Bundesgesundheitsminister zu Gast in Lauf

Jens Spahn will Pflegekräfte entlasten

Auf Einladung des Lions Club Lauf sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor rund 50 Zuschauern über die Zukunft des Gesundheitswesens im ländlichen Raum. | Foto: Cichon2018/09/Bildschirmfoto-2018-09-21-um-17.54.21.png

LAUF — Rückkehr nach Lauf: Jens Spahn (CDU) hat erneut das Café Einstein besucht. Diesmal, um als Bundesgesundheitsminister über die Zukunft des Gesundheitswesens im ländlichen Raum zu sprechen. Wirt Thomas Heimerl kennt er von einem gemeinsamen Talkshowauftritt.

Passend zum Thema des Abends wurde der 38-Jährige bereits vor der Veranstaltung auf der Straße aufgehalten, bevor er überhaupt dazu kam, vor den rund 50 Zuhörern zu sprechen. Am Eingang vor dem „Einstein“ warteten Aktivisten der Bürgerinitiative „Unser Herz schlägt für das Hersbrucker Krankenhaus“, die die Klinik vor der Schließung bewahren wollen, auf den Gast aus Berlin. Sie übergaben dem Minister einen offenen Brief, in dem sie ihr Anliegen schildern. Spahn versprach, sich mit dem Thema zu befassen.

Vertreter der Bürgerinitiative zur Rettung des Hersbrucker Krankenhauses sprachen Spahn vor dem Vortrag auf der Straße an. | Foto: Cichon2018/09/Bildschirmfoto-2018-09-21-um-17.52.16.png

In der späteren Diskussionsrunde meldete sich Angelika Pflaum von der Bürgerinitiative noch einmal zu Wort. Die Gruppe befürchtet, dass „der ländliche Raum ausblutet“, wenn das Krankenhaus geschlossen wird, erklärte sie. Denn für die Menschen, die nicht in Hersbruck wohnen, sei es ein weiter Weg bis nach Lauf. Deshalb wünsche sich die Gruppe, dass zumindest einen Grundversorgung gegeben sei.

Dazu meinte Spahn, dass er die Versorgungslandschaft vor Ort nicht kenne und deshalb keine konkreten Aussagen dazu treffen könne. Oft sei aber das Problem, dass zu viele Krankenhäuser alles behandeln. Deshalb wäre es sinnvoller, dass sich Kliniken stärker spezialisieren und mehr miteinander kooperieren. „Nicht jedes Krankenhaus muss Hüftoperationen durchführen.“

In seinem kurzen Impulsvortrag zu Beginn sagte Spahn, dass er „den Alltag für die Pflegekräfte besser machen“ wolle. Das erreiche man nicht nur über eine bessere Bezahlung. Oft wünschten sich Betroffene weniger Belastung und mehr Kollegen, sagte Spahn.

In der Diskussionsrunde wurde schnell klar, dass das Thema Pflege die Zuhörer am meisten bewegte. „Ich bin Pflegekraft mit voller Seele, aber wir können nicht mehr“, erzählte eine Zuhörerin, die in einem Krankenhaus arbeitet. Oft seien sie und ihre Kollegen nachts jeweils mit über 30 Patienten allein auf der Station.
Wenn jemand krank sei, werde er trotzdem angerufen, ob er nicht doch einspringen könne, schilderte sie. Spahn meinte, er verstehe ihre Angst und wolle die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verbessern, etwa durch die Einführung einer Pflegeuntergrenze.

Hoffen auf Veränderung

Sie fühlte sie sich von Spahn verstanden und hoffe, dass er etwas verändern könne, sagte sie nach der Veranstaltung. Für sie komme das dann allerdings zu spät, denn sie werde den Beruf jetzt schweren Herzens an den Nagel hängen.

Jens Spahn zog im Anschluss kurz Bilanz: „Es war eine emotionale und gute Debatte. So mag ich das am liebsten.“ Die Arbeitsbedingungen in der Pflege seien eindrucksvoll dargestellt worden, erklärte der Minister.

Für einen Bundesminister war es ein nicht alltäglicher Veranstaltungsraum. Der Termin im Café Einstein kommt nicht von ungefähr: Dessen Pächter Thomas Heimerl hatte den CDU-Politiker im April 2017 in der ZDF-Polittalkshow „Maybrit Illner“ kennengelernt (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

Damals hatte der Wirt Spahn nach Lauf eingeladen und wenige Monate später ließ dieser sich tatsächlich einen Burger im Café Einstein schmecken. Dass der Minister noch einmal vorbeikam, freute Heimerl sehr. „Wir stehen immer noch in Kontakt und schreiben uns regelmäßig.“

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon