Alexander Fackelmann feierte 60. Geburtstag

Mit Büro-Spielen fing alles an

Ein Bild von der Geburtstagsfeier: Bürgermeister Robert Ilg (l.) strich die Treue Alexander Fackelmanns (2. v. l.) zu seiner Stadt heraus. Neben beiden: Fackelmanns Tochter Saskia mit ihrem Baby Ella. Im Hintergrund die Firmenvertreter aus aller Welt. | Foto: Jürgen Ruppert2016/07/7300114.jpg

Hersbruck – Aus allen Erdteilen sind am Montag Fackelmann-Führungskräfte nach Hersbruck gekommen und haben ihrem Chef Alexander Fackelmann edle Weine zum Geburtstag mitgebracht. Der Unternehmer feierte im Kreise seiner Mitarbeiter in einer Halle des Stammwerks seinen 60. Geburtstag. Hier ein Porträt des Jubilars.

Wenn Alexander Fackelmann in seinem schlichten Konferenzraum vor einem sitzt, wirkt er gelassen, offen und aufmerksam. Diese zufriedene Ausstrahlung eines in sich ruhenden Mannes mag auch am Älterwerden liegen: „Das Schöne daran ist, dass man zwar nicht mehr die Dynamik und das Sprühende hat, aber dafür Erfahrung und Besonnenheit – und damit kann man viel erreichen.“ Geprägt haben ihn neben der Erkenntnis, dass irgendwann alles endet und alles im Leben zurückkommt, vor allem die Erziehung der Eltern und die „wirtschaftliche Betrachtungsweise“, die ihn von der Wiege an begleitet hat.

Als „klar, ehrlich, verlässlich, optimistisch, aber nicht blauäugig“ beschreibt er sich selbst: „Bei mir ist das Glas immer halb voll.“ Mit dieser realistischen Einstellung, die Chancen und Risiken genau abwägt, hat Fackelmann das national geprägte Familienunternehmen mit rund 30 Millionen DM Umsatz (1985) zum weltweit agierenden, mittelständischen, konzernfreien Verbund aus 39 unabhängigen Firmen in Europa, Asien, Russland, Brasilien, Australien, Indien und Südafrika mit einem Umsatz von 383 Millionen Euro (2015) gemacht. Heute ist sein Name wohl in jedem Haushalt präsent. „Das ist einfach so“, sagt er unaufgeregt.

Angefangen hat alles spielerisch: „Mein Vater hat mir alte Ordner und Papiere gegeben“, erzählt er und der Respekt vor Papa Sebastian ist hörbar, „darin habe ich dann rumgekramt“. Auch bei Messen oder Vertretertagungen war Klein-Alexander oft dabei. Dieses „Büro-Spielen“ war eine erste Hinführung, denkt Fackelmann, der in Nürnberg geboren wurde und sein Abitur am Johannes-Scharrer-Wirtschaftsgymnasium ablegte.
Da er fit in Englisch war, unterstützte der junge Mann den Vater als Übersetzer und Assistent bei Reisen in aller Welt. Mehrere Sommerferien war er so unterwegs, zum Beispiel als 15-Jähriger in Asien. „Mein großer Stolz sind zwei Fotos in der Küche.“ Auf einem ist er als 17-Jähriger mit seinem Vater auf Geschäftstour, auf dem anderen er mit seinem 14-jährigen Sohn bei einer Fernostreise an Pfingsten. „Es besteht die Hoffnung, dass sich hier etwas wiederholt.“

Hatte er bei so viel „Vorbelastung“ eigentlich eine Chance, etwas anderes zu machen? „Wenn ich nicht gewollt hätte, hätte ich das nicht machen müssen.“ Doch die Passion für die Firma war längst entfacht. 1982 schloss Fackelmann sein Studium an der WiSo Nürnberg als Diplom-Kaufmann ab und arbeitete drei Jahre als Produktmanager bei den Vereinigten Papierwerken. „Der größte Fehler ist es, sofort in die väterliche Firma zu gehen“, findet er, der nach der ersten externen Berufserfahrung im Familienunternehmen mit Geschäftsentwicklung, Internationalisierung, Marketing und Vertrieb betraut wurde.

Auch Tochter Saskia, seit drei Jahren Mit-Gesellschafterin, verdiente sich die ersten Sporen bei anderen Unternehmen. Sie war nach einigen Praktika fest bei der Handelskette „Depot“ im Marketing und danach bei „Home24“ im Einkauf tätig, bis sie als Leiterin Marketing und Produktmanagement zur Backformen-Sparte „Dr. Oetker Küchenhelfer“ im Fackelmann-Verbund wechselte.

Die Nachfolge wird also schon in die Wege geleitet, aber „noch bin ich voller Tatendrang und denke nicht an Rente“. Arbeiten und sich irgendwann langsam vom Unternehmen lösen, möchte er, „solange die Füße mich tragen“. Ein alter Herr, der nie von Bord gehen mag, will Fackelmann keinesfalls werden. Zumal ihm derzeit bewusst wird, dass „das ein anderer Lebensabschnitt wird. Alt komme ich mir aber nicht vor.“ Grund ist nicht nur die 60: Vor drei Monaten wurde er Opa. Stolz zeigt er das Foto der Enkelin.

Auf die Frage, ob die Firma sein Lebensinhalt ist, kommt kein klares Ja, aber: „Sie trägt meinen Namen, es ist eine Familienfirma mit Firmenfamilie und egal, wo ich sitze, stehe oder gehe, ich komme mit ihr überall in Berührung.“ Da speist Fackelmann im Restaurant und hat eine Inspiration für ein neues Produkt. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen, fällt ihm schwer – außer beim Schlafen.

Das ist jedoch kein Wunder bei zig Zusatzaufgaben, die alle irgendwie mit Betrieb oder Wirtschaft zu tun haben. Er, der seine Unternehmensphilosophie als eine Kombination aus Logik und Sympathie beschreibt, ist Aufsichtsrat der Bionorica SE sowie des Handballclubs HC Erlangen, Beiratsvorsitzender der Jura Golf Park GmbH, seit 2011 Honorarkonsul der Niederlande und er hat die Kinderfonds-Stiftung gegründet.
Und sogar im Hersbrucker Schnäppchenmarkt schaut der Chef häufig vorbei und berät die Kunden exklusiv. „Da ich alles gerne tue, ist alles auch Freizeit“, philosophiert er, der öfters Gedanken in weise Worte fasst.

Wirkliche Freizeit und Entspannung findet der aktive Weinkenner bei Joggen, Tennis, Golf oder einem Buch über Geschichte und Wirtschaft – zwei Themen, die er eng miteinander verknüpft sieht. Wie ist Geld entstanden? Warum streiten sich Schotten und Engländer? „Durch einen Blick zurück lässt sich vieles besser verstehen, auch das Europa, das ich so liebe.“ Wieder so ein weiser Satz.

Bei so viel Erfüllung durch Arbeit, Familie und Hobbys – hat er da überhaupt einen Geburtstagswunsch? „Ein glückliches Leben“, sagt Alexander Fackelmann ohne großes Überlegen, „und dass es gelingt, das Unternehmen mit der Familie in der dritten Generation fortzuführen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch