Markus Söder

Landkreis hat einen guten Draht zum neuen Landesvater

Markus Söder ist ein gern gesehener Gast im Nürnberger Land, wie hier mit Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping vor der Kaiserburg. 2018 tritt er im Stimmkreis Nürnberg-Ost – und damit in Schwaig, Rückersdorf und Feucht – zur Wahl an. | Foto: PZ-Archiv2017/12/soder-bisping-vor-dem-Schloss.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die CSU-Landtagsfraktion hat sich festgelegt: Neuer Ministerpräsident wird einer, der den Landkreis Nürnberger Land gut kennt – Markus Söder. Das designierte bayerische Staatsoberhaupt will 2018 Stimmkreisabgeordneter in Nürnberg-Ost und damit auch für Rückersdorf, Schwaig und Feucht werden. Selbst Söder-Kritiker hoffen deshalb auf einen guten Draht in die Staatskanzlei. CSU-Mitglieder sind ohnehin begeistert.

Ob Rückersdorfer Weihnachtsmarkt, 125-Jahr-Feier des Gasthauses „Weißes Ross“ in Behringersdorf oder CSU-Weinfest in Feucht: Markus Söder lässt seit über einem Jahr kaum einen Termin im Osten von Nürnberg aus. Spätestens seit Juli ist der Grund dafür klar: Einstimmig wählte ihn die CSU-Delegiertenversammlung damals zum Direktkandidaten für Nürnberg-Ost. Söder will Hermann Imhof beerben, der schon 2013 erklärt hatte, nicht mehr bei der Landtagswahl anzutreten.

Für die Schwaiger, die Rückersdorfer und die Feuchter bedeutet die gestrige Entscheidung der CSU-Landtagsfraktion damit nichts anderes, als dass 2018 ein Ministerpräsident in ihrem Stimmkreis antritt. Für Söders Mitbewerber, darunter die Altdorfer Historikerin Kerstin Gardill (SPD), wird es damit noch schwerer.

„Söder versteht es sehr gut, die Leute persönlich anzusprechen“, sagt Heidi Sponsel (SPD), stellvertretende Bürgermeisterin in Rückersdorf, die nicht als CSU-Anhängerin verdächtig ist. Die SPD-Politikerin freut sich, „dass mal jemand aus Franken“ das Ministerpräsidentenamt ausüben darf, die Beckstein-Zeit sei ja „nur ein kurzes Intermezzo“ gewesen. Sie geht davon aus, dass sich Söder auch künftig regelmäßig in Rückersdorf sehen lassen wird.

Bis zu 1000 Termine im Jahr

Wer den 50-Jährigen kennt, der weiß, dass die Chancen dafür gut stehen: Der Bayerische Rundfunk rechnete gestern vor, dass Söder an die 1000 Termine pro Jahr in seinem Kalender unterbringt und dabei knapp 90. 000 Kilometer zurücklegt. Er sei ein akribischer Arbeiter, berichtet Cornelia Trinkl, die Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion Nürnberger Land. Ihr Mann war bis vor zehn Jahren Söders persönlicher Referent, sie selbst wehrt sich nicht dagegen, als „Söder-Anhängerin“ bezeichnet zu werden.

Der Finanz- und Heimatminister „ist unglaublich schnell beim Einarbeiten in neue Themen“, sagt Trinkl. Für Norbert Dünkel, den Landtags­abgeordneten im Nachbarstimmkreis Nürnberger Land, verkörpert Söder „genau das, was wir jetzt brauchen“. Er sei „intelligent, vorwärtsgewandt und eloquent“.

In der Tat hat der frühere CSU-Generalsekretär bisher in jedem Ressort, für das er zuständig war, eine gute Figur gemacht. Als Umwelt- und Gesundheitsminister etwa diskutierte er 2009 in Röthenbach souverän mit wütenden Ärzten über die Honorarreform und mit Impfgegnern über die Schweinegrippe, als Finanzminister erwies er sich laut Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping als „zuverlässiger Gesprächspartner“ in Sachen Kaiserburg. Söder habe dafür gesorgt, dass die Landesausstellung zu Kaiser Karl IV. mit Lauf als Veranstaltungsort möglich wurde – „ein durchsetzungsstarker Landespolitiker“, sagt der Grüne.

Einladung nach Lauf steht

Auf die Frage, ob der in Talkshows mitunter dauerpräsente Söder nicht auch Populist sei, will er ausdrücklich nicht eingehen. Er erhofft sich noch viel von dem künftigen Ministerpräsidenten. Laufs Stadtoberhaupt träumt von einer „Wenzelakademie“ in der Burg, und von einer bayerisch-tschechischen Kabinettssitzung in dem Denkmal. Er lade Söder und sein Kabinett schon jetzt herzlich nach Lauf ein, so Bisping.

Dabei sehen viele Söders größte Stärke auch als seine größte Schwäche: „Er füllt auf Anhieb Bierzelte“, sagt Trinkl, die 2001 in die CSU eintrat, als Söder noch Landesvorsitzender der Jungen Union war. „Aber wenn er die Rückersdorfer ‚Kirwamadla‘ als die schönsten lobt, dann bin ich mir sicher, dass er das in Schwaig genauso sagt“, meint die SPD-Frau Heidi Sponsel.

Söder erlebt sie als durchaus berechnend. So sei er etwa zur Einweihung des zweiten „First-Responder-Fahrzeugs“ der Rückersdorfer Feuerwehr gekommen und habe sich ablichten lassen, „obwohl das Auto da schon länger in Betrieb war und es je zur Hälfte von der Gemeinde und von der Feuerwehr selbst bezahlt wurde“.

Mal laut, mal staatstragend

„Man muss als Politiker auch einmal plastisch formulieren, seine Botschaft klar an die Leute rausbringen“, sagt Trinkl zu der Kritik. Und ihr CSU-Kollege Dünkel glaubt, dass Söder „gut zwischen verschiedenen Funktionen differenzieren kann“. Sei er als Generalsekretär noch recht laut aufgetreten, so habe er sich als Finanzminister staatstragend präsentiert. Dass jemand Fernsehdebatten gestalten könne, sei außerdem ein Pluspunkt.

Gänsehaut in der Fraktion

Während für die Vorsitzende der Kreistagsfraktion jetzt ein „dringend notwendiger Generationenwechsel“ bevorsteht, den die CSU „auch schon vor einem Jahr hätte haben können“, ohne erst „Vertrauen zu verspielen“, betont der Landtagsabgeordnete vor allem die Geschlossenheit der Partei. Seehofer und Söder hätten gestern in der Fraktionssitzung „versichert, dass sie gut zusammenarbeiten werden“. Die Erklärung des amtierenden Ministerpräsidenten sei „ans Herz gehend und emotional“ gewesen. Danach seien alle aufgestanden, „wer da war, hatte Gänsehaut“.

Dünkel mag Seehofer nicht dafür kritisieren, dass dieser den Weg nicht schneller freigemacht hat: „Er ist Ministerpräsident und als solcher entscheidet er selbst über den Zeitpunkt.“ Die jetzt gefundene Lösung – eine Doppelspitze mit Seehofer als Parteivorsitzendem – sei „im Augenblick sehr gut“. Seehofer brauche „eine Position der Stärke“, um bei möglichen weiteren Koalitionsverhandlungen in Berlin Forderungen einbringen zu können, um bayerische Standpunkte zu vertreten. Das sei eine Frage der Glaubwürdigkeit.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel