TBC im PZ-Kulturraum

Joints für Jamaica

Florian Hoffmann, Michael A. Tomis und Georg Königer (von links), die aktuelle Besetzung des Totalen Bamberger Kabaretts (TBC), haben 2017 zum „Jahr der Superlative“ erklärt. | Foto: Link2018/02/TBC-Jahresruckblick-2017--e1517846890420.jpg

LAUF — Das Totale Bamberger Cabaret (TBC) erklärte in seinem Jahresrückblick im PZ-Kulturraum 2017 zum „Jahr der Superlative“. Im Jahr 1 der Trump-Präsidentschaft, dem größten Präsidenten aller Zeiten mit den meisten Zuschauern bei der Amtseinführung und dem größten roten Knopf, könne man nur noch in Steigerungsformen reden. Und so könne dieses Programm nur als der „allerbeste hugest (riesigste) Jahresrückblick aller Zeiten“ betitelt werden.

Tatsächlich starteten Georg Königer, Florian Hoffmann und Michael A. Tomis, die TBC-Besetzung seit 2013, einen Angriff auf die Lachmuskeln und fassten die großen Ereignisse und Trends des vergangenen Jahres gekonnt und satirisch pointiert zusammen. Und das vor dem „zuschauerigsten Publikum“ auf der „läufigsten Bühne“ im ausverkauften Saal.

TBC überzeugt auch musikalisch mit den Cover-Versionen großer Hits. So wäre der 4,7 Milliarden Mal im Internet geklickte Song „Despacito“ eigentlich geklaut und gehe auf das uralte fränkische Volkslied „Des passt e schoo“, das langsam vorgetragen werden müsse, zurück. Der Franke sei eben von Natur aus langsam, was bei anderen der „Highway to Hell“ ist, sei bei uns der Frankenschnellweg.

Die erste gespielte Szene zeigte Golf-Father (den Paten der Auto-Industrie) und den bissigen Hund Adac in einem Gespräch mit Verkehrsminister Dobrinth, die deutlich machte, dass aus Angst vor dem Hund, der eigentlich nichts tut, große Zugeständnisse gemacht werden und die Auto-Industrie das Ergebnis des Dieselgipfels diktierte. Das entspreche schon dem Grundgesetz, das da lautet: „Ich gelobe, dem Bürger zu dienen, solange es die Auto-Industrie nicht stört. Alle Macht geht von Volkswagen aus!“

Trapattoni für Doppelspitze

Es waren so viele Höhepunkte im Programm vor der Pause, dass nur einige Spitzen erwähnt werden können. So wurde Lothar Matthäus mit „Wäre, wäre, Fahrradkette“ zum Voll-Honk des Jahres, das Comeback des Jahres 2017 war eine Adolf-Parodie von „Das ist mein Weg“ (I did it my way), Trapattoni im Bayern-Trikot der neue Trainer für Seehofer und Söder, die er zur Doppelspitze mit Forza machen will, „Ich bin der Schulz“ als größte Euphorie bei der SPD-Kanzlernominierung, „I’m too sexy for Berlin“ als Lindner-Selbstverständnis, „Ups, I did it again“ als Reaktion Merkels aufs Wahlergebnis und das entsprechende „Das war scheiße, das war nix“ der SPD.

Nach der Pause widmete man sich den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, die in einem fränkischen Dorf Strunzleshausen große Sympathien auslöst, das nun auch „Liberté, Fraternité, Hibiskustee“ und eine eigene Währung, den Strunz, haben möchte. Beim Kanzlertreffen im Himmel zeigte sich anschließend Michael A. Tomis als großer Stimmenimitator und ließ FJS sagen: „Ich bin der größte Kanzler, den Deutschland nie gehabt hat und habe einen eigenen Flughafen, der bereits im Betrieb ist!“

Hitparade der Populisten

TBC vertritt die Meinung, Jamaica wäre zu retten gewesen, wenn man gemeinsam Joints geraucht hätte, eben eine „Joint Venture“. In einer Szene zeigen sich alle Parteien relaxt und ziehen gemeinsam an der Tüte. Das Finale ist die Hitparade der Populisten mit Platz 3 „Zaun Baun“ mit Victor Orban und den Grenzschutzboum, Platz 2 „Fester auf die Mexikaner“ mit Donald Trump und Platz 1 „Küss küss“ mit der harten Nuss vom Bosporus. Trotz allem: „Wir haben Grund zum Feiern, weil wir das Jahr geschafft haben.“

Das Publikum zeigte sich begeistert, einige waren sogar überzeugt, dass sich TBC von Jahr zu Jahr steigert. Ein deutliches Statement dafür, dass es tatsächlich der „allerbeste“ Jahresrückblick war.

N-Land EdithLink
EdithLink