Pächterin sucht Nachfolger

Veränderungen im Hersbrucker „… na und!“ bahnen sich an

Die Ecke neben der Bar ist Erdmute Lippers Lieblingsplatz, denn da hat sie einen Überblick über die Kneipe. | Foto: A. Pitsch2018/12/IMG_4250.jpg

HERSBRUCK – Immer wieder geisterte das Gerücht durch die Stadt: Das „… na und!“ am rechten Hersbrucker Bahnhof schließe. Bislang war trotz verkürzter Öffnungszeiten nichts dran, aber jetzt sucht Kneipenbesitzerin Erdmute Lipper nach einem Nachfolger.

Vor knapp sieben Jahre verwirklichte sich Erdmute Lipper einen Traum: Sie pachtete die Bahnhofsgaststätte, richtete sie aufwendig und liebevoll her und schuf so einen „gemütlichen Kommunikations- und Kulturort für Hersbruck“. Hier sollten sich Menschen aller Berufsgruppen, Ethnien und Altersklassen wiederfinden. Lipper hatte die Vorstellung, dass der Manager und der Harz-IV-Empfänger nebeneinander an der Theke sitzen und locker ins Gespräch kommen. „Das hat auch geklappt“, findet sie.

Das war aber nur ein Teil ihres Konzepts. In der Küche, in der stets frisch gekocht wird, setzt sie auf Bio- und regionale Produkte. Namen von Großkonzernen und Großbrauereien findet man auf der Karte des „… na und!“ nicht. „Wir haben daher zum Beispiel wechselnde Biere winziger fränkischer Brauereien“, erklärt die 59-Jährige. Auch der Fair Trade-Gedanke liegt ihr am Herzen – bei Einkauf, Arbeitsbedingen und dem Kontakt zu den Zulieferern.

„Sehr beliebte Gaststätte“
Nicht nur das sowie die regelmäßigen Konzerte scheinen bei den Gästen gut angekommen zu sein („Es ist eine sehr beliebte Gaststätte“, sagt die Tierärztin, die eine Praxis in Nürnberg betreibt), sondern auch die beiden Großveranstaltungen Fair Trade-Fest und ein Tag für Geflüchtete. Beides spiegle den Anspruch des „… na und!“ wider, meint Lipper: „Es wäre toll, wenn so etwas wieder möglich wäre.“ Der Ort oben am Bahnhof biete ganz viele Möglichkeiten, ist sie überzeugt: „Ich platze vor Ideen.“ Aber sie, der die Arbeit in der Kneipe so viel Spaß macht, hindert die Zeit.

Als im Februar dann noch die zwei Köchinnen und der Geschäftsführer kündigten, weil sie lieber wieder tagsüber arbeiten wollten, so Lipper, „blieb alles an mir hängen“. Lediglich wechselnde Aushilfen standen ihr zur Seite. Die Folge: Lipper verkürzte die Öffnungszeiten auf Donnerstag bis Samstag – aber nicht, weil die Kneipe eine Goldgrube ist, wie viele laut Lipper hinter vorgehaltener Hand tuschelten, sondern wegen Zeit und Gesundheit, die bei der 59-Jährigen aufgrund des Stresses zu leiden beginnt.

Lipper musste einsehen, dass das „Doppelleben aus Kneipe und Praxis mit einer 40-Stunden-Woche nicht mehr machbar ist“ – schweren Herzens. Denn: „Ich liebe diesen Ort.“ Daher will sie um jeden Preis verhindern, dass die Gaststätte schließt, und sucht derzeit nach Personen, die mit genau so viel Herzblut weitermachen. „Ideal wäre ein Profi, der „sich in Hersbruck auskennt“ und die Grundgedanken des „… na und!“ übernimmt.

Ein paar Interessenten hat Lipper schon. Und das ist gut, denn spätestens Ende April ist für die agile Hobby-Gastronomin endgültig Schluss. Bis dahin läuft das Konzertprogramm noch. Das heißt aber nicht, dass der Nachfolger erst im Mai starten kann, das sei schon eher möglich, betont Lipper. „Ein nahtloser Übergang wäre einfach super.“

Kultur im Winter
Und was wäre wenn? Man merkt Lipper an, dass ihr diese Vorstellung schwerfällt: „Das wäre der worst case.“ Da der Pachtvertrag noch drei Jahre läuft, muss sie weiterhin zahlen – auch ohne Betrieb. Denkbar wäre für sie, den Sommer über komplett zu schließen, im Winter nur die Kulturveranstaltungen anzubieten und die Räumlichkeiten ansonsten für Feiern zu vermieten. Doch noch ist Erdmute Lipper von diesem Plan B weit entfernt. Sie arbeitet so leidenschaftlich für eine Nachfolge fürs „… na und!“, wie sie es bisher im Lokal selbst getan hat.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch