Luise Gumann stellt in Raiffeisenbank aus

Momentaufnahmen im Hersbrucker Kunstfenster

Luise Gumann stellt „Flechtwerke“ im Kunstfenster der Raiffeisenbank aus. | Foto: U. Scharrer2018/08/Luise-Gumann-2.jpg

HERSBRUCK – Luise Gumanns Kunst ist nicht fertig, vollendet oder abgeschlossen. Trotzdem stellt sie sie in den Fenstern der Raiffeisenbank in der Frankengasse aus. Was will sie dem Betrachter damit sagen?

„Meine Arbeiten sind im Bewusstsein der Unmöglichkeit einer Fertigstellung in einem Stadium ausgestellt, in dem mir die Betrachtung als eine relevante Möglichkeit der weiteren Bearbeitung erscheint“, kommentiert Gumann den Schwebezustand zwischen Dauerhaftigkeit und Vergänglichkeit ihrer Werke.

Das klingt kompliziert: Die schillernden und meist federleichten Gebilde, die fragil und flimmernd in changierenden Farben in den Fenstern wirken wie prachtvolle Schmetterlinge, befassen sich mit Vergänglichkeit und dem Verstreichen der Zeit. Da die Zeit nicht anhält, kann auch der „Zwischenzustand“ eines Objektes als geeignet erscheinen, innezuhalten und den Moment zu feiern – ebenso wie es jeder versucht, der fotografische Momentaufnahmen erstellt.

„Vergangenheit“ tragen die Arbeiten in sich: Häufig sind es bemalte Leinwände und farbige Untergründe, die der „Schere zum Opfer“ gefallen sind. Die feinen Streifen werden rechtwinklig miteinander verflochten, „recycelt“ sozusagen, geschnitten aus Verworfenem, aus „ehemaliger“ Kunst. Demontiert und somit sozusagen „auf den kleinsten gemeinsamen Nenner“ gebracht, kann beim Zusammenfügen wieder Einheit und Schönheit entstehen.

Und schön sind die Arbeiten Luise Gumanns, die seit 2006 als freischaffende Künstlerin arbeitet, vielfach ausstellt und etliche sehr durchdachte Kunstangebote für Kinder leitet, unter anderem die arttostart-Kunstschulen in Nürnberg und Hüttenbach. Flirrend, federleicht und schimmernd zittern Luise Gumanns Arbeiten in ihrem momentanen Ist-Zustand vor der Wand, in zart changierenden Farben, wie ein viel zu locker gewebter Teppich, der das Licht durchlässt.

Der Oberbegriff „Netzwerke“ fügt eine weitere philosophische Komponente hinzu: Was jeder Mensch so notwendig braucht, Verbindungen, Berührungen, Überschneidungen mit den Leben anderer, auch fremd erscheinender Menschen, Netzwerke eben, das darf in Luise Gumanns zerschnipselten Streifen, horizontal und vertikal zusammengebracht und teils mit Mosaiksteinchen versetzt, flüchtige Substanz gewinnen. Auch Malerei „vor dem Zerschnippeln“ ist ausgestellt, wunderbar duftige Farbimpressionen, die hoffentlich bestehen bleiben.

Noch bis Ende September kann man sich die Arbeiten in der Raiffeisenbank ansehen.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer