Laufer Dritte bei Deutschen Meisterschaften im Polesport

An der Eisenstange zur Bronzemedaille

Polesport Deutsche Meisterschaften Sabine Gloner Bronze
Immer lächeln, auch wenn‘s wehtut: Viele Übungen im Polesport wie dieser „Split“ setzen viel Kraft voraus – und Hautkontakt zur Stange. | Foto: Kroha2017/06/Polesport-Sabine-Gloner-Split.jpg

DORTMUND/LAUF — Sabine Gloner ist überglücklich: Die 27-jährige Lauferin hat bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille gewonnen. Dabei hatte sie im Vorfeld nur von einem Platz in den Top Ten geträumt. Glücklich ist sie auch deshalb, weil sie mit dieser Platzierung Werbung für ihren Sport machen kann, den immer noch viele ganz zu unrecht in der Schmuddel­ecke sehen: Die Lauferin betreibt Polesport – Stangentanz.

Zu ihrem ungewöhnlich Hobby kam die junge Lauferin über ihre Leidenschaft für Turnen und Tanz. Um diese beiden Aspekte zu verbinden, ist der Stangentanz (Poledance) ideal. Allerdings gilt es, zwischen  verschiedene Kategorien zu unterscheiden. Neben „Sport-Pole“ und dem tanzbetonten „Contemporary Pole“ gibt es auch die im Fachjargon „Exotic Pole“ genannte sexy Variante, die viele im Kopf sofort mit Rotlichtmilieu und Striptease-Clubs in Verbindung bringen.

Deshalb hat Sabine Gloner in den vergangenen vier Jahren schon oft klarstellen müssen, dass sie nur die Sport- und Tanzvarianten betreibt. „Ich muss Außenstehenden fast immer erst erklären, dass ich keine Stripperin bin“, lacht die 27-Jährige, die diesen Aspekt ihres Sports mit Humor nimmt. Denn dass die Athleten auch im Sportbereich nicht allzuviel Kleidung tragen, macht es natürlich nicht leichter, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Nackte Haut ist wichtig

Dabei ist viel Haut beim Polesport keine Frage der Optik, sondern Grundvoraussetzung, weiß Sabine Gloner: „Nur über den Hautkontakt kann man sich bei den Übungen an der Stange halten“. Deshalb ist Polesport auch nichts für zart besaitete Charaktere: Die Übungen sind oft schmerzhaft und verlangen viel Kraft – und dabei sollen die Athleten auch noch unangestrengt aussehen und den Wertungsrichtern möglichst nur ein lächelndes Gesicht zeigen.

Darum ging es auch bei den Deutschen Meisterschaften (DPSM) in Dortmund, bei denen Sabine Gloner  die Bronzemedaille gewonnen hat. Wettstreite werden von unterschiedlichen Verbänden durchgeführt, die dabei auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen; etwa auf Show-Elemente oder Akrobatik. Der strengste Wettkampf ist die Deutsche Polesport Meisterschaft (DPSM), die rein auf Sport ausgelegt ist und internationale Richtlinien erfüllt, weil sie gleichzeitig die Qualifikation für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften darstellt.

So gibt es ein umfangreiches Regelwerk, das auf über 100 Seiten zahlreiche Details und deren Einhaltung vorschreibt. Beispiele gefällig? Wenn das Kostüm den Po nicht ganz bedeckt, gibt es Strafpunkte. Sind verschiedene Bewegungen an der Stange nach Meinung der Wertungsrichter zu sexy, drohen ebenfalls Strafpunkte bis hin zur Qualifikation. Minuspunkte gibt es auch, wenn die Musik nicht rein instrumental ist. Und wenn der Winkel bei einem Spagat nicht perfekt ist, kassiert die Sportlerin bei der Wertung dieses Übungsteils eine Null.

Start in der Königsklasse

Diesen harten Anforderungen stellten sich bei der Meisterschaft in Dortmund nun über 150 Teilnehmer. Dabei waren Kinder genauso vertreten wie die Altersklasse über 50. Vier Minuten gilt es, an der Stange Übungen und Tricks zu zeigen und dabei möglichst unangestrengt auszusehen. Im Vorjahr war Sabine Gloner noch in der Amateurklasse angetreten, in diesem Jahr wagte sie sich in die Königsklasse (Professional Seniors Women).

Polesport Sabine Gloner Bronze Deutsche Meisterschaften
Sabine Gloner freut sich über Rang drei bei der Deutschen Meisterschaft. | Foto: Kroha2017/06/Polesport-Sabine-Gloner-Medaille-bea-neu.jpg

In der Profi-Liga ist die Lauferin fast schon eine Exotin: Sie hat keine Trainerin, hat ihre Choreografie selbst erstellt und auch ihre Musik selbst geschnitten. Sich korrigieren und ihre Fortschritte überprüfen kann sie nur per Video. Deshalb war sie um so glücklicher, dass sie sich am ersten Wettkampftag für das Finale qualifizieren konnte. Noch viel größer war der Jubel, als es am Ende nicht nur ein Top-Ten-Platz wurde. Hinter Regina Steiner (38,9 Punkte) und Denise Kuhlmann (38,29 Punkte) erreichte Sabine Gloner mit 36,7 Punkten den dritten Rang.

Harte Vorbereitung

Damit zahlte sich die knochenharte Vorbereitung – inklusive vieler blauer Flecken – aus. Vier bis fünf Mal die Woche hat die Lauferin zum Ende hin trainiert. Außerdem hat sie – zum Leidwesen ihres Pizza liebenden Mannes – die Ernährung auf Haferflocken Gemüse, Obst und Eiweißprodukte umgestellt. Immerhin hat sie mittlerweile in ihrer Wohnung ein Pole-Zimmer für sich einrichten können, denn in der vorherigen Bleibe hatte sie die Stange im Wohnzimmer montieren müssen.

Auch wenn man dieses Hobby nicht so intensiv betreiben will wie Sabine Gloner, die nach einer eineinhalbjährigen Tanzausbildung in Stuttgart auch lange Zeit Privatstunden genommen hat, hält die 27-Jährige Polesport für jedermann geeignet. „Da können auch Unsportliche super einsteigen“, erklärt sie begeistert. Die nötige Kraft komme mit der Zeit von selbst.

Wichtig findet sie, dass diese Sportart nicht mehr in die Schmuddelecke gestellt wird, weil sie immer etablierter wird und auch von vielen Tanz- und Fitnessstudios angeboten wird. Polesport sei einfach die perfekte Kombination von Tanz und Akrobatik. Und je mehr Menschen das wissen, um so seltener muss Sabine Gloner erklären, dass sie keine Stripperin ist.
Weitere Infos zur Meisterschaft und über Sabine Gloner im Internet:
deutschepolesportmeisterschaft.de
https://sabinedance.jimdo.com/pole-dance/

N-Land Patrick Baer
Patrick Baer