Delegation bei heimischen Landwirten

Taiwanesen am Reimehof

Ließen es sich nicht nehmen, die liebevoll zubereiteten Speisen zu fotografieren: Teilnehmer der Delegation aus Taiwan, die landwirtschaftliche Prozesse in Deutschland kennenlernen wollten. | Foto: S. Camin2016/09/7386088.jpeg

WALLSDORF – Idyllisch liegt der landwirtschaftliche Betrieb Reimehof in Wallsdorf bei Kirchensittenbach mit seinen 28 Hektar bewirtschafteter Fläche und 120 Ziegen. Dass hier nicht nur Heidi und Peter Ziegen streicheln und von den Bergen träumen, sondern Bio und optimale Wertschöpfung groß geschrieben werden, davon überzeugte sich eine Abordnung aus Taiwan und nahm reichlich Inspirationen mit, wie Landwirtschaft erfolgreich betrieben werden kann.

Die Taiwaner besuchen noch bis Ende dieser Woche einen Workshop an der TU München zum Thema Landwirtschaft. Dabei setzen sich die Besucher zusammen aus Mitarbeitern der Regierung, von Universitäten und gemeinnützigen Organisationen wie Stiftungen. Einblicke in die regionale Landwirtschaft erhielten diese auf dem Reimehof, Münzinghof und Jurahof in Schmidtstadt mit seinem Schwerpunkt Mutterkuhhaltung mit Direktvermarktung von Bio-Rindfleisch.

Großes Interesse
Interessiert zeigten sich die Teilnehmer bei allem, was sie rund um den Reimehof erfahren haben: Dass das frühere Restaurant und Hotel 2004 in einen landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt worden ist, dass 70 Ziegen rund 40 000 Liter Milch pro Jahr abgeben – die restlichen 50 sind Jungtiere –, dass die Mitarbeiter die Milch in Käse veredeln und dass die Wertschöpfung enorm groß ist, da alles selbst gemacht statt fremdvergeben wird. Der Käseverkauf findet auf verschiedene Arten statt: auf drei Wochenmärkten – unter anderem freitags in Hersbruck –, an lokale Bioläden und an den Großhandel.

Solidarische Landwirtschaft
Und dann gibt es da noch eine Besonderheit: die solidarische Landwirtschaft. Im Jahr 2013 von der Stadt Nürnberg für die Region initiiert, haben die Verbraucher inzwischen bei fünf Erzeugern die Möglichkeit, vertrauenswürdige Lebensmittel zu kaufen. Einer davon ist der Reimehof. So funktioniert es: Die Verbraucher zahlen monatlich 65 Euro und erhalten dafür alle ein bis zwei Wochen ein „Milchpaket“. Dieses enthält verschiedene Käsesorten – je nachdem, was gerade hergestellt worden ist.

Zusätzliche Einnahmen kommen von ganz oben: Die Europäische Union fördert jeden bewirtschafteten Hektar mit 280 Euro jährlich aus der sogenannten ersten Säule, einem Förderprogramm mit Direktzahlungen an Landwirte, bei der diese verbindliche Vorgaben aus insgesamt 18 europäischen Richtlinien und Verordnungen einhalten müssen. Weitere 280 Euro pro Hektar erhält der Reimehof pro Jahr aus der zweiten Säule für das besonders umwelt- und tiergerechte Bewirtschaftungsverfahren, das über die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen hinausgeht.

Um 6 und um 16.30 Uhr werden die Ziegen gemolken. Dafür laufen sie jeweils in den Melkvorhof, wo sie Getreide – was für die meisten Menschen Schokoladeneis ist, stellt Getreide für Ziegen dar – bekommen. Am Anfang des Jahres geben sie jeweils vier Liter pro Tag, ab Herbst lässt die tägliche Milchleistung pro Ziege auf bis zu 2,5 Liter nach. Auch, wenn das Melken dank der Vakuumpumpen je Ziege nur ein bis zwei Minuten dauert, vergehen für den gesamten Prozess, bis alle Tiere gemolken sind, inklusive dem Reinigen der Anlage eineinhalb Stunden.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin