Hirtenmuseum half Wanderschäferwagen

So kam die Träumerei ins Land

Beim Schaffest im Hersbrucker Hirtenmuseum lud der Wanderschäferwagen zum Staunen und Verweilen ein. | Foto: privat2018/05/P1000111.jpeg

HERSRBUCK – Seit Anfang Mai tourt ein Schäferwagen durchs Nürnberger Land. Eine kleinere Ausgabe des Gefährts steht währenddessen fest in Neunkirchen am Sand und lädt dort Groß und Klein zum Verweilen und Träumen ein. Dass dieses ungewöhnliche Projekt, das sich selbst „Träumothek“ nennt, überhaupt im Landkreis ist, ist dem Hersbrucker Hirtenmuseum zu verdanken.

Zig Einrichtungen und Institutionen im Nürnberger Land hat Christian Hanser vom Wanderschäferwagen vor einigen Jahren angeschrieben und ihnen in kurzen Zügen sein Konzept von der „Träumothek“ vorgestellt. Gemeldet hat sich damals nur eine: Ingrid Pflaum vom Hirtenmuseum. Sie lud Hanser mit seinem Wagen schließlich zum Schaffest nach Hersbruck ein. Das war bereits 2015. Auch heuer kam der Schäferkarren aus dem Burgund wieder zum Fest und sorgte dort erneut für staunende Blicke.

Wer den Wagen betritt, findet darin allerhand liebenswerte Kleinigkeiten, Kunstgegenstände, Bücher, eine Landkarte, altes Holzspielzeug, sogar eine Veeh-Harfe. Die Dinge dürfen gerne angefasst und genutzt werden – als Gedankenanstupser. Denn der Schäferwagen will zum Träumen einladen, zum Nachdenken über Gott und die Welt, zum Innehalten im Alltagstrubel. Und er will Begegnungen zwischen Menschen ermöglichen, sie in Kontakt und zum Erzählen bringen.

Das schönste Wort

Der Schäferwagen sei ein Refugium, ein Ort, an dem der Mensch einfach Mensch sein darf, abseits von Stress und ständigem Leistungsdenken. Eine „Pädagogik der Geborgenheit“, nennt Hanser, der in Nürnberg aufgewachsen ist und jetzt in Frankreich lebt, die Philosophie hinter der „Träumothek“. „Geborgenheit“ sei für ihn überhaupt „eines der schönsten deutschen Wörter“.

Etliche Menschen haben beim Schaffest gerne die Gelegenheit zu einer „Auszeit“ genutzt und den Schäferwagen erkundet. In Neunkirchen, wo seit Wochen eine kleinere Ausgabe steht, haben sich seither nicht minder viele Besucher ihren Tagträumen hingegeben. Der Seniorenhof des Ortes ist dabei ebenso eingebunden wie die Grundschule, auf deren Gelände der Wagen mitunter steht. „Sechs Quadratmeter sind nicht viel, aber sie können viel bewirken“, ist Hanser überzeugt. Wer den Schäferwagen nutzen will, kann sich in Neunkirchen bei Bürgermeisterin Martina Baumann den Schlüssel dazu holen.

Dabei steckt hinter der „Träumothek“ nicht etwa ein Aussteigerprojekt. Vielmehr gehe es darum, bestehende Gestaltungsfreiräume zu nutzen und das Leben aktiv nach seinen eigenen Werten zu gestalten, erklärt Christian Hanser.

Besuch aus Frankreich

Am Wochenende kommt nun eigens eine französische Delegation aus dem Burgund. Sie gehören eben jenem Verein an, auf dem die „Träumothek“ fußt. Am Sonntag besuchen die Franzosen Hersbruck, schauen sich das Hirtenmuseum sowie das Bocchetta-Denkmal an und machen einen Stadtrundgang durch die Citta- slow.

Auch ein Gegenbesuch einer deutschen Gruppe im Burgund ist geplant. All das wäre nie entstanden, hätte das Hirtenmuseum damals nicht auf die Anfrage des Wanderschäferwagens geantwortet. Und hätte Christian Hanser nicht den Traum von der „Träumothek“ geträumt.

Mehr über den Schäferwagen gibt’s im Internet zu erfahren:

N-Land Katja Bub
Katja Bub