Volker Heißmann in Spitalkirche

Von Maria zu Marichen

Quirlig und nachdenklich im Sekundentakt, dazu ein stimmgewaltiger Sänger: Komödiant Volker Heißmann schlug in der voll besetzten Stadtkirche Brücken vom Himmel zur Erde. | Foto: U. Scharrer2018/09/Heissmann.jpg

HERSBRUCK – „Ja, is denn scho widda Weihnachdn? De Kerch is voll!“ – ein Satz, und Entertainer Volker Heißmann hatte die nahezu 500 Besucher der Stadtkirche in der eleganten Jackett-Tasche. Wer beim pointierten Titel des Programms „Introitus Interruptus“ Schlüpfrigkeiten oder harsche Kirchenkritik erwartet hatte, war auf dem Holzweg. Der Mitbegründer der Fürther Comödie präsentierte stattdessen mit Authentizität und großer Geste ein leidenschaftlich-heiteres Plädoyer für Kirche und Glauben, Lachen und Leben.

Als Maria im Krippenspiel startete der kleine Volker in Fürth in sein Sängerleben. Nur einen Steinwurf von der St. Paulskirche aufgewachsen, schien die Laufbahn als Chorknabe unausweichlich – und der spätere Werdegang als Mariechen nur folgerichtig. Wobei: Wenn der voluminöse Bariton des Komödianten Volker Heißmann die Hersbrucker Kirchenbänke beben ließ, war kein Gedanke mehr an das hohe E, das Klein-Volkers kometenhaften Aufstieg in der Kirchenmusik vorzuzeichnen schien.

Volker Heißmann nahm nichtsdestotrotz einen „Umweg“ über die Karriere als Komödiant mit unglaublichen 300 Auftritten im Jahr – dem „Gotteshaus“ und seinen Inhalten blieb er dennoch treu. Dass der Fürther Kirchenvorsteher sich mit den klerikalen Gepflogenheiten auskennt, zeigte sich, als er Mesnerin Erika Frauendorf eine kurze Hauptrolle in seinem Programm zukommen ließ und sie auf die wilde Jagd nach Streichhölzern durch Altarraum und Sakristei ( oder wie Heißmann es nannte: den Backstagebereich) sandte, um die Altarkerzen zu entzünden: „Wenn die Kerch voll ist, dann müssen wir die Leute auch mit allen Mittel beeindrucken! Wir geben alles!“

Heitere Anekdoten und bewegende Momente

Vor angemessen illuminiertem Altar gab Heißmann dann mit verblüffender Authentizität nicht nur heitere Anekdoten und die kleinen Rituale des Künstlerlebens auf der Show-Walz preis, sondern nahm seine Zuhörer auch zu bewegenden Momenten und den Tiefpunkten seines Lebens mit und erzählte, wie ihn Glaube und Kirche dabei gerettet haben – und seien es nur die Kirchenglocken von St. Paul, die den aufschauenden Volker vor der unglücklichen Begegnung mit einer herabstürzenden Fernsehantenne bewahrten. So fein ausbalanciert und absolut auf den Punkt präsentiert war die Melange aus heiteren – und immens erheiternden – Plaudereien, Slapstick, ernsten Abschnitten und mitreißender Musik, dass Tränen des Angerührtseins sich mit Lachtränen mischten.

Für das perfekte Entertainment stand das Pavel Sandorf Quartett, das mit Thorsten Seidel am Schlagzeug, Max Köhler am Bass, Stefan Porzner am Piano und dem als „Tuschmaster“ vom Veitshöchheimer Fasching bekannten Pavel Sandorf an Saxophonen, Klarinette und E-Gitarre den Sound einer Big Band erzeugte. Ohne Furcht vor großen Emotionen boten die vier dem vollen Bariton Heißmanns die perfekte, bombastische und nur in wenigen Momenten als zu viel erscheinende Begleitung – zu Leonards Cohens „Hallelujah“ hätte es auch ein bisschen weniger sein dürfen.

Heißmanns „Lieder- und Geschichtenabend“ bot dem Entertainer die Bühne auch für sein Anliegen, dem Publikum das Lachen in vielen Lebenslagen nicht vergehen zu lassen. Für ein bisschen Lachyoga tauchte er in die Menge ein, für den Schlusssegen räumte er die Bühne für Dekan Werner Thiessen. Denn der Glaube, das ließ Heißmann immer wieder aufscheinen, gehört für ihn zum „Leben in Fülle“ dazu.
Bleibt nur noch zu hoffen, dass der begnadete Komödiant mit den fränkischen Zungenschlag wirklich – wie ihm prophezeit – 103 Jahre alt wird. Dann wären noch 54 Jahre glänzende Unterhaltung zu erwarten.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer