Probe bei der Theatergruppe des AC Sittenbachtal

Von Texthängern und Lachanfällen

Andrea Buchner, Lukas Pörner und Peter Schütz bei den Proben (v. links). | Foto: A. Pitsch2017/10/IMG_2078.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Der Schulungsraum über der Gerätehalle ist kalt. Blauer Vinyl-Fußboden ziert das Zimmer mit den Dachschrägen, unter denen sich Bänke und Tische an die Wand drücken. Ein Kicker und zwei Stühle stehen etwas verloren in der Mitte herum – bis die Theatergruppe des AC Sittenbachtal die Szenerie zum Leben erweckt. Und plötzlich verwandelt sich das Dachgeschoss in eine „polnische Wirtschaft“, ein Lustspiel in drei Akten.

Es ist Probenzeit bei der Theatergruppe. In Joggingklamotten, Jeans oder der vereinseigenen Jacke trudeln die Frauen und Männer nach und nach im Schulungsraum ein. Rasch mit einem Getränk versorgt, quetschen sie sich um den runden Tisch im Eck, auf den jemand extra kredenzte Baguette-Häppchen gestellt hat, die im Nu weniger werden. Und schon geht das fröhliche, beinahe aufgeregte Geplapper los: Hast du gelernt? Wie viel von deinem Text kannst du? Wie bringst du das alles in deinen Kopf?

Peter Schütz lässt das Stück gerne „mal einige Zeit sacken“, wenn er mit dem Einprägen angefangen hat. „Also ich habe ja lieber viel Text zu lernen“, sagt Andrea Buchner, „weil wenn es wenig ist, fange ich damit recht spät an“. Und eigentlich, verrät die feierlustige Truppe, müsste das Gesprochene bis zwei Wochen vor der Premiere sitzen. Dann wird nämlich auf der Bühne in der Turnhalle geprobt und der Schauspielkunst der Feinschliff verliehen.

Bis dahin hat sich auch viel Einheimisches ins Stück hineingeschlichen. „Jeder hat irgendeine Idee und die wird dann eingebaut“, erzählt Regisseurin Christine Pörner. Mitten im kreativen Chaos erheben sich Souffleuse und die Akteure des ersten Akts und unvermittelt geht es los. Jeder weiß, was zu tun ist. Pörner muss kaum eingreifen.  Egal, ob täuschend echter polnischer Akzent von Lukas Pörner oder despektierliche Blicke von Michael Raum, dessen Accessoire, eine Geschäftsmappe, noch nicht recht zum Outfit, aber zu Mimik, Gestik und Sprache passt – alle sind mit Inbrunst dabei.

Ab und an ist aus der Mitte des Raumes statt Gesprochenem Gelächter zu hören – entweder, weil einer gerade nicht weiter weiß oder die Akteure aufgrund der Situation nicht in der Rolle bleiben können. Doch die Laiendarsteller fangen sich rasch wieder. Eine gewisse Professionalität ist zu spüren. Fehlt einmal etwas, wird fix improvisiert: ein Stuhl herangerückt, eine Jacke zum Kopftuch umfunktioniert oder eine Tasse vom Tisch geangelt.

Dass die Rollen gut besetzt sind und auch ohne Kostüme und Bühne viel im ersten Akt funktioniert, beweisen die Lacher von der Zuschauerbank. „Pssst“, muss da Pörner manchmal mahnen. Bis zur Premiere wollen die Schauspieler aus viel alles machen. Und trotz am Ende täglicher Proben werden sicher einige das gleiche Gefühl wie Schütz haben, wenn er durch die Tür geht zum ersten Auftritt: „Oh Gott, ich weiß nichts mehr.“ Aber dann kommt der erste Satz und „polnische Wirtschaft“ läuft.

Umrahmt werden die Auftritte von den „Theatersängern“. Premiere ist am Samstag, 28. Oktober, um 19 Uhr. Am Sonntag, 29. Oktober, sowie am Sonntag, 5. November, wird jeweils um 17.30 Uhr gespielt. Am Samstag, 4. November, beginnt das Schauspiel um 19 Uhr. Der Eintritt kostet sieben Euro. Karten gibt es ab sofort in „Der Laden“ Heike Hösch in Kirchensittenbach.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch