Ausstellung in Hersbruck

Oechsler-Werke im Kunstfenster der Sparkasse

Nachts und gut beleuchtet erschließt sich die ganze Wucht der Arbeiten von Luise Oechsler. | Foto: U. Scharrer2019/02/Luise.jpg

HERSBRUCK – Diese Frau ist ein Phänomen. Luise Oechsler, die vergangenen Sommer gemeinsam mit Sohn Wolfgang das gesamte Stadthaus bestückt hat und deren Arbeiten nun bis zum 28. Februar im Kunstfenster der Sparkasse zu sehen sind, ist in ihrer malerischen Energie kaum zu bremsen.

Während bei anderen der jugendliche Sturm und Drang gegenstandsloser und gestischer Malerei mit zunehmendem Alter in einem lauen Lüftchen gefälliger Aquarelle und Hausdekorationen verebbt, lief es bei Luise Oechsler genau umgekehrt ab. Sie hat Bauernmalerei und Blumenaquarelle hinter sich gelassen, als sie sich mit 66 Jahren ganz im Sinne von Udo Jürgens‘ Schlager noch einmal komplett neu erfand.

Ein vierjähriges Studium der Bildenden Kunst an der Faber-Castell-Akademie in Stein und Kurse bei Dozenten in Kolbermoor und Bad Reichenhall haben ihre malerische Welt auf den Kopf gestellt, der „Gegenstand“ hat sich aus dem Bild geschlichen. Seitdem wird gekleckert und geklotzt, geschüttet und gespachtelt, Teer und Sand auf die Leinwand gekippt.

Die Natur als Quelle der Inspiration lässt sich in Luise Oechslers abstrakten Gemälden nicht mehr benennen, der Finger nicht auf einen Baum oder Ast legen. Für sie ist die Natur, ähnlich wie in der Romantik, das Sinnbild geheimnisvoller Empfindungen, der Resonanzboden, an den sie die wahre Triebkraft ihrer Malerei, die Gefühle, hinschallen lassen kann und von dem diese zurückkommen in veränderter Gestalt, verkleidet in wuchtige Formen und pralle Farben.

Zu den Zutaten dieses Gefühlscocktails können durchaus auch tagesaktuelle Geschehnisse gehören, und sie selbst kann vermutlich ihre eigenen Gemälde lesen wie andere Menschen ihr Tagebuch. Aber, und darin liegt die große Qualität ihrer Arbeiten: Sie zwingt diese Erlebnisse und Emotionen niemandem auf.
Die in einem langen Prozess ausgefeilten Kompositionen und die sorgfältig angemischten Farbnuancen lassen dem Betrachter alle Freiheit, seine eigene Befindlichkeit in ihren Bildern wiederzufinden.

Viel Lob für Arbeit
Das wurde in den vergangenen Jahren honoriert. Luise Oechsler hat 2015 den Atelierförderpreis des Kunstkreises Jura Neumarkt gewonnen, zahllose Ausstellungen bestritten und eine Einzelausstellung beim Berufsverband Bildender Künstler (BBK) in Nürnberg bekommen. Sie ist ausgewählt worden, im Bamberger Kesselhaus die mittelfränkischen Künstler in der Trio-Schau der drei fränkischen Regionalverbände des BBK zu repräsentieren, wechselte ins Rathaus Lauf und wird ab Ende März in der ehemaligen Synagoge in Ottensoos ausstellen.

Wer derzeit durch Hersbruck schlendert, kann sich einen Vorgeschmack auf kommende Ausstellungen ganz einfach vor dem Kunstfenster holen.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer