Rund ums Bad

3. Preis: Die Altstadt von Hersbruck passt auf einen Schwimmreifen: „Schwimmkurs“ lautet der Titel des Werks, ebenfalls von Bernd Fischer mit Matthias Spielvogel. Der Reifen leuchtet nachts, schwimmt im Wasser und bewegt sich so.2011/11/5_2_1_2_20111124_BAD.jpg

HERSBRUCK (gz) – Entenhausen? Stöpsel-Stadt? Schwimmreifen-City? Die hochkarätige Jury für ein Kunstwerk am Altensittenbacher Kreisel hat aus 19 Einsendungen sehr konkrete gegenständliche Vorschläge ausgewählt. Der Stadtrat neigte in einer ersten Debatte dazu, die Bevölkerung um Rat zu fragen.

Die Vorgeschichte: Thermen-Sponsor Alexander Fackelmann hatte der Stadt angeboten, am Ortseingang ein Kunstwerk samt Wettbewerb zu finanzieren. Das Thema „Rund ums Bad“ sollte auf die Thermenstadt zielen, eingeladen waren Künstler aus der ganzen Metropolregion Nürnberg. 33 Interessenten meldeten sich an, 19 reichten tatsächlich fristgerecht Vorschläge ein.

Mit ihnen befasste sich im Oktober eine Jury unter der Leitung von Professor Marko Lehanka von der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Mit im Bewertungsgremium saßen Bürgermeister Robert Ilg, Landrat Armin Kroder, Firmenchef Alexander Fackelmann, der Leiter des Staatlichen Bauamtes Nürnberg, Henner Wasmuth, Hersbrucks Ehrenbürger Dr. Günther Beckstein, Thermen-Betriebsleiterin Anja Kotter sowie die vor Ort bekannten Künstler Gerlinde Berger und Christoph Gerling als Berater ohne Stimme.

Die von der Jury letztlich einstimmig ausgewählten drei Preisträger wurden jetzt im Stadtrat vorgestellt. Vor allem die Künstler im Beratungsgremium hatten sich dafür stark gemacht, an „Badeente“ und „Badewannenstöpsel“ als gleich gut gelungene Werke je einen ersten Preis (à 2000 Euro) zu vergeben.

Die gelbe Ente stammt von der Nürnberger Akademiestudentin Sarah Erath (Klasse Prof. Thomas Hartmann). Das Tier kann mit Sockel 3,50 Meter hoch und 3,50 Meter breit werden. Auf der Badekappe prangt das Schneckenlogo der Citta slow, auch ein Handtuch hat die Ente dabei. Solarzellen sollen sie nachts zum Leuchten bringen.

Gleich gut gefiel der Jury ein überdimensionaler schwarzer Badewannenstöpsel, dem die Künstler Matthias Spielvogel und Bernd Fischer aus Altdorf-Hegnenberg den Namen „Art. 91217“ gaben. Den Abflussstöpsel als industrielles Massenprodukt sehen sie als „unverzichtbaren Gegenstand im täglichen Leben“, dem damit die ihm gemäße Bedeutung eingeräumt wird.

Einen dritten Preis (1000 Euro) erkannte die Jury dem Schwimmreifen wiederum des Hegnenberger Duos Bernd Fischer und Matthias Spielvogel zu (diesmal in dieser Reihenfolge eingereicht). „Schwimmkurs“ lautet der Titel. Auf dem Reifen, der ebenfalls nachts illuminiert werden soll, ist die Silhouette Hersbrucks abgebildet. Der Reifen soll in einem Wasserbecken schwimmen, sich durch Wind und Luftströmung bewegen und so beim Betrachter eine Vielzahl von Hersbruck-Bildern hinterlassen.

Bürgermeister Robert Ilg berichtete, dass „eine deutliche Zahl“ der eingereichten Vorschläge sich gar nicht mit dem Thema „Rund ums Bad“ befassten und deshalb ausschieden. Den Fraktionen wurden nichtöffentlich auch die anderen Bewerbungen vorgelegt, darunter nach Informationen der HZ Ideen wie Wasserrutschen, Wasserglas, Badeaccessoires oder abstraktere Lösungen zum Thema Wasser und Natur. „Man darf sich von Kunst auch unterhalten fühlen“, ermunterte Ilg seinen zunächst leicht verblüfft reagierenden Stadtrat. Welches der drei preisgekrönten Werke letztlich umgesetzt wird, hängt auch von (sicherheits-)technischen Vorgaben des staatlichen Bauamtes ab und von einem Votum des Stadtrats, das Anfang nächsten Jahres folgen soll.

In den ersten Reaktionen der Räte kam aber immer wieder der Wunsch auf, auch die Bevölkerung nach ihrer Meinung zu befragen. Dies, so Ilg, solle wenn, dann in qualifizierter Form erfolgen. Götz Reichel (CSU) sagte zur Ente „als Marketing-Mensch: Ja, genau“, jedoch „als Hersbrucker“ sei er sich noch nicht ganz sicher. Auch Fraktionskollege Peter Uschalt bat um Zeit. Dr. Ulrike Engelbrecht-Winkhaus hatte Angst, sich mit der Ente „lächerlich“ zu machen. Ihr hingegen gefiel der Schwimmreifen mit seiner Verknüpfung zur Stadtansicht. Frank Benaburger sah generell eine Ablenkungsgefahr für den Autoverkehr.

Bei der SPD wertete Alexander Pollmer die Vorschläge „mutig, überraschend und provozierend“, Brigitta Stöber befürchtete bei einer Schnecken fressenden Ente „unfreiwillige Komik“ und sah ein Niveaugefälle zwischen herausragenden Objekten in der derzeitigen Museums-Ausstellung „Triptychon“ und den angebotenen Kreisel-Werken.

Beim Rathausblock fand Jürgen Amann die Vorschläge „überraschend, belustigend und sehr gewagt“ fragte aber, ob man die Ente nicht möglicherweise anderswo in der Stadt platzieren sollte. Angelika Pflaum war auch nicht spontan angetan, „nach einem grünen Finanzamt am anderen Stadtende eine gelbe Ente“ zu bekommen, sprach der Jury jedoch Fachkompetenz zu.

Ein eindeutiges Votum für die Ente gab — auch im Namen seines verhinderten Chefs — Fackelmann-Marketingleiter Robert van Loosen ab. Sie sei witzig und sympathisch, spreche Familien an und sorge für Gesprächsstoff. Die Ente könnte einen Namen bekommen und auch in Fackelmann-Katalogen für Hersbruck und die Therme werben. Den skeptischen Stadträten schilderte van Loosen seine Schwabacher Erfahrung: Hier waren viele erst gegen ein vergoldetes Dach in der Altstadt. Heute sind alle stolz auf den Hingucker und Werbeträger für die Goldschlägerstadt.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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