„Soziale Fahrradwerkstatt“ sucht Ort und Helfer

Wer will reparieren und integrieren?

Kerstin Stocker vom Landratsamt und Dorothea Müller Phillips Sohn (v.l.) suchen Helfer für eine soziale Fahrradwerkstatt in Hersbruck. | Foto: M. Wildner2017/06/8161732.jpeg

HERSBRUCK – Viele schwingen sich jetzt bei bestem Frühlingswetter besonders gerne aufs Fahrrad, für manche Menschen ist es aber der einzige fahrbare Untersatz, den sie haben. Ihnen bei kleineren Reparaturen zu helfen und gleichzeitig Migranten besser zu integrieren, ist das Ziel der „sozialen Fahrradwerkstatt“, die dieses Jahr in Hersbruck eröffnen soll. Doch noch fehlen helfende Hände und der passende Ort.

Bereits 2016 organisierte die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe „Hand in Hand in Hersbruck“ verschiedene Aktionen, um kaputte Fahrräder zu reparieren. Um das Angebot dauerhaft zu etablieren, möchte Dorothea Müller Phillips Sohn mit „Hand in Hand“ und einigen Unterstützern eine „soziale Fahrradwerkstatt“ in Hersbruck einrichten. Unter dem Aspekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ sollen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund dort kleinere Reparaturen selbst erledigen können.

Integriert durch Ehrenamt
Aber das Projekt verfolgt noch ein weiteres Ziel: Migranten und Asylbewerber sollen ehrenamtlich in der Werkstatt mitarbeiten können und dadurch besser integriert werden. „Sich gegenseitig zu helfen ist ein wichtiger Schritt bei der Integration“, erklärt Müller Phillips Sohn. Auch ein Nachhaltigkeitsaspekt ist dabei, weil Räder repariert anstatt weggeworfen werden.

Da trifft es sich gut, dass die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen und Freiwilligen-Zentren in Bayern (lagfa) gerade ein Projekt zur Förderung solcher Vorhaben ausgeschrieben hat. Unter dem Titel „Miteinander leben – Ehrenamt verbindet“ laufen bayernweit aktuell 20 Projekte zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Bei der finanziellen Umsetzung der sozialen Fahrradwerkstatt hilft Kerstin Stocker, Leiterin des WinWin-Freiwilligenzentrums Nürnberger Land. Sie kümmert sich vor allem um die Beantragung der Fördergelder. In Lauf wurde bereits ein ähnliches Projekt mit Hilfe solcher Gelder realisiert und wird seitdem sehr gut angenommen. „Damit wir uns um die Förderung bewerben können, muss die Werkstatt noch dieses Jahr eröffnen“, erklärt Stocker.

Deshalb will Müller Phillips Sohn nun so schnell wie möglich handeln, damit das Projekt bis zum Sommer umgesetzt ist. Etwas Wichtiges fehlt allerdings noch: eine Räumlichkeit, in der die Werkstatt unterkommt.
„Eine größere Garage oder Scheune wäre gut, auf jeden Fall in zentraler Lage, damit viele darauf aufmerksam werden“, erklärt sie ihre Vorstellung. Der Ort für die Werkstatt sollte gut zugänglich und abschließbar sein und außerdem genügend Platz für eine Werkbank, Fahrradständer und Werkzeuge bieten. Außerdem sollte er dauerhaft zur Verfügung stehen. Über eine kostenlose Überlassung würde sie sich natürlich freuen, aber auch ein kleiner Mietbetrag sei in Ordnung.

Fahrradaffine Helfer
Zudem braucht das Projekt helfende Hände. „Wir suchen eine engagierte Person, die alles am Laufen hält, eine handwerkliche Ader besitzt und ein bisschen fahrradaffin ist oder sich gerne Kenntnisse aneignet“, erklärt Müller Phillips Sohn weiter. Derjenige darf sein Know-how auch weitergeben, denn in der Werkstatt soll nicht nur handwerklich geholfen werden, die Kunden sollen auch lernen, ihr Rad selbst zu reparieren.

Deshalb steht die Werkstatt in keiner Konkurrenz zu lokalen Fahrradhändlern, im Gegenteil: Die Händler würden kleinere Ersatzteile zur Verfügung stellen und könnten sich vorstellen, Workshops anzubieten. An welchen Tagen und wie lange die Werkstatt geöffnet haben soll, hängt laut Müller Phillips Sohn von den Kapazitäten des Ehrenamts ab.

Wer Lust hat, sich ehrenamtlich bei der sozialen Fahrradwerkstatt zu engagieren, kann sich an Kerstin Stocker wenden, per Telefon unter 09123/9506700 oder E-Mail an: k.stocker@nuernberger-land.de.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner