20 Jahre Kleinkunst im Nürnberger Land

Andrea Lipka: eine Frau, viele Rollen

Ob als Putzfrau oder als Chansonette: Kabarettistin Andrea Lipka zeigt auf der Bühne viele Facetten. | Foto: Langner2018/12/Bildschirmfoto-2018-12-18-um-17.24.42.png

1998 eröffnete Andrea Lipka mit Ralph Friedewald die Simmelsdorfer Mühle als Kleinkunstbühne. Mit vielen Gästen blickte die Kabarettistin nun in einer Gala auf 20 Jahre Kleinkunst im Nürnberger Land zurück.

20 Ausschnitte aus 20 Eigenproduktionen bekamen die Gäste in der Laufer Glückserei zu sehen, tatsächlich waren es deutlich mehr Eigenproduktionen. Die meisten aus der Feder von Kabarettpreisträgerin Andrea Lipka, aber auch adaptierte Theaterstücke. Insgesamt kann Andrea Lipka mit der aktuellen Premiere von „Lipka‘s Weihnachtslacherei“ auf beachtliche 44 Produktionen des Theaters zurückblicken.

Natürlich erlebten die Gäste die Hausherrin in der Rolle der Kultputzfrau Elfriede Rumpler und zwar mit der Nummer, mit der Andrea Lipka 2001 den Stuttgarter Besen als Publikumspreis gewonnen hatte. Daneben gab es Auszüge aus aktuellen Soloprogrammen und Schnipsel aus Produktionen, die vor vielen Jahren auf der Bühne zu sehen waren.

Ein amüsanter Streifzug durch die Geschichte der Kleinkunstbühne, die aus wirtschaftlichen Gründen nach zwölf Jahren von der Simmelsdorfer Mühle nach Schnaittach in das Tausendschön (ehemals Badsaal) umzog und sich im Februar 2014 mit der Glückserei am Laufer Marktplatz den Traum erfüllte, in intimer, familiärer Wohnzimmeratmosphäre Unterhaltung anzubieten.

Anekdoten, wie beispielsweise eine unglückliche Titelwahl bei der Eigenproduktion „Wegen Renovierung geschlossen“, umrahmten den Abend. Das Problem bei diesem Programm um den Schönheitskult war, dass genau der Titel in der Spielplanübersicht der Zeitungen eher für Verwirrungen sorgte, weshalb das Programm umbenannt werden musste. Es hieß dann „Zu schee is a nix“.

Im Jahr 2000 wurde der gemeinnützige Theaterverein gegründet. Bis heute führt er die Geschäfte des Theaterbetriebes abgekoppelt vom gastronomischen Betriebes. Der Verein hat um die 80 Mitglieder, die das Team um Andrea Lipka teilweise tatkräftig unterstützen. Ohne diese Unterstützung wäre der Betrieb einer Kleinkunstbühne heute nicht mehr denkbar, wenn nicht gar unmöglich.

Trotzdem ist das Theater immer auf finanzielle Unterstützungen angewiesen. Durch die Stadt Lauf, Landkreis Nürnberger Land und den Bezirk Mittelfranken wird die Glückserei mit insgesamt 17.000 Euro jährlich gefördert. Bürgermeister Benedikt Bisping und stellvertretender Landrat Norbert Reh gehörten nicht nur deshalb auch zu den Gratulanten des Galaabends.

Und zusätzlich sind, neben vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, auch immer der Einsatz finanzieller Eigenmittel nötig, um das Theater zu erhalten. So bezuschusst Andrea Lipka das eigene Theater regelmäßig, arbeitet als Trainerin, Coach und freie Regisseurin. Das außergewöhnlichste Erlebnis, auf das sie zurückblickt, war ein Trip nach Las Vegas zu Siegfried und Roy für die Regie einer Audioproduktion. Als weibliche Hauptdarstellerin im Kinofilm „Murggs“ von Oliver Tissot war sie zehn Wochen im Cinecitta Nürnberg zu sehen.

Jürgen Morlock steht seit 25 Jahren gemeinsam mit Andrea Lipka auf der Bühne und so durfte auch er an diesem 20-Jahres-Rückblick nicht fehlen.
Als „Gisela und Karlheinz“, die Verbindung eines Fränkisch-Schwäbischen Ehepaares, sorgen die beiden seit 2002 für Lacher unter anderem in der Produktion „Saure Zipfel auf Spätzle mit Soß“, das Programm mit der längsten Laufzeit von 16 Jahren.

Doch es gab neben Kabarettprogrammen, Comedy, Musikkabarett und Theater auch Musicals, große Freilichttheatervorstellungen auf der Festung Rothenberg, und viele andere schöne Kulturerinnerungen, teils gespielt auf der Bühne, teils in der launigen Rede von Ralph Friedewald in Erinnerung gebracht. Michael Burzlauer sorgte am Piano für die richtigen Töne. Auch das Lieblingsprogramm von Andrea Lipka: „Das Schweigen der Männer“ war als Auszug vertreten, ihr wohl bisher erfolgreichstes Programm. So blickten die Gäste mit lachenden Augen in die Vergangenheit und erfuhren, dass Karl Valentins Spruch „Kunst ist schön, macht aber viele Arbeit“ durchaus seine Existenzberechtigung hat.
Aber, so versicherte Andrea Lipka am Ende, „ich habe den Kopf noch voller Ideen“.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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