Im Einsatz an Silvester

Bereitschaft statt Böller und Bowle

Statt zu Hause oder auf einer Party auf das neue Jahr anzustoßen, standen diese Feuerwehrmänner im vergangenen Jahr für den Notfall bereit. Auch heute Nacht werden Kollegen Silvester wieder auf der Laufer Feuerwache verbringen, um im Notfall schnell helfen zu können. | Foto: PZ-Archiv/Feuerwehr2018/12/N-feuerwehr-lauf-silvesterbereitschaft.jpg

LAUF — Silvester, das heißt Party, Spaß mit Freunden und Raketen zünden oder ein gemütliches Beisammensein im Kreis der Familie. Allerdings nicht für jeden. Für viele Polizisten, Feuerwehrleute und Ärzte bedeutet die letzte Nacht des Jahres vor allem zusätzlichen Stress und Dauereinsätze. Sie stehen hinter den Kulissen für den Notfall bereit.

Die Laufer Feuerwehr hat für Silvester ein spezielles System. Zwölf Feuerwehrmänner haben in dieser Nacht Bereitschaft. Sie halten die Stellung direkt auf der Wache. Im Gepäck haben sie ihre Familien, einige Spiele und Bastelsachen für die Kinder. Gefeiert wird im Kreis der Kameraden, es gibt Essen und Trinken, aber natürlich keinen Alkohol. Denn sobald eine Meldung eingeht, müssen die Männer ausrücken.

Laut dem stellvertretenden Kommandanen der Laufer Feuerwehr, Daniel Bösch, haben sich die Silvester-Einsätze in den vergangenen zehn Jahren in Grenzen gehalten. „Eine brennende Mülltonne oder ein kleiner Heckenbrand sind für uns kleine Einsätze. Wir erwarten die Silvesternacht deswegen mit Gelassenheit.“ Es könne aber auch mal anders kommen.

Von Mitternacht bis ein Uhr morgens dauert die risikoreiche Phase. Um zwei Uhr dürfen die ausschließlich ehrenamtlich arbeitenden Männer mit ihren Familien nach Hause gehen. Für den Rest der Nacht gilt die Meldebereitschaft.

Warnungen zeigen Wirkung

Ihre Röthenbacher Kameraden kommen in der Silvesternacht dagegen gut mit dem Funkgerät aus. Acht Mann, also ein Löschzug, haben Bereitschaft. Ihr Anfahrtsweg ist kürzer, als der der Laufer Feuerwehrler, deswegen ist das gemeinsame Warten auf der Wache nicht notwendig. Die Anfahrt darf höchstens zehn Minuten dauern.

In den vergangenen fünf Jahren rückte auch die Röthenbacher Wehr an Silvester nur für kleine Einsätze aus. Kommandant Martin Knorr ist überzeugt, dass die jährlichen Warnungen vor dem Fest Wirkung zeigen. „Die Hemmschwelle der Röthenbacher ist gestiegen, Raketen und Böller unvorsichtig zu zünden“, sagt Knorr. Feuermänner zu finden, die an Silvester nüchtern bleiben und die Bereitschaft zum Einsatz übernehmen, sei kein Problem.

Silvester ist wie ein Samstag

Die Beamten der Laufer Polizei vergleichen Silvester mit einer gewöhnlichen Samstagnacht. Am Wochenende seien das ganze Jahr über mehr Menschen spät abends in der Stadt unterwegs, die Alkohol trinken und öffentliche Streitereien auslösen, als unter der Woche. An Silvester sei es einfach noch ein bisschen mehr.

In der Neujahrsnacht wird in Lauf viel geböllert und getrunken. Immer wieder kam es in der Vergangenheit mitten auf der Straße zu Schlägereien. Außerdem kontrollieren Polizisten Autofahrer auf zu viel Promille im Blut. Grundsätzlich sei die Neujahrsnacht aber unproblematisch. „Wir trauen den Laufer Bürgern. Es kann zu gefährlichen Einzelfällen kommen, aber eine gezielte Vorbereitung auf Silvester, ist nicht nötig“, sagt der Laufer Kriminalhauptkomissar Andreas Bauereiß.

Feiern, bis der Arzt kommt

Die Notaufnahme des Laufer Krankenhauses ist an Silvester eine gut besuchte Einrichtung. Rund 30 Menschen werden dort im Schnitt jedes Jahr in der Silvesternacht von den diensthabenden Ärzten untersucht. Etwa acht bis zehn davon müssen stationär aufgenommen werden. Die Mehrzahl der Silvester-Patienten leidet an einer Blutvergiftung, verursacht durch Alkohol. Verbrennungs- und Augenverletzungen sind ebenfalls häufige Notfälle.

In der Nachtschicht auf Neujahr sind für die Laufer Notaufnahme drei Ärzte, zwei Pfleger, ein komplettes OP-Team und eine Hebamme zuständig, um die Patienten zügig und gut zu behandeln. Ein Oberarzt hat Meldebereitschaft und kann schnell ins Krankenhaus kommen.

Diese Personalaufstellung entspricht dem regulären Wochenenddienst. „Wir müssen jeden Tag damit rechnen, dass Silvester ist“, sagt der Chefarzt der Laufer Unfallchirurgie Gerhard Groß. Die Ärzte seien darauf vorbereitet, dass an Silvester die Patientenzahl steigt, wie auch am Wochenende und vor Feiertagen. Und jeden Tag könne ein großer Unfall passieren. Deswegen werde auch immer mehr als das statistisch notwendige Material gelagert, nämlich die dreifache Menge.

Alkoholkonsum nimmt zu

Die Patienten, die in der Silvesternacht ins Laufer Krankenhaus kommen, sind meist zwischen 17 und 45 Jahre alt. Bei der Behandlung spiele der steigende Alkoholkonsum eine große Rolle. „In den vergangenen Jahren konnten wir beobachten, dass die Anzahl der Menschen mit Alkoholvergiftung und auch deren Promille-Gehalt gestiegen sind. Vor allem die jungen Laufer trinken offensichtlich mehr und schneller“, sagt Groß. Die Nachtschicht musste deswegen bereits personell aufgestockt werden.

Fangen Patienten in der Klinik zu randalieren an, gilt das strikte Gebot, die Polizei zu rufen und nicht selbst einzugreifen. „Im schlimmsten Fall lassen Randalierer ihre Aggressionen an den Mitarbeitern aus,“ sagt Groß. Er selbst habe vor Jahren von einem betrunkenen Patienten die Faust ins Gesicht bekommen. Dieser hatte sich in seiner Wut von zwei Polizisten los gerissen.

Die Nachtschicht der Ärzte und Pfleger dauert bis zur Silvester-Analyse am Neujahrsmorgen um acht Uhr. Bei dieser Visite wird besprochen, wie die Nachtschicht verlaufen ist und ob gegebenenfalls Änderungen für die Zukunft nötig sind.

Noch so früh und schon sauber

Zur Begrüßung des neuen Jahres, werden auch Montagnacht wieder tausende Raketen und Böller in den Himmel über Lauf geschossen. Die Überreste des Feuerwerks in Form unzähliger Holzstäbe, verbrannter Pappe und Plastikteilchen bedecken dann die Pflastersteine des Marktplatzes und den Asphalt der Straßen. Doch wer am Neujahrsmorgen über den Marktplatz läuft, wird von diesen Überresten nichts mehr finden.

Denn die Angestellten des Bauhofs machen sich bereits morgens um acht Uhr an die Arbeit. Vier Trupps à zwei Mann leeren die Mülleimer und befreien Marktplatz und Hauptstraßen von den Spuren des nächtlichen Feuerwerks. „Die Leute gehen an Neujahr früh in die Kirche, da soll nichts mehr verdreckt sein“, sagt der Leiter des städtischen Bauhofs, Thomas Bleisteiner. Personal für den frühen Einsatz zu finden sei kein Problem. „Jedes Jahr melden sich genug Freiwillige, die die Schicht mit Feiertagszuschlag übernehmen wollen“, so Bleisteiner.

Am zweiten Januar säubern die Angestellten des Bauhofs noch einmal ihre Routen und sorgen dafür, dass von der Silvesternacht nur noch die Erinnerung übrig bleibt.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck