Sittenbachtal: Kinder müssen früher raus

Busfahrplan sorgt für Unmut

Eine halbe Stunde früher sammelt der Bus die Kleedorfer Schüler ab 11. Dezember in der Ortsmitte ein – sehr zum Ärger ihrer Eltern. | Foto: A. Pitsch2017/12/8611095.jpeg

KLEEDORF – Für Aufregung sorgt der neue Winterfahrplan des VGN vor allem im Sittenbachtal. Während es vielerorts nur geringfügige Änderungen gibt, müssen vor allem die Schulkinder, die aus der Gemeinde Kirchensittenbach nach Hersbruck fahren, genau hinsehen, um ab 11. Dezember nicht den Bus zu verpassen oder lange in der Kälte stehen zu müssen.

Noch hängt der neue Fahrplan nicht aus, aber im Internet ist er seit Kurzem zu sehen. Was sich da bei der Buslinie 338 auftut, hat so manchem Schüler und seinen Eltern schier die Sprache verschlagen. Bisher war es beispielsweise so, dass die Kinder, die in Hersbruck zur Schule gehen, um 7.25 Uhr in Kleedorf-Ortsmitte abgeholt werden. In Zukunft fährt ihr Bus bereits um 6.54 Uhr. Die Eltern wollen das so nicht hinnehmen, dass für einen Schulweg von gerade mal fünf Kilometern die Kinder so früh aus dem Haus müssen.

In der Bürgerversammlung versuchte Bürgermeister Klaus Albrecht zu beruhigen. Er wolle nochmals mit dem Landratsamt reden. Doch es schaut schlecht aus. Es stehen zwar zwei weitere Busse um 7.11 und um 7.25 Uhr auf dem Fahrplan, die 500 Meter außerhalb des Ortes an der Staatsstraße halten – doch das hilft den Kleedorfer Kindern nicht.

Keiner dieser Busse könne wie bisher in den Ort fahren, wie Sabine Meier vom Sachgebiet ÖPNV am Landratsamt erklärt. Sie seien erstens zu groß zum Wenden in dem engen Ort und zweitens schon zu voll, wenn sie in Kleedorf ankommen, und sie müssten pünktlich in Hersbruck am Bahnhof sein, weil die Berufsschüler weiter nach Lauf müssen.

EU kontra „Platzhirsche“

Es steckt aber noch mehr dahinter. Früher habe der Busunternehmer vor Ort die Schüler gefahren, das sei nach EU-Recht nicht mehr zulässig. „Es gibt keine Platzhirsche mehr“, so die Sachbearbeiterin. „So wie die Konzessionen (Verträge) auslaufen, so müssen sie europaweit neu ausgeschrieben werden.“ Dies war nun der Fall im Sittenbachtal und auch im Hammerbachtal.

Diese beiden Täler werden durch die Buslinien 338 und 335 bedient. Nach dem Nahverkehrsplan des Landkreises sollten Buslinien gebündelt werden, damit sie wirtschaftlicher sind. Sprich, ein Bus, der von Hohenstein zum Schulzentrum nach Hersbruck fährt, steht dann nicht ein paar Stunden unbewegt rum, sondern fährt gleich weiter, beispielsweise nach Henfenfeld.
Die beiden Buslinien, die jetzt unter dem Linienbündel Hersbruck regional West zusammengefasst sind, teilen sich in Zukunft die Unternehmen Grötsch aus Stöppach und Pickel aus Engelthal.

Für den Planer vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ist es eine Mammutaufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Schulkinder ab zirka sieben Uhr in den vielen teils winzigen Orten abgeholt werden und rechtzeitig in Hersbruck zum Schulbeginn ankommen. „Außerdem spielen auch die Lenk- und Ruhezeiten der Busfahrer mit hinein“, weiß Sabine Meier. Das ist auch ein Grund, warum beispielsweise Kinder aus Wallsdorf nicht um 14.08 Uhr vom Schulzentrum Hersbruck nach Hause fahren können.

„Fahrplan ging nicht mehr“

„Der bisherige Fahrplan ging nicht mehr“, resümiert Meier. Und dieses Mal treffe es eben die derzeit zwölf Schüler aus Kleedorf, die in den sauren Apfel beißen müssen. Meier warnt davor, dass die Kleedorfer wieder hinunter gehen an die dunkle Staatsstraße, so wie bis vor zwei Jahren, als sie der Schulbus noch nicht im Ort abholte. Es könne sein, dass sie keinen Platz in dem Bus um 7.25 Uhr bekämen – nicht einmal einen Stehplatz, was im Übrigen bei der Schülerbeförderung erlaubt und gang und gäbe ist. Aber der Bus steht doch im Fahrplan? Ja, aber wenn zu viele Kinder rein wollen, müsse neu überlegt werden und schlimmstenfalls der Halt „Kleedorf Abzweigung“ aus dem Fahrplan genommen werden, so Meier.

Was für die Kleedorfer neu ist mit der frühen Abfahrtszeit, ist für die Kinder aus den nördlichen und damit weiter entfernten Gemeindeteilen schon immer so. Doch diese dürfen sich nun freuen. Die Hohensteiner werden beispielsweise künftig statt um 6.49 erst um 7.12 Uhr abgeholt, die Wallsdorfer statt um 6.54 um 7.05 Uhr. Früher aufstehen heißt es aber auch in Hormersdorf und Steinensittenbach, wo der Bus 13 Minuten eher fährt als bisher.

Und im Hammerbachtal? „Da ändert sich kaum etwas“, meint Sabine Meier. Alle Schüler sollten sich rechtzeitig über die neuen Abfahrtszeiten im Internet informieren, nicht dass es am Montag, 11. Dezember, böse Überraschungen gebe. Neu ist darüber hinaus, dass auf der Linie 338 fast nur noch Low-Entry-Busse mit niedrigem Einstieg fahren und für Kinderwagen und Rollatoren geeignet sind.

N-Land Elke Bodendörfer
Elke Bodendörfer