PZ-Interview mit Roman Sörgel

Bembers war mal Röthenbacher

Rainer Turba und Roman Sörgel alias Bembers im Gespräch.
Rainer Turba und Roman Sörgel alias Bembers im Gespräch. | Foto: PZ2018/04/Interview-Bembers.jpg

LAUF/RÖTHENBACH — Roman Sörgel ist Musiker, Kabarettist, Youtube-Star und vor allem ein fränkisches Original. Seit Jahren ist der Nürnberger mit seiner Kultfigur Bembers in ganz Deutschland unterwegs. Kulturmanager Rainer Turba (PZ-Kulturraum) kennt Roman Sörgel aus gemeinsamen musikalischen Zeiten. Immer wieder kreuzten sich die Wege auch privat. Den Auftritt von Bembers in der Stadthalle Röthenbach im Mai gab Anlass für ein Wiedersehen und ein Interview. Die beiden trafen sich dafür in der 50er-Jahre Ausstellung des Laufer Industriemuseums.

Wie viel Roman und wie viel Bembers sitzt vor mir?
Sörgel: Es ist schon ein hoher Prozentsatz von mir im Bembers, aber der Bembers und seine Welt, seine Kumpels und seine Stammkneipe sind meine Erfindung. Wenn es auch einige dieser Kumpels schon fast so in der echten Welt gibt. Aber das „Burnout“, die Stammkneipe vom Bembers, das ist eine Mischung aus vielen Kneipen, in denen ich Zeit verbracht habe und noch ein bissl was drauf – das wäre vielleicht meine „ideale“ Kneipe.

Hat diese Nähe zwischen Original und Kunstfigur nicht auch Tücken? Bei Deinem ersten Programm hast Du noch erzählt, dass Du kaum mehr auf die Straße gehen kannst, ohne dass Dich jemand anspricht.
Sörgel: Klar, das hat schon zwei Seiten. Zum einen ist es schon ein Riesenkompliment, wenn dir jemand auf der Straße begegnet und sagt: „Ey, Bembers! Coole Sache, mach weiter so!“ Andererseits gibt es da immer Menschen, die dich automatisch für ihren Freund halten und dich mit „Du“ ansprechen, weil sie nur deine Kunstperson kennen. Aber Menschen die distanzlos sind, sind das nicht nur Leuten gegenüber, die sie aus dem Fernsehen oder dem Internet kennen, die haben da eher ein generelles Problem. Es ist mir auch schon passiert, dass ich mit meiner Freundin – die übrigens nicht Priscilla heißt! (Anm. der Red.) – beim Einkaufen war und sie dann von Leuten angefasst wurde, weil die eben dachten, das wäre die Priscilla. Selbst wenn sie’s gewesen wäre, bedeutet das nicht, dass man eine fremde Frau einfach anfassen kann. Aber da kann sie sich inzwischen selbst ganz gut wehren.

Wirst Du immer noch oft wegen Selfies angesprochen?
Sörgel: Das kommt schon immer noch vor, im Stadion oder in einer Kneipe oder im Biergarten. Aber da sage ich inzwischen auch mal nein, wenn mich jemand anspricht. Da muss ich damit leben können, dass am nächsten Tag auf Facebook steht, ich sei arrogant. Ja, okay, das bin ich dann auch. Wenn ich das nicht will, dann hat das den Grund, dass ich privat vor Ort bin. Wenn ich das immer zulassen würde, dann wäre das im Extremfall ein Startsignal für zweieinhalb Stunden Fotosession und meine Freunde, mit denen ich eigentlich gemütlich ein Bier trinken wollte, wären inzwischen weitergezogen.

Was viele ja nicht wissen, ist, dass Du mal eine ganze Zeit lang in Röthenbach gelebt hast.
Sörgel: Ja, elf Jahre lang! Ich war damals verheiratet und meine Frau hatte eine Wohnung in Röthenbach, in sehr friedlicher Nachbarschaft – neben dem Friedhof – die haben sich nie beschwert, wenn wir Party gefeiert haben. Da war es schon mal so, dass dich nicht der Laster an der Ampel geweckt hat, sondern das Vogelgezwitscher am Morgen. Schon anders als jetzt, da ich wieder in der Südstadt wohne.

Das war aber ja noch lange, bevor es den Bembers gab. Also wohnst Du jetzt wirklich in der Südstadt, nicht nur der Bembers?
Sörgel: Ja. Ich bin ein Kind der Südstadt und da fand ich es nur konsequent, da auch wieder hinzuziehen. Das ist wie Urlaub, alle anderen sind schon da.

Sagt der Bembers auch.
Sörgel: Ja, das ist auch so. Die Südstadt hat schon ein eigenes Flair, es ist eine tolle Mischung von Menschen, die da leben. Genau das liebe ich und genau deshalb bin ich da auch wieder hingezogen.

Sind sie auch die Studienobjekte für Deine Programme?
Sörgel: Es ist ja nicht so, dass ich zu Hause sitze und lasse mir lustige Geschichten einfallen. Ich bin Mäus­chen. Ich bin 24 Stunden im Einsatz. Wenn ich irgendwo etwas erlebe, was ich skurril, originell oder witzig finde, halte ich es fest. Mein Handy ist voll mit Sprachmemos, die ich unmittelbar, nachdem ich solche Situationen erlebt habe, festhalte. Steh mal beim Metzger in der Schlange und hör mal zu, oder fahr mal mit der letzten U-Bahn, da ist schon was geboten! Das ist Echtzeit-Comedy! Und aus diesen Geschichten, dann vielleicht noch etwas überspitzt, baue ich mein neues Programm. Oft halte ich den Leuten einfach den Spiegel vor.

Und dem Bembers kann man dafür eigentlich nie böse sein.
Sörgel: Nein. Der Bembers ist authentisch, direkt, natürlich und zumindest die Fans finden ihn irgendwie immer liebenswert. Selbst wenn er total abgeht.

Steht ein neues Programm an?
Sörgel: Das hat am 14. September im Serenadenhof in Nürnberg Premiere. Also, da muss ich mich im Sommer langsam mal hinsetzen und diese ganzen Sprachmemos, Zettel, Bierdeckelrückseiten aufarbeiten. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil ich teilweise längst nicht mehr verstehe, was ich da für ein Zeug aufgeschrieben oder aufgenommen habe. Da muss ich wohl mal ein Übersetzungsbüro einschalten, oder so … Der Titel steht aber schon fest: „Kaputt, oder was?“ – und da kann man sich natürlich weidlich auslassen. In unserer Welt ist aus meiner Sicht tatsächlich ziemlich viel kaputt: die Politik, die Art und Weise, wie die Menschen oft miteinander umgehen, junge Menschen, die nicht mehr miteinander reden, sondern, selbst wenn sie gemeinsam am Tisch sitzen, nur noch per Handy kommunizieren.

Im Mai in der Stadthalle in Röthenbach spielst Du noch Dein aktuelles Programm „Mit Alles und Schaf“.
Sörgel: Ja, das ist so ein Best-of-Programm. Der Titel ist übrigens in einer Dönerbude entstanden, als der Dönerverkäufer den Kunden vor mir fragte „Mit Alles?“ und der dann antwortete „Mit Alles und schaaaf“ – da dachte ich mir dann, alles klar, das wird mein neuer Programmtitel für das Best-of.

Ich danke Dir für dieses Gespräch. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf der Bühne im PZ-Kulturraum …
Sörgel: Ja, warum nicht, vielleicht kriegen wir das mal hin.

Roman Sörgel alias Bembers steht am Freitag, 18. Mai 2018, mit seinem aktuellen Programm „Mit Alles und Schaf“ auf der Bühne in der Stadthalle Röthenbach (Tickets unter anderem im PZ-Servicecenter).

Das Bembers-Interview als Video-Zusammenschnitt gibt es hier.

N-Land Rainer Turba
Rainer Turba