Pippo Pollina Trio in Hersbruck

Wie ein Abend mit Freunden

Pippo Pollina (vorne) wird von Michele Ascolese begleitet. | Foto: A. Pitsch2017/11/IMG_2393.jpg

HERSBRUCK – „Er hat unsere Herzen vor fünf Jahren beim Süden-Konzert ganz toll erwärmt“, sagte Bürgermeister Robert Ilg zu Konzertbeginn in der Geru-Halle. Und dies gelingt dem Pippo Pollina Trio auch dieses Mal mit Leichtigkeit. Die Musik versprüht das Flair eines entspannten, fröhlichen Sommerabends mit Freunden, Themen von Gott und der Welt, Gesang und Tanz.

Im Halbdunkel ist eine mit Instrumenten vollgestopfte Bühne zu erahnen: zwei Keyboards, fünf Gitarren, Saxophon, Klarinette, Trommel – die vielen eingefleischten Fans in der Halle kennen das schon. Sie tauschen sich über die Anzahl von Konzertbesuchen, Orte und Programme aus. Eine Frau kommt zu dem Schluss: „Das ist die beste Tour.“ Kein Wunder, dass Jubel aufbrandet, als Pippo Pollina erscheint.

Perlende, beruhigende Klavierklänge hüllen die Zuschauer ein. Die markante, ausdrucksstarke Stimme, die in den Tiefen leicht rauchig klingt, transportiert italienische Texte. „Ihr habt jetzt sechs bis sieben Monate Zeit, die Sprache zu lernen, bis ich mit Süden II wieder nach Hersbruck komme“, witzelt Pollina.

Seine Moderationen mit Augenzwinkern und italienischem Charme kommen beim Publikum an, seine Erzählungen mit italienisch-schweizer Zungenschlag sind sehr persönlich: Pollina nimmt die Heimat aufs Korn, hat „Fantasievolles“ studiert, nämlich Jura, spricht über die Mafia und ist beeindruckt von Persönlichkeiten wie Boxer Muhammad Ali und Chansonnier Léo Ferré.

Auch wenn der Liedermacher, der in der Schweiz lebt, mit Michele Ascolese und Roberto Petroli zwei Musiker an der Seite hat, die in Soli ihr beeindruckendes Können zeigen, Pollina ist der Mittelpunkt. Gerade anfangs bedient er sich einiger Einspielungen und langer Erklärungen, wie er zum Beispiel zur Musik gekommen ist. Zwar sind die Infos zum Verstehen der Lieder und Pollinas Antrieb gut, doch bräuchte es das nicht: Die Stücke überzeugen auch so, weil der charismatische 54-Jährige viel Überzeugungskraft hineinlegt.

Geschickt gemacht ist aber ein Video eines früheren Sinfonie-Konzerts Pollinas samt Live-Performance: Der Vortrag wirkt – unter anderem wegen der militärisch gespielten Trommel – stark, mächtig, fast aggressiv. „Einfach genial“, entfährt es einem Fan. Das Repertoire des Trios wechselt zwischen schwungvollem italienischen Chanson, energiegeladenem Klezmer-Touch, dezenten Mandolinenklängen, mitreißenden „Gute-Laune-Songs“ und erhabenen, melancholischen Vorträgen. Aber auch überschäumende Lebensfreude gehören zum Trio. Der Spaß am Musizieren ist den Männern anzusehen und zu hören – da springt der Funke aufs begeisterte, tanzende und klatschende Publikum über.

Berührend und ehrlich
Eine sehnsuchtsvolle Klarinette hat im Programm ebenso ihren Platz wie sanfte Gitarren mit romantischem Saxophon. Besonders da kommen Pollinas kraftvolle Stimme und seine Ausstrahlung zur Geltung – und die poetischen Texte. Nur einmal bei „Wo die Granatäpfel wuchsen“, lässt Pollina den Text der deutschen Übersetzung an die Wand werfen: „Wo die Granatäpfel wuchsen, war der Sommer ein Feuerball … Ein Haus zu bauen, wird dann sein, wie einen Schatz zu finden.“ Die Worte sind eindringlich, berührend und ehrlich. Vielleicht würde es sich doch lohnen, Italienisch zu lernen, um im Sommer die volle Pollina-Poesie genießen zu können.

Das Konzert fand statt in der Reihe „Kunst und Kultur im Kreis“ von Sparkasse und Stadt Hersbruck.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch