Fahrsicherheitstraining für Senioren

Mit Vollgas auf die Bremse

Erst mit einer Vollbremsung vermeiden die Teilnehmer der Ü 65-Fahrschule den Crash mit den Pappkartons. | Foto: J. Ruppert2018/10/FaSi.jpg

HERSBRUCK – „Dem Auto passiert nichts, es muss richtig rattern!“ Dietmar Schaller demonstriert neben dem Wagen mit dem Fuß, wie eine Vollbremsung aussieht. Die Übung gehört zum Fahrtraining, den der Kreis seniorenfreundliches Hersbruck für die Generation 65 plus veranstaltet hat. „Wir geben Tipps, damit die Teilnehmer ihren Führerschein möglichst lange behalten“, sagte Gerhard Stötzner vom Veranstalter.

Für den Kurs hatte der Arbeitskreis mehrere Fachleute ins Boot geholt: die Verkehrswacht mit Leiter Bernd Vogel an der Spitze, Optiker, Akustiker und Fahrschulen. Außerdem durfte Gerhard Stötzner im Unterrichtsraum der Firma Hegel einen besonderen Referenten begrüßen: „Hersbrucks Polizeichef Hans Meixner kennt alle neuralgischen Punkte und auch Änderungen, wie etwa bei der Vorfahrt, die für die „eingefahrenen“ Einheimischen wichtig sind.“

Hans Meixner ging zunächst auf aktuelle Unfallzahlen ein. Bis Ende August hat es zwischen Neuhaus und Alfeld beziehungsweise Reichenschwand bis Hartmannshof über 620 Mal gekracht. Klar ansteigend sind die Kollisionen von Autofahrern mit Wild aller Art, wie Hasen, Rehen, Bibern, Greifvögeln, Wildschweinen und mehr. „Seien Sie in unserem Gebiet außerhalb der Ortschaften abends und nachts vorsichtig“, sagte der Experte.

An rund 50 Prozent der Alkoholunfälle sind Radfahrer beteiligt. Unfallflucht – zum Beispiel nach Parkremplern – spielt mit ungefähr einem Sechstel eine ziemlich hohe Rolle. Senioren tauchen in 55 der 620 Ereignisse auf. Hauptprobleme sind dabei Abstand, Vorfahrt und Wenden oder Ausparken.

Wunsch oft größer als Kapazität

In den letzten Monaten verzeichnete die Hersbrucker Polizei mehrere tödliche Unglücke auf den Straßen, was eher ungewöhnlich ist. „Es handelt sich um untypische Fälle, die mit Überwachung nicht zu vermeiden sind“, sagte Hans Meixner. Seine Beamten führen 350 Laserstunden Geschwindigkeitskontrollen im Jahr durch. Der Wunsch der Bürger ist größer als die Messkapazität, gab er zu.

Besonders ging Hans Meixner auf das Pfeiffers Eck vor der Hersbrucker Zeitung ein. Dort gibt es eine interessante Konstellation aus Hauptstraßenverlauf, bevorrechtigter Einmündung, Spielzone, gesperrtem Weg und Zebrastreifen. Dazu kommen ungewöhnlich viele Drahteselfahrer auf dem Gehweg. „Die Hersbrucker kennen sich aus und rechnen mit dem Fehlverhalten anderer, so dass wenig passiert“, sagte der Referent.

Hans Meixner ging auch auf den Kreisverkehr Scharfes Eck ein und erklärte, wer wo Vorfahrt hat und was ist, wenn scharenweise Gymnasiasten diesen Bereich queren. Nachfragen galten der Hersbrucker Grabenstraße. „Darf ich dort mit dem Rad in der Mitte oder auf dem Gehweg fahren, weil manche Autofahrer wegen der Enge lebensgefährlich nah überholen?“, wollten Kursteilnehmer wissen. Hans Meixner verneinte beides unter Hinweis auf das Rechtsfahrgebot und die Gefährdung der Fußgänger.

„Senioren sind sichere Verkehrsteilnehmer“

Weitere Besprechungspunkte waren aktuelle Baustellen und der dortige Schilderwald, das richtige Verhalten nach Wildunfällen und die Parküberwachung in Hersbruck. „Die Senioren sind sichere Verkehrsteilnehmer“, lobte Hans Meixner abschließend. Ebenso wie Gerhard Stötzner erläuterte er, dass das Sicherheitstraining nicht zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit dient, sondern ein Schritt zur Verlängerung des Fahrvermögens ist.

Auf dem Plärrer und dem Allwetterplatz gab es dann noch einige Tricks von Fahrlehrern zu Alltagssituationen. So absolvierten die Senioren einen Slalomkurs. Mut war gefragt, mit 30 Stundenkilometern auf leere Kartons zuzusteuern und eine Vollbremsung zu machen. Alle brauchten mehrere Anläufe.
Frank Worwetz ließ seine Schützlinge auf engstem Raum wenden und rückwärts einparken, wobei er längst vergessene Kniffe wie die Ausgangslage Spiegel an Spiegel mit dem Nebenauto und Zeitpunkt der kompletten Lenkradumdrehung erläuterte. Brotzeit der Verkehrswacht, Hörtest und Sehtest rundeten den Kurs kulinarisch und fachlich ab.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert