Marcin Dylla in Hersbruck

Shootingstar beim Gitarrenfestival

Salvatore Seminara (links) und Paolo Devecchi fanden für ihre Interpretationen neue Wege. | Foto: A. Eichhorn2017/08/8326160.jpg

HERSBRUCK – Am zweiten Abend des 18. Internationalen Gitarrenfestivals durfte das Publikum mit dem Polen Marcin Dylla einen Gitarristen der klassischen Gitarrenszene begrüßen. Er teilte sich seinen Auftritt mit dem italienischen Duo Devecchi – Seminara, zwei innovative und virtuose Musiker, deren Klänge sich zwischen Jazz und Klassik bewegen.

Zu Beginn trat der Gitarrist der leisen Töne, Marcin Dylla alias Martin Müller, auf. Von dem Italiener Mauro Giuliani ließ er die „Sonate in C-Dur, op. 15“ mit viel Fingerspitzengefühl erklingen, delikat mit virtuosen Läufen, perlenden Melodien und dynamisch fein dosiert. Bei den Arpeggien war ebenso virtuos, klangfreudig und in spielerischer Grazie der galante Stil unüberhörbar. Einen großartigen Hörgenuss bildeten die barocken Verzierungen und blühenden Lyrismen, die leisen Töne verzauberten die Zuhörer. Bewundernswert zeigte Dylla seine sichere Griffhand und Fingerfertigkeit mit einem feinsinnigen Vibrato.

Ungewohnte Harmonik
Im Folgenden präsentierte Dylla ein Stück des Engländers Benjamin Britten in einer ungewohnten Harmonik mit energischen ostinaten Bässen. Die Tonrepetitionen ergaben bei steter Motorik unterschiedliche Klangfarben. Hingezupfte dissonante Töne in auf- und absteigenden Motiven endeten in leicht fasslichen Melodien. Das Publikum ehrte den feinsinnigen Künstler mit frenetischem Beifall und Standing Ovations.

Nach der Pause trat das italienische Duo Devecchi – Seminara auf. Beide Künstler suchen nach neuen Wegen bei ihren Interpretationen. So wechselten sie bei der viersätzigen „Sonate V e-Moll (RV 40)“ von Antonio Vivaldi klangprächtig zwischen flüssigen Melodien und barocken Verzierungen.

Paolo Devecchi ließ die „Hommage à Claude Debussy et Jules Verne“ erklingen und stellte dabei die tonalen Gesetze der Harmonik in Frage. „Ich habe ganz einfach meine Natur und mein Temperament sprechen lassen“, sagte der Musiker über das Stück. Er hielt sich vielmehr an die Farbwerte der Klänge, die das A und O seiner Harmonik mit Ganztönen in exotischer Klangpracht bildeten.

Bei dem Lied „Invenzione quasi un tango“ beeindruckte Devecchi durch rhythmisches Klopfen auf den Gitarrenkorpus. Mit einem Werk von Joaquin Rodrigo ließ er seine Gitarre „singen“ und kam zu einem abrupten Schluss. „Memory“ von Salvatore Seminara und „Tejido“ von Paolo Devecchi verzauberten obendrein durch ihr virtuoses Spiel. Es folgte tosender, nicht enden wollender Applaus, der noch mehrere Zugaben einforderte.

N-Land Alfred Eichhorn
Alfred Eichhorn