmann hinzu. Das Trio wird auf der Bühne in einer überdimensionalen Jukebox untergebracht. Die erste Probe der Sänger zusammen mit den Musikern verspricht bereits, dass Donizettis gewohnt beschwingt-heitere Musik auch zu der für eine Oper ungewöhnlichen Instrumentenauswahl passt. Zwei zusätzliche Tänzerinnen sollen für etwas mehr Bewegung auf der Bühne sorgen. Um der Dehnberger Tiki-Bar ein paar Gäste zu verschaffen, wurden Schaufensterpuppen in Hawaiihemden gesteckt und an Tische gesetzt.

Kurze Spieldauer

Trotz ehelicher Gewalt: Dramaturgin Schürmann und Regisseur Seitz setzen auf den heiteren Charakter des Stücks, das ein möglichst breites Publikum ins DHT locken soll. Auch und gerade für Operneinsteiger sei der Einakter geeignet, versichert Seitz.

Schließlich müssten die Besucher anders als etwa bei Werken von Richard Wagner kein Sitzfleisch mitbringen. Nach einer guten Stunde ist „Rita“ schon wieder vorbei. Seitz ist zuversichtlich, dass die Zeit für die Zuschauer wie im Flug vergeht.

„Rita“ feiert am Donnerstag, 8. März, um 19.30 Uhr Premiere im DHT. Karten gibt es unter anderem im Service-Center der Pegnitz-Zeitung.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer