Veranstaltung im Hirtenmuseum

Podiumsdiskussion über SlowLandArkadien

Auf dem Podium saßen Peter Kees, Klaus Prätor, Priscilla Hirschhausen, Moderatorin Brigitta Stöber, Rolf Külz-Mackenzie und Günther Beckstein. Ihre Diskussion nahm Kees zu Dokumentationszwecken auf. | Foto: A. Pitsch2018/06/IMG_3150.jpg

HERSBRUCK – Kunst, Soziales, Philosophie und Politik sollten bei der Podiumsdiskussion „SlowLandArkadien – Müßiggang, Kunst und neuer sozialer Fortschritt“ im Hirtenmuseum anlässlich der aktuellen Ausstellung zur Sprache kommen. Zwar tauchten in der angeregten Gesprächsrunde interessante Aspekte auf, jedoch machten das Fehlen konkreter Ideen zur Bewältigung von Digitalisierung und Globalisierung sowie das Zuviel an Inhalten die Gesamtthematik schwer fassbar.

Vielleicht hatten viele bereits im Vorfeld schwere Kost vermutet und blieben dem Abend daher fern. Museumsleiterin Ingrid Pflaum machte keinen Hehl daraus, dass sie das mangelnde Publikumsinteresse an diesem „besonderen Abend“ enttäuschte. Schließlich verbargen sich hinter dem etwas sperrigen Titel der Diskussion Überlegungen, wie Menschen mit der „nächsten industriellen Revolution“ umgehen könnten.

Doch dazu musste der Künstler der aktuellen Ausstellung, Peter Kees, in der liebevoll hergerichteten Scheune – dort standen ein Podium mit Stühlen, Tischchen mit karierter Decke und Blumen – erst einmal Schau, Hintergründe der arkadischen Landnahmen sowie die Gründung seiner Botschaft erläutern: „Wenn ich das als normaler Mensch machen würde, wäre ich wohl schon längst im Irrenhaus.“

Hier sei es ein Vorteil, Künstler zu sein. Daher rief er auch die arkadische Akademie ins Leben, an der überlegt wird, wie man mit den Problemen der Welt umgehen könne. „Mit Kunst lassen sich diesbezüglich neue Fragen und Überlegungen anstoßen.“

Philosoph und Informatiker Klaus Prätor verstärkte Kees‘ Erklärungen, in dem er den Begriff Arkadien definierte, und zwar als eine Art „irdisches Paradies“, als Fantasieland des Altertums, das in der Hirtendichtung immer wiederkehrte. Der Grund: „Das Hirtenwesen war und ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Kultur.“

Idylle im Urlaub
Aber wo ist nun der Zusammenhang zur heutigen Zeit? Prätor nannte als Stichworte Urlaub, der mit Idylle und ohne Arbeit an die arkadische Welt erinnere, sowie die Slow-Living-Bewegung mit alter Anbaukultur und dem Fokus auf Regionalität. Zudem seien seiner Meinung nach die jungen Leute geprägt von Gemeinschaft, dem Streben nach Freiheit, Friede und Glück statt nach Produktivität.

Beim Thema Müßiggang schieden sich dann die Geister, denn für Stadtplaner und Historiker Rolf Külz-Mackenzie sowie Günther Beckstein, bayerischer Ministerpräsident a.D., sei das Nichtstun nicht aushaltbar. „Ich bin der Gegenentwurf zu Arkadien“, sagte Beckstein, für den es dieses Traumland völkerrechtlich nicht geben kann.

Er sieht die Vorstellung aber als Möglichkeit, „alle Fragen des Glücks hineinzulegen“. Denn dieses sei „wichtiger als Leistung und Anerkennung“. Beckstein ist jedoch der Überzeugung, dass die aktuelle Lebenswelt, aus der „wir uns einen Ausstieg wohl nicht leisten können“, die Gesellschaft an ihre Grenzen bringt. Er regte daher an, die eigenen Lebensentwürfe zu überdenken.

Arkadien im Herzen
Hierbei könnte die Digitalisierung durchaus eine Chance sein, befand Külz-Mackenzie – für freies Denken oder Ideenverbreitung. Zugleich stellte der Historiker die Frage nach der Selbstbestimmung heute. Auch Sozialpädagogin und „Botschafterin im Flüchtlingsbereich“, wie sie sich selbst bezeichnete, Priscilla Hirschhausen, appellierte daran, den digitalen Fortschritt für das Zusammenwachsen zu nutzen. Sie betonte, dass für einen adäquaten Umgang damit neue Ideen nötig seien, und zwar von Jung und Alt, um „unser Arkadien“ zu gestalten und Ängste zu verbalisieren.

Kein Utopia
Um dieses Arkadien – im Gegensatz zu Utopia – greifbar zu machen, sei Kommunikation nötig, so Hirschhausen. Letztlich ist sie der Überzeugung, dass „jeder ein kleines Arkadien in seinem Herzen braucht, um zur Ruhe zu kommen, sich zu finden sowie sich zurecht zu finden in neuer Kultur oder mit Digital- und Globalisierung“.

Dass für einige dieser Begriff „Arkadien“ bereits mit Leben gefüllt ist, zeigte die anschließende und rege Diskussion. Da war von Besuchern zu hören, dass Hersbruck für sie bereits Arkadien sei.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch