Abend im Hersbrucker Kick

Sigi Zimmerschied begeistert mit anspruchsvoller Satire

Mimik, Gestik und Bühnenpräsenz von Sigi Zimmerschied unterstrichen den bitterbösen Inhalt seines Programms. | Foto: A. Stegmeier2018/02/P1140386-1280x960.jpg

HERSBRUCK – Schon einige Tage im Voraus ausverkauft war Sigi Zimmerschieds Gastspiel mit seinem „Der siebte Tag – Ein Erschöpfungsbericht“ im Hersbrucker City Kino. Die Zuschauer erlebten dort ein sperriges wie anspruchsvolles, boshaftes und gelegentlich schrulliges Kabarett mit intellektuellem Anspruch, mit dem Zimmerschied seinem Ruf als Querdenker gerecht wurde.

Bitterböse Satire ist es, was Zimmerschied etwa zwei Stunden lang auf der Bühne präsentiert, auf der sich gerade mal ein Tisch mit Lampe und ein Stuhl befinden. Die wenigen Requisiten werden aber kaum genutzt; Zimmerschied geht auf und ab, kniet nieder und springt auf, stampft kreuz und quer über die Bühne, nimmt den Raum komplett ein und hastet schon mal mit Stirnlampe bewaffnet durch die Reihen der Zuschauer.

Was er serviert, ist keine leichte Kost, doch sein Publikum kennt ihn und liebt ihn so.  An Gott und den himmlischen Heerscharen hat sich der zunächst katholisch sozialisierte gebürtige Passauer schon abgearbeitet und dabei von diesen Wurzeln mittlerweile ziemlich weit entfernt. Und der Schöpfer – in allen weltreligiösen Varianten – kommt im aktuellen Programm mal wieder nicht gut weg.

Im Grunde genommen ist er gelangweilt von seinem Werk, das ihn nur noch selten amüsiert. Und zum Lachen bringt ihn das, was aus der Perspektive seiner Geschöpfe eher gruslig ist: Sinnlose Opfer, zum Beispiel das, was Abraham mit Isaak darbringen wollte, oder die Geschichte mit dem freien Willen; den habe der Mensch natürlich nicht wirklich, hat aber das Gefühl, er habe einen. Da solches Amüsement selten geworden ist, steht er kurz davor, seine Schöpfung wieder auszulöschen.

Das Bühnenprogramm ist penibel durchkomponiert. Es beginnt ganz am Anfang, im Dunkeln. Die Zuschauer, die sich im Vorfeld informiert haben, sind im Vorteil, denn nicht jedem ist gleich klar, wer der große „Beleuchter“ sein soll, mit dem Zimmerschied alias Engelbert Erz, kurz Berti genannt, immer wieder kommuniziert.

Der lässt sich zwar nie blicken, wirft aber schließlich – nach kniefälligen Bitten Bertis – doch die Scheinwerfer an, und es wird klar, dass es sich bei Bertis Chef um den Schöpfer höchstpersönlich handelt. Und Berti hat ihm nicht nur bei der Schöpfung assistiert, sondern sorgt für das Unterhaltungsprogramm. Denn nur, wenn es dem Berti gelingen sollte, seinen Chef einmal im Jahr zum Lachen zu bringen, dann könnte er sich das mit dem Weltuntergang noch einmal anders überlegen.

Im Rahmen dieses Settings teilt Zimmerschied gehörig aus, und das in alle Himmelsrichtungen. Ob Seitenhiebe gegen Hansi Hinterseer im Speziellen oder Fernsehcomedy im Allgemeinen, Staatsmänner wie Napoleon, Donald Trump und Wladimir Putin oder geistliche Würdenträger aller Religionen: Alle bekommen gehörig ihr Fett weg, und auch das Publikum spart er dabei nicht aus.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier