Kuriose Skulptur in Winterstein

Kunst aus Stahl und Knochen

„Gegen alle Kriege und Eroberungen“ heißt die Skulptur, die in Winterstein am Ortseingang von Großengsee aus kommend zu bewundern ist. | Foto: Jahn2018/06/Winterstein-Kunstwerk-Reiter-Foto-Jahn.jpg

WINTERSTEIN — Die Skulptur sieht martialisch aus, soll aber den Frieden symbolisieren: Wer von Richtung Großengsee in den Simmelsdorfer Ortsteil Winterstein kommt, wird von einer rätselhaften Reiterfigur aus Stahl und Knochen begrüßt.

Wer den „apokalyptische Reiter“ zum ersten Mal sieht, ist erst einmal überrascht und kommt ins Grübeln, worum es sich handelt. Seit zwei Jahren steht die Skulptur am Wintersteiner Ortsausgang in Richtung Großengsee, dabei hat sie schon einige Jahre auf dem Buckel.

Vor ungefähr 20 Jahren entstand die lebensgroße Plastik eines Skeletts auf einem Pferd, das aus Maschinenteilen, Pflugscharen, Fahrradketten und Knochen entstand. Das Kunstwerk war eine Gemeinschaftsarbeit von Antonio Atzeni mit den Stahlkünstlern vom Verein VEB-Kunstahl (VEB bedeutet Vereinseigener Betrieb) als Objekt für eine Ausstellung im Gewerbezentrum Johannis in Nürnberg.

Kunst soll zum Grübeln anregen

Atzeni, ein auf Sardinien geborener und jetzt in Nürnberg lebender Metall-Künstler, möchte mit seinen Werken zum Nachdenken anregen. Unter dem Titel „Gegen alle Kriege und Eroberungen“ soll die außergewöhnliche Skulptur einen Friedensritt symbolisieren. Gewissermaßen ein Abbild von Albrecht Dürers berühmten „Die vier apokalyptischen Reiter“.

Da der VEB nur über eine eingeschränkte Lagerkapazität verfügte, musste für den Reiter nach der Ausstellung ein neues Zuhause gefunden werden. 2005 fand Antonio Atzeni bei einer guten Bekannten in Sankt Helena einen passenden Standort, wo der markante Reiter als Dauerleihgabe mitten auf einer Wiese ein neues Zuhause fand – denn Kunst soll ja bewundert werden.

Das Wiesengrundstück wurde aber vor zwei Jahren verkauft und da der Nachbesitzer das Kunstwerk nicht haben wollte, musste wiederum ein neuer Platz gesucht werden. Gefunden wurde er in Winterstein bei Charly Caterbow, der selbst ein Kunstfreund und Sammler ist, vor allem aber ein vielseitiger Hobbykünstler, dem viel daran gelegen ist, alte Gegenstände und Objekte zu res­taurieren, um sie zu erhalten.

Haus selbst restauriert

So restaurierte er das 1828 erbauten Elternhaus von Hans Körber, das sich am Ortsrand von Winterstein befindet. Obwohl es als unbewohnbar galt, weil es weder Toilette noch Bad noch Heizung besaß und im ganzen Haus es nur einen Wasserhahn in der Küche gab, kauften es Brigitte und Charly Caterbow vor 20 Jahren.

Charly und Brigitte Caterbow sind Kunstliebhaber. Ein Herz für Pferde haben sie auch. Die Reiterskulptur ist bei ihnen also gut aufgehoben. | Foto: Jahn2018/06/Winterstein-Charly-u-Brigitte-Caterbow-Pferdefreunde-Winter.jpg

Mit viel Liebe und in mühevoller Kleinarbeit saniert, verwandelte das Ehepaar es nach altem Stil wieder in ein Kleinod mit schön gestaltetem Vorgarten. Dank seiner reichlichen Erfahrung wagte sich Charly Caterbow 2010 gleich an das nächste Projekt, die Rettung einer vom Abriss bedrohten alten Scheune, in der ehemals Spankörbchen hergestellt wurden.

Für den Abbau fuhr Caterbow monatelang jeden Tag ins fünf Kilometer entfernte Kappel, um dort ganz allein die Scheune fein säuberlich zu zerlegen. Gegenüber seinem Wohnhaus in Winterstein kaufte er ein Grundstück und baute die alte Scheune dort wieder auf.

Atzenis Kunstwerk bekam 2016 zunächst einen Platz zwischen der Scheune und einem idyllischen Felsenkeller, doch im vergangenen Herbst wechselte der „apokalyptische Reiter“ auf die andere Straßenseite und steht jetzt nur wenige Meter entfernt von lebendigen Pferden, die auf der Reitanlage vom Verein „Pferde-Freunde-Winterstein“ zu sehen sind. Was für die Wintersteiner längst ein gewohnter Anblick ist, dürfte Ortsfremde auch in Zukunft zum Nachdenken bringen.

N-Land G. Jahn
G. Jahn