Günther Beckstein war zu Gast in St. Jakob in Kotzenhof

Bekennender Christ mit klaren Positionen

Rund 100 Gäste kamen ins evangelische Gemeindezentrum St. Jakob in Kotzenhof zu „Brunch and Talk“ mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Links: Moderator Friedemann Stöckle. | Foto: Kirchmayer2017/10/Beckstein-Lauf-Kotzenhof-St.-Jakob-evangelisch-Brunch-and-Talk-2.jpg

KOTZENHOF — Er wurde als Hardliner angekündigt und bestätigte seinen Ruf: Günther Beckstein war zu Gast bei „Brunch and Talk“ im evangelischen Gemeindezentrum St. Jakob in Kotzenhof. Zum Islam in Deutschland und Abschiebungen nach Afghanistan hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident eine klare Meinung.

Schon als langjähriger bayerischer Innenminister und als kurzzeitiger Ministerpräsident war Günther Beckstein ein Mann klarer Worte. Wer bei „Brunch and Talk“ im evangelischen Gemeindezentrum St. Jakob in Kotzenhof am gestrigen Sonntag also einen meinungsstarken Gast erwartete, wurde nicht enttäuscht. Mehr als eineinhalb Stunden lang beantwortete der 73-Jährige die Fragen von Moderator Friedemann Stöckle und den rund 100 Gästen zum Thema „Was sind unsere christlichen Werte wert?“.

Stöckle hatte den ehemaligen CSU-Politiker nicht nur als „bekennenden Hardliner“ und „schwarzen Sheriff“ vorgestellt, sondern auch als überzeugten Christen. Aus seinem Glauben macht Beckstein tatsächlich keinen Hehl. Der gebürtige Hersbrucker liest täglich in der heiligen Schrift und hat sich beispielsweise am Bibel-Marathon Anfang Mai in Ottensoos beteiligt.

Jurist und Protestant

Schnell wurde allerdings klar, dass Beckstein mindestens genauso sehr Jurist ist wie Protestant. „Recht muss durchgesetzt werden, sonst verliert es die Gültigkeit“, so der Rechtsanwalt, und ferner: „Je offener eine Gesellschaft ist, desto mehr muss in staatlichen Gesetzen geregelt werden.“ Er habe bewusst Jura und nicht Theologie studiert, um sich den kindlichen Glauben zu bewahren, so der Nürnberger.

Den vom ehemaligen Bundespräsidenten ausgesprochenen Satz, der Islam gehöre zu Deutschland, lehnte Beckstein ab. „Muslime gehören zu Deutschland. Der Islam ist mir viel zu unpräzise“, wandte er ein. So sei es etwa ein Problem, dass die Imame von Ditib ihre Freitagspredigten direkt aus der Türkei vorgeschrieben bekämen.

Auch das Thema Asyl wurde angesprochen. Bis zu 100 Millionen Menschen seien aktuell weltweit auf der Flucht, zwei Drittel davon würden gerne nach Deutschland kommen, so Beckstein. Es sei kein christliches Gebot, alle diese Flüchtlinge nach Deutschland zu holen. Bei aller Barmherzigkeit: ein bayerischer Ministerpräsident etwa sei zuallererst seinen bayerischen Bürgern verantwortlich. Deutschland sei ein christlich geprägtes Land, Einwanderer müssten das akzeptieren oder sie seien „fehl am Platze“.

Er verteidigte Abschiebungen von Asylbewerbern nach Afghanistan mit dem Hinweis darauf, dass in dem Land auch deutsche Entwicklungshelfer und Verwaltungsbeamte eingesetzt würden. Wenn es diesen also zuzumuten sei dort zu leben, dann auch Afghanen, so die Erklärung. Von Kirchenasyl halte er allerdings nichts, die Kirche solle sich nicht über geltendes Recht hinwegsetzen.

Beckstein beklagte, dass viele Pfleger nicht aus Deutschland kämen und deshalb schon die Kommunikation mit den Pflegebedürftigen teilweise schwierig sei. Das liege an der Bezahlung, die schlechter sei als etwa bei Kfz-Mechanikern. Dass jemand, der sich um Menschen kümmert dafür weniger Geld bekommt als jemand, der sich um Autos kümmert, findet der Nürnberger bedauerlich. Der Mangel an Pflegekräften sei „ein großes Defizit in unserer Gesellschaft“.

Sorge bereitet Beckstein die „Entchristlichung unserer Gesellschaft“. Zwei Millionen Menschen seien in den vergangenen Zehn Jahren deutschlandweit aus der evangelischen Kirche ausgetreten, in Ostdeutschland und Hamburg seien Christen längst in der Minderheit.

Lob gab es auch deshalb für die Bemühungen der evangelischen Kirche in Lauf, mit diversen Veranstaltungen viele und vor allem junge Menschen anzusprechen. In Nürnberg-Langwasser, so der 73-Jährige, gehöre er „zu den Jüngeren im sonntäglichen Gottesdienst.“

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer