Jahresbilanz von Fackelmann

Spezialisten mit Bleibefaktor

In den kommenden Jahren soll auf dem ehemaligen Wolke-Gelände ein weiteres Logistikzentrum von Fackelmann für rund fünf Millionen Euro entstehen (Bild). Foto: Fackelmann-Gruppe2015/02/5_2_1_2_20150212_FACKELM.jpg

HERSBRUCK – Es scheint ein völlig konträres Konzept für diese schnelllebige Zeit: Seit Jahren verfolgt die Firma Fackelmann eine Kombination aus Kontinuität, Festhalten an gewachsenen Strukturen und Partnerschaften, kalkuliertem Risiko und einem guten Gespür für Trends – mit sichtbarem Erfolg. Erneut wuchs der Umsatz des Hersbrucker Unternehmens im letzten Jahr an, diesmal um 4,3 Prozent auf 343 Millionen Euro. Das sind 14 Millionen mehr als 2013, wo aber eine Umsatzsteigerung von 19 Millionen vorzuweisen war. Die angepeilte Fünf-Prozent-Marke hat Alexander Fackelmann damit verfehlt. Gründe: ein nicht ganz glückliches Russland-Geschäft und Investitionen auch in die Zentrale in Hersbruck.

22 Produktions- und Vertriebsstandorte in Europa, 14 in Australien und Asien, dazu weitere in Brasilien, ab diesem Jahr in Südafrika und ein Partner in den USA („Dort dürfen wir reinliefern“, so Fackelmann) – und dazwischen steht Hersbruck als das „Herz“ des Haushaltswaren- und Badmöbelherstellers. Es mag nicht so ganz zu einem „Global Player“ passen, doch zu Fackelmanns Philosophie aus Stabilität, Vertrauen und Linientreue ohne waghalsige Experimente schon. Kein Wunder also, dass der Mittelständler für den hiesigen Standort rund 1,5 Millionen in die Hand genommen hat, um Kunststoff-Spritzgussmaschine, Badmöbel-Produktionsmaschinen und eine Kältemaschine anzuschaffen.

Wer nun denkt, diese Investitionen schlagen sich an anderer Stelle negativ nieder, der irrt. Der Mitarbeiterstamm ist mit 450 Personen in Hersbruck, 740 in Deutschland und rund 3500 weltweit weiter stabil. Und das wird vermutlich auch so bleiben – trotz China: Dort steigen die Lohnkosten um etwa 20 Prozent. Daher übernehmen immer Maschinen das, was sonst der Mensch gefertigt hat. Die Mitarbeiterzahl wird sich aber auf lange Sicht vermutlich nicht verändern, da die Entwicklungen in der Volksrepublik über Polen und Deutschland, das einen Umsatzanteil von 30 Prozent beisteuert, abgefangen werden. Damit wird die inländische Produktion, die momentan bei 50 Prozent rangiert, wohl auf diesem Niveau bleiben.

Konstanz ist also ein Erfolgsrezept von Fackelmann auch 2014. Wie 2013 gab er letztes Jahr erneut ca. 15 Millionen Euro aus, um das Unternehmen „erfolgreich in die Zukunft“ zu führen, so Fackelmanns Motto. Neben Hersbruck standen ein Neubau in Italien zwecks Standort-Vergrößerung (3,9 Mio.), der Umzug in eine neue Verwaltung mit Lager in Kroatien (vorher Miete, 1,2 Mio.), der Aufbau der Holzproduktion in Polen (1,3 Mio.), die Mehrheitsübernahme der Aktiengesellschaft „McPherson s“ in Australien und laufende Kosten auf der Sollseite.

Und 2015 geht es weiter: Rund fünf Millionen sollen für den Bau eines weiteren Logistik- und Lagerzentrums an der Ostbahn auf dem ehemaligen 10.000 Quadratmeter großen Wolke-Areal, das Fackelmann 2012 angekauft hatte, ausgegeben werden. „Unsere Badmöbelsparte Lanzet wächst weiter und ist ja recht Material-intensiv“, begründet der Firmenchef. Baustart soll um 2016 sein. Weitere vier Millionen fließen unter anderem in die Erweiterung von Zenker in Aichach sowie in die Übernahme des Haushaltswaren-Marktführers in Südafrika.

„Das ist der künftige Kontinent“, blickt Fackelmann zuversichtlich voraus. Auch wenn er oft zurückhaltend, ja bescheiden wirkt, er ist ein Mann, der weiß, was er will: überall einen Fuß in der Tür haben, Märkte auf allen Kontinenten erschließen, breit und damit sicher aufgestellt sein – aber ohne dabei sein „Spezialistentum“ aufzugeben. Daher hat er beispielsweise nur den Bereich Haushalt aus der australischen Aktiengesellschaft „McPherson s“ (zu 70 Prozent) herausgekauft, während die Standbeine Gesundheit und Beauty weiter dort verbleiben.

Denn die „Heimat“ der Fackelmanngruppe sind eben Haushaltswaren und Badmöbel, jeweils aufgeteilt in Marken für den Fach- und Einzelhandel. Hier gilt: „Wir wollen nicht billig sein, sondern preiswert, das heißt, der Kunde soll sorglos sein in Sachen Service und Qualität.“ Daher werden beispielsweise die Retouren der Hersbrucker Eigenfertigung von Lanzet penibel analysiert, um dann die Verpackungen so zu optimieren, dass immer weniger beim Liefern kaputt geht. Auf diese Weise wurde die Retourenquote von 2,5 auf 1,6 Prozent, der Bruch von 0,6 auf 0,4 Prozent gesenkt und die Kundenzufriedenheit erhöht: Mit 72 Prozent verzeichnet Lanzet wieder ein „besonderes Plus“ – obwohl auch die Badmöbelsparte der Hersbrucker die Pleite von Praktiker – Fackelmann spricht von einer Belastung von rund fünf Prozent – zu spüren bekam.

Korkenzieher zum Wein

Mit den Höhenflügen von Lanzet können Fackelmann-Badmöbel (5%), asiatische Produkte „Made by Fackelmann“ (19%), Zenker (9%) und Dr. Oetker (64%) zwar nicht ganz mithalten, dennoch zeigt sich der Firmenchef mit dem „sehr gesunden Wachstum“ zufrieden.

Er sieht die Kombination aus verschiedenen Preis- und Kundensegmenten, die Staffelung „aus einer Hand“, die er auch in einer anderen Strategie umsetzt: Zusammen mit dem Schreibwarenriesen Pelikan/Herlitz und dem Beauty-Unternehmen Parsa strebt er einen Konkurrenzverbund zum Universalgroßhändler bei Non-Food für Supermärkte an. Dieser soll durch Service, gemeinsame Präsentationsflächen und Markennamen bei den Discountern punkten.

Überhaupt hat Fackelmann die „Themenbezogene Platzierung“ seiner Artikel bei den Lebensmitteln – Stichwort „Crossmerchandising“ – im Blick: Beim Tee gibt es Tee-Eier, beim Wein die passenden Korkenzieher und für die (firmeneigenen) Badmöbel Entkalker für den Wasserhahn. Auf diese Weise ist der Name Fackelmann omnipräsent – auch dank der Markenbildung außerhalb der Ladenflächen in Form von Sponsoring (Miniköche, Therme, Ice Tigers, Handball Erlangen etc.).

Mit Innovationen wie einer gedämpften, automatischen Beleuchtung am Waschtisch im Bad für nachts oder einem herausziehbaren, beleuchteten Spiegel soll das Wachstum auch 2015 fortschreiten. Mit wie viel er denn rechne? „Die Prognose ist sehr gut“, lässt sich ein verschmitzt lächelnder Alexander Fackelmann entlocken, „ich möchte so mit 370 bis 400 rausgehen“ – Millionen Euro versteht sich.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch