AC Sittenbachtal spielte „Polnische Wirtschaft“

Werkstatt mit Witz

Heinrich Haargenau (Andrea Buchner, 2. v. l.) vom Arbeitsamt sucht nach Schwarzarbeiter Kasimir (Lukas Pörner, r.). Monika und Manfred Müller tun unwissend (Claudia Loos und Peter Schütz, 1. und 3. v. l.). | Foto: M. Wildner2017/11/8533922-1.jpeg

KIRCHENSITTENBACH – Ein gieriger Bankdirektor, ein rotzfrecher Mieter, ein äußerst gelassener Schwarzarbeiter und viel zu hohe Schulden – mit alldem mussten sich die Werkstattbesitzer Monika und Manfred Müller im diesjährigen Lustspiel der Theatergruppe des AC Sittenbachtal herumschlagen. Die „Polnische Wirtschaft“ wartete mit einer etwas anderen Geschichte als den gewohnten Wirtshaus-Reibereien auf, worauf sich die Darsteller aber bestens eingestellt hatten.

Die Autoreparaturwerkstatt von Manfred und Monika Müller (gespielt von Peter Schütz und Claudia Loos) läuft mehr als schlecht. Da helfen auch die unbrauchbaren Erfindungen ihres Mieters Matthias Müller (Phillip Ebner) nichts, mit denen er vor allem Monika Müller regelmäßig in den Wahnsinn treibt. Grandios ließ Loos ihre Figur mal zur verzweifelten Hausfrau, mal zur herrischen Furie werden. Ihr Mieter nimmt’s meist gelassen und fordert nebenbei auch noch „was Gscheits zum Essen“.

Trotzdem hofft er auf den ganz großen Durchbruch und tüftelt an einem Stuhl, dessen Sitzfläche sich bei Gebrauch automatisch erwärmt. Nachdem sich fast jeder Darsteller den Allerwertesten mal verbrannt, mal fast eingefroren hatte, avancierte der Stuhl zum „Dauerbrenner“ während der drei Akte und sorgte jedes Mal für Lacher im Publikum.

Heimlicher Star

Auch mit gut gemeinten Tipps ihres polnischen Schwarzarbeiters Kasimir (Lukas Pörner), wie „Musst mehr machen Geschäft hinter die Hand“, kommen die Müllers nicht wirklich weiter. Regelmäßig steht zudem Schwarzarbeiterfahnder Heinrich Haargenau (Andrea Buchner) auf der Platte, dem Kasimir erst als alte und später tote Oma geschickt entwischt. Mit seinem originalgetreuen polnischen Akzent, den er während des kompletten Stückes aufrechterhielt, sorgte Lukas Pörner ohnehin für besonders viele Lacher und avancierte zum heimlichen Star des Stücks.

Aber auch Andrea Buchner lief als Mann zur Hochform auf: Sie überzeugte mit Schnurrbart als stocksteifer Beamter, der am Ende nach ein paar polnischen Schnäpsen mit Kasimirs schrulligen Tanten Olga und Stanislava (Ulrike Katzmeier und Julia Dietrich) völlig außer Kontrolle gerät.

Eine Premiere gab es diesmal auch: Lisa Decker mimte die schicke Bürgermeisterin Sabine Kleinschmitt-Großhans, die mit dem Bankdirektor Dr. Peter Profitlich (Michael Raum) unter einer Decke steckt und den Müllers den Betrieb abluchsen will. Ihre Feuertaufe bestand sie allemal. Dass der Bankdirektor ein ganz „schlechtes Karacho“, also einen schlechten Charakter hat, erkannte Kasimir gleich zu Beginn.

Wie in den Stücken der vergangenen Jahre auch, verstrickten sich die Figuren im Laufe des Spiels in mehr und mehr Lügen, die es am Ende aufzuklären galt. Und so brachte der „Ökoauto-umwandlungstreibstoffprozessor“ von Matthias Müller über Umwege der Werkstatt tatsächlich einen Bankkredit und eine Grundstückszusage ein. Mit dem kleinen Techtelmechtel zwischen Kasimir und der trinkfesten Postbotin Paula (Janina Albrecht) war auch noch was fürs Herz dabei.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner