Hersbrucker Amtsgericht

Verhandlung wegen Körperverletzung

Ein 21-Jähriger Nürnberger stand wegen Körperverletzung vor Gericht. | Foto: rcfotostock - stock.adobe.com2019/02/AdobeStock_164581217.jpeg

HERSBRUCK – Fast drei Jahre Gefängnis wegen zweier Faustschläge ins Gesicht eines Jugendlichen? Doch Jugendrichter Waldemar Müller sah am Ende der Beweisaufnahme und nach Beratung mit den beiden Schöffen keinerlei Spielraum mehr für eine weitere Bewährungsstrafe.

Bis vor kurzem wohnte Mario Berger (Name geändert) noch bei seiner Familie in Altdorf, seit einigen Monaten hat er in Nürnberg eine eigene Wohnung. Staatsanwalt Klaus Hellein beschuldigte den 21-Jährigen der versuchten und der vollendeten Körperverletzung und einer Sachbeschädigung. Laut Anklageschrift soll er bei einer Feier in Schwarzenbruck im Mai 2018 einen Jugendlichen grundlos zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst haben. Dem 16-Jährigen ging die Brille zu Bruch und er hatte erhebliche Schmerzen. Auch einen weiteren jungen Mann soll er laut Staatsanwalt attackiert haben.

Auf ein vom Verteidiger gewünschtes Rechtsgespräch lässt sich der Vorsitzende Richter zunächst nicht ein und meint: „Für ein internes Gespräch ohne Öffentlichkeit kann ich in diesem Fall keinen Grund erkennen. Im Laufe der Verhandlung kann alles dargelegt werden“.

Nach Absprache mit seinem Mandanten erklärt Rechtsanwalt Ernst Eder, dass die Vorwürfe zutreffen und bereits im Dezember 200 Euro Entschädigung wegen der kaputten Brille bezahlt wurden. Der Angeklagte habe sich auch entschuldigt. Auf Nachfrage des Richters nach dem Warum, erklärt der Angeklagte: „Naja, ich stand da halt unter Alkohol“.

Nach dem Geständnis wird nur der hauptgeschädigte Schüler als Zeuge befragt, mehrere weitere geladene Zeugen werden ungehört entlassen. Der Vorsitzende Richter holt tief Luft und kommt dann, wie er sagt „zu einem sehr unschönen Kapitel“. Er verliest die Einträge des Mario Berger aus dem Bundeszentralregister. Seit 2013 stand der heute 22-Jährige demnach schon sechsmal vor Gericht.

Die Anklagen und Verurteilungen der Vorverhandlungen enthielten eine breit gefächerte Liste verschiedenster Straftaten. Unter anderem war er schon wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, verbotenen Waffenbesitzes und Drogenhandels, Fahrens ohne Fahrerlaubnis unter Rauschmittel und mit Unfall vor Gericht.

Etwa zehnmal wurde er seit 2013 auch beim Schwarzfahren erwischt. Dreimal wurde er bisher zu Bewährungsstrafen verurteilt, wobei er innerhalb der Bewährungsfristen immer wieder straffällig wurde. Der junge Mann auf der Anklagebank gibt sich reumütig und macht einen äußerlich gefassten Eindruck. Er hat derzeit eine feste Arbeitsstelle. Sowohl sein Bewährungshelfer wie auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe attestieren Berger ein Umdenken seit der letzten Verurteilung vom Juli 2018 und positive Perspektiven.

Faustschläge mit Folgen
Der Anklagevertreter machte in seinem Plädoyer klar, dass Faustschläge ins Gesicht schwerste Verletzungen verursachen können. Zudem stand Berger noch unter laufender Bewährung. Staatsanwalt Hellein fordert eine Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Der Verteidiger betont die positiven Aussagen der Jugendgerichtshilfe und verweist auf das vollumfängliche Geständnis und die Reue seines Mandanten. Er hält eine Therapie und vier Wochen Arrest für ausreichend.

Nach eingehender Beratung mit den beiden Schöffen verkündet Müller das Urteil: Unter Einbeziehung der Vorstrafen verurteilt er Mario Berger zu zwei Jahren und neun Monaten Haft ohne Bewährung. Die derzeit positiven Eindrücke und Prognosen erkennt das Gericht durchaus an, diesen Eindruck vermittelte der junge Mann aber auch schon bei dem Verfahren letzten Sommer und wurde dennoch wieder straffällig.

In seiner Begründung führt der Richter aus: „Derartig viele Straftaten seit dem 14. Lebensjahr und drei unerledigte Bewährungsvorstrafen – die letzte im Juli 2018 – lassen keine weitere Bewährung zu“. Rechtsmittel können binnen einer Woche eingelegt werden.

N-Land Helmut Neitz
Helmut Neitz