Weltweites Wachstum

Die Kiwi-3in1-Box, mit der sich die Frucht transportieren, schneiden und essen lässt, ist nur eine der rund 120 Neuheiten von Fackelmann. Foto: Fackelmann2012/02/5_2_1_2_20120210_FACKEL.jpg

HERSBRUCK (ap) – Alexander Fackelmann bleibt seiner Linie treu und der Erfolg gibt ihm Recht: Er setzt auf Kontinuität und trotz voranschreitender Internationalisierung auf den Standort Deutschland. Damit erreichte die Firma Fackelmann ihr selbst gestecktes Ziel und konnte beim Pressejahresgespräch einen Umsatz in 2011 von 301 Millionen Euro verkünden, ein Plus von vier Prozent.

Erwirtschaftet haben dies rund 3500 Mitarbeiter weltweit, das sind ungefähr 1000 weniger als 2010. Eingespart wurden diese vor allem in China. In den vier Werken dort setzt Alexander Fackelmann aufgrund von Lohnexplosion auf eine Automatisierung der Arbeit (wohl rund 500 Chinesen werden die Firma 2012 verlassen müssen) sowie auf eine Rückverlagerung nach Deutschland. „Made in Germany“, das sind zu 100 Prozent die Badmöbel und Backformen, erläuterte Fackelmann. Der Bereich verzeichnet ein Wachstum von 20 Prozent. Insgesamt steuert die Produktion in der Bundesrepublik 30 Prozent zum Umsatz bei.

Treue zu Hersbruck

Wie gut also, dass das Hersbrucker Traditionsunternehmen Deutschland mit seinen konstant 750 Angestellten immer treu blieb und den Stammsitz in Hersbruck mit weiter rund 425 Mitarbeitern durch den Bau des Logistik-Zentrums und die Verlagerung von „Lanzet“ (Badmöbel für den Sanitärfachhandel) 2008 gar stärkte. Allein in der Stadt werden die Fertigung der Badmöbel und von Kunststoffen sowie der Formenbau betrieben – ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Produktion, von der rund 50 Prozent in den drei deutschen Werken abläuft.

Auch die Nachrichten, die den Stammsitz direkt betreffen, sind positiv: Lanzet „wächst auch schön“ im zweistelligen Bereich, erzählte Fackelmann freudig, ist ertragreich und macht einen niedrigen siebenstelligen Umsatz. Als „eine schöne Sache“ bezeichnete der Firmenchef auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Logistik-Zentrums: Mit dem könne man 25 bis 50 Prozent des Strombedarfs der Maschinen selbst decken. Vom vielfältigen sozialen und sportlichen Engagement des Unternehmens profitieren nicht nur die Thomas Sabo IceTigers, bei denen Fackelmann als einer der Hauptsponsoren auftritt („Wir wollen damit junge Leute in die Firma locken.“), sondern auch die Hersbrucker Miniköche.

Trotz aller Heimatverbundenheit sieht Fackelmann die „Internationalisierung als Schwerpunkt der Firmenphilosophie“. Bis auf Griechenland und Portugal ist der Hersteller der Küchenhelfer in jedem europäischen Land vertreten, dazu 13 Mal in Asien und 2011 wurde über ein Tochterunternehmen auch auf dem amerikanischen Kontinent Fuß gefasst. Während Gründungen in Brasilien, Bosnien-Herzegowina und Australien (durch den Kauf einer Firma) kurz bevor stehen, laufen für Südafrika und Russland die Vorbereitungen. Besonders vom schwarzen Kontinent erwartet sich Fackelmann dann einen Boom.

Überhaupt hat der 56-Jährige die Zukunft besonders im Blick: So wurde im Oktober 2011 eine Stiftung gegründet. Durch die Involvierung des Stiftungsrates aus den Geschäftsführern soll die Unabhängigkeit der Firma von nur einer Person und der Familie geschaffen werden. Denn jetzt lägen ja Entscheidung und Eigentum in einer, in seiner Hand. Das soll den Fortbestand des Unternehmens sichern. Außerdem sind seit Februar mit Srdjan Urosevic und Dr. Matthias Metz zwei neue Geschäftsführer an Bord. Diese beiden werden nun auch die rund 120 Neuheiten im „Team der 4000 Artikel“ vertreiben, darunter einen Kiwi-Schneider als Box, Holzprodukte oder ein Pommes-Backblech.

Neben seiner Firma macht Alexander Fackelmann auch sein persönliches Engagement bei der KüchenQuelle „richtig happy“: Mit einem zweistelligen Wachstum erweist sich das e-commerce-Projekt als „profitabel“. Für Fackelmann wünscht sich der Chef eine Ertragsentwicklung in 2012, die eine Selbstfinanzierung ermöglicht. Das Ziel seien wieder vier Prozent mehr Umsatz, auch wenn er weiß: „Geld allein macht nicht glücklich“.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch