Interview mit Bernd Händel

Stimmenimitator und Peterlesbou

Bernd Händel hat viele Gesichter. So ist er unter anderem als Silvester Capone unterwegs. | Foto: privat2017/12/8555745.jpeg

HERSBRUCK – Bernd Händel ist der Stargast beim „Markt der langen Gsichter“ der HZ am Mittwoch, 27. Dezember, auf der Bühne des Hersbrucker Weihnachtsmarkts. Er ist am bekanntesten als Stimmenimitator und natürlich als Sitzungspräsident des Veitshöchheimer Faschings und hat aktuell mit Volker Heißmann ein interessantes Projekt am Start.

Wer kommt am 27. Dezember zum „Markt der langen Gsichter“ — ein Peterlesbou, der fränkische Faschingspräsident oder der Kabarettist?

Bernd Händel: Eigentlich alles ein bisschen. In erster Linie komme ich als Bernd Händel, um mitzuhelfen, die ungeliebten Geschenke für den guten Zweck zu versteigern. Aber ich habe alles im Gepäck dabei, alles ist jederzeit abrufbar.

So kurz vor dem Jahreswechsel ist es ja dann fast schon Zeit für Silvester Capone, eine Ihrer Paraderollen. Sind Sie privat selbst auch ein bisschen Mafiaboss?

Eigentlich gar nicht. Die Figur habe ich erfunden, weil ich einem Künstlerkollegen helfen wollte. Er sprang aber nicht auf meine Idee an, mit einer Gangster-Puppe aufzutreten. Meine Frau reagierte ganz anders: Das machst du, meinte sie. (Lacht.) Als so eine Figur kann man ja auch wunderbar seine kriminellen Schattenseiten ausleben. Mir haben die Mafiafilme immer viel Spaß gemacht – vorne ein schönes Gesicht und hinter dem Rücken das Messer wetzen. In der Politik ist es ja ein bisschen ähnlich. Und so war Silvester Capone geboren, der Bodyguard der High-
society. In meinem Kabarettprogramm ist er schon lange mit dabei.

Gerade auch als Veitshöchheimer Faschingspräsident sind Sie ein wichtiger Botschafter des fränkischen Humors. Ein Spaßmacher für Bassd-scho-Franken? Geht das überhaupt?

Das ist nur ein Vorurteil. Meine Erfahrung ist anders. Franken sind ganz und gar nicht humorresistent und gehen zum Lachen mit Sicherheit nicht in den Keller. Wenn alles passt, hauen sie genauso rein wie alle anderen auch.

Als Sohn von Willy Händel sind Sie als Peterlesbou aufgewachsen. War Ihnen der Komiker damit in die Wiege gelegt?

Den Zug zur Bühne hat mir definitiv mein Vater mitgegeben. Er gründete zusammen mit Karl Vogt die Peterlesboum und sie waren zusammen mit Herbert Hisel in den 60er und 70er Jahren die Platzhirsche auf den Bühnen in der Region. Es gab noch nicht soviel anderes damals, es war aber auch noch nicht so salonfähig wie heute. Mit sechs Jahren stand ich zum ersten Mal auf der Bühne im Gasthof Bammes in Buch bei einer Prunksitzung der Buchnesia.

Haben Sie einen Favoriten?

Da gibt es viele. Ich habe es ja wieder aufleben lassen als eine neue Geschichte: die „Peterlesboum – Next Generation“ im Duo mit Volker Heißmann. Am 1. Januar läuft im Bayerischen Fernsehen eine Aufzeichnung einer Volkssänger-Revue aus dem Hofbräuhaus in München. Da kamen wir richtig gut an.

Die Lieder funktionieren immer noch?

Sie sind zeitlos, weil es um die Probleme des Alltags geht, die sich nicht viel verändert haben. Wir haben die bekannten Melodien gelassen, ein paar Texte geändert und eigene Songs dazu geliefert. Ich möchte nicht, dass die Peterlesboum-Lieder, die mir immer gefallen haben, in Vergessenheit geraten. Die Alten erinnern sich, und die Jungen lachen über die Texte.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie 30 Prominentenstimmen beherrschen. Quasseln die in Ihrem Kopf manchmal wild durcheinander, oder wie kann man sich das vorstellen?

Über die Jahre kommen 30 zusammen. Aber dazu zählen auch Reich-Ranitzki oder Rudi Carrell, die ich heute nicht mehr mache. Man hat sie alle irgendwie im Kopf, und dann versuche ich mich in die Person reinzuversetzen. Das geht am besten mit Hören, Hören, Hören und mit Ausprobieren im stillen Kämmerlein. Wenn die Person, der ich das dann vorstelle lacht, dann weiß ich, dass ich nah dran bin. Das lässt sich aber nicht mal eben schnell einüben.

Wen parodieren Sie am liebsten?
Früher Helmut Kohl und Franz Josef Strauß. Den mache ich immer noch gerne, heute kommt die Stimme halt von oben. Aber sonst ist es schon mehr der Seehofer, Jogi Löw oder Peter Maffay.

Die bringen Sie mit zum „Markt der langen Gsichter“.

Auf jeden Fall.

Und eine Portion Mitgefühl für die schlecht beschenkten Hersbrucker, oder erinnern Sie sich gar nicht mehr an Ihr schrecklichstes Weihnachtsgeschenk?

Doch. Krawatten mag ich gar nicht. Ich kann mich an eine erinnern, die sah wie ein Perserteppich aus.

Apropos Weihnachtsgeschenk: Sie haben ein Buch geschrieben: „Faschingskind, nicht nur närrische Zeiten“, das Sie am 15. Dezember (19.30 Uhr) im PZ-Kulturraum in Lauf vorstellen.

Darin beschreibe ich meinen Werdegang von der Kindheit an bis Veitshöchheim, auch mit privaten Geschichten.

Wie kam es zu dem Buch?

Mein Enkelkind hat mir das Buch „Opa, erzähl doch mal“ mit Tausenden Fragen geschenkt. Sie alle zu beantworten, wäre eine Riesenarbeit gewesen. Dann habe ich gesagt: Besser, ich schreibe gleich selbst ein Buch. Das ist jetzt endlich mal etwas zum Mitnehmen, nachdem ich von meinen Programmen nie eine CD aufgenommen habe.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz