Statistik zum Schuljahresbeginn

Mehr Abc-Schützen im Schulamtsbezirk Nürnberger Land

Ab heute heißt es für die Schüler wieder oder erstmals, mit ihrem Wissen zu glänzen und sich eifrig am Unterricht zu beteiligen. | Foto: ©gpointstudio - stock.adobe.com2018/09/AdobeStock_117888873.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Fast entsteht der Eindruck, es ist wie vergangenes Jahr: Die Schülerzahlen sinken, der Unterricht ist gesichert, aber die Lehrer fehlen weiterhin. Doch betrachtet man die Statistik des staatlichen Schulamts Nürnberger Land zum Schuljahresbeginn genau, so fällt auf: 66 Abc-Schützen mehr als 2017 – nämlich 1496 – drücken heute zum ersten Mal die Schulbank.

Dennoch gehen die Gesamtschülerzahlen an den 28 Grund-, elf Mittelschulen und einer Montessori-Schule insgesamt leicht zurück – von 8545 auf 8425. Die geburtenstärkeren Jahrgänge haben ihre Schullaufbahn bereits beendet oder – blickt man auf die Grundschulen, die mit 5766 Kindern 35 Jungs und Mädchen weniger als vor Jahresfrist beherbergen – die Bildungseinrichtung gewechselt. So scheinen weiterhin mehr Schüler aufs Gymnasium zu gehen, als auf die Mittelschule, denn dort starten heute 2659 Fünft- und Sechstklässler in den Tag – rund drei Prozent weniger als 2017.

Interessant ist jedoch, dass der M-Zug der Klassen sieben bis zehn mit fast 13 Prozent rasant zugenommen hat. Die Beliebtheit erklärt sich Schulamtsdirektor Joachim Schnabel damit, weil „hier die Schüler den Abschluss der Mittleren Reife erhalten, aber oft im Gegensatz zu anderen Schularten in kleineren Klassen und mit zusätzlichen Förderstunden unterrichtet und unterstützt werden“.

Unter dem Limit
Kein Wunder, dass sechs M-Klassen mehr – nämlich 29 – gebildet werden mussten. Insgesamt hat sich die Zahl der Klassen im Vergleich zum Vorjahr aber leicht reduziert – von 405 auf 398. Wer nun denkt, das gehe zu Lasten der Klassenstärke, der irrt. Im Schnitt 21 Kinder sitzen auch dieses Jahr in den Unterrichtsräumen der Grund- und Mittelschulen. Damit liegt der Landkreis weit unter den Vorgaben von 28 Lernenden in der Grundschule, 30 in der Mittelschule und 25 bei Klassen mit mehr als 50 Prozent an Schülern mit Migrationshintergrund.

Wie bereits zu Beginn des abgelaufenen Schuljahres betont Schnabel in der Pressemeldung: „Die Versorgung des Unterrichts zu Beginn des neuen Schuljahres laut der gültigen Stundentafel ist sichergestellt.“ Und auch Arbeitsgemeinschaften und Zusatzangebote seien „in einem begrenzten Umfang berücksichtigt worden“ – wie schon 2017. Ein Problem klingt in Schnabels Worten aber erneut an: Die „Quereinsteiger“ in die oberen Klassen der Mittelschulen, deren Zahl jetzt noch nicht abschätzbar ist, könnte das fragile System zum Wanken bringen.

Zumal „die Lehrkräfte von der Bewerberzahl her begrenzt sind“ und nur vier sogenannte Zweitqualifikanten (je zwei für Grund- und Mittelschule) zum Einsatz kommen werden. Vergangenes Jahr waren es elf Absolventen des zweiten Staatsexamens für Realschule und Gymnasium, die diese zweijährige Zusatzausbildung zum Pädagogen für die anderen beiden Schularten absolvieren. Warum dieser Rückgang?

„Die Anzahl der Verträge für Zweitqualifikanten wird durch das Kultusministerium für ganz Bayern festgelegt, diese werden je nach Bedarf auf die verschiedenen Regierungsbezirke verteilt. Wir hatten im Schulamtsbezirk Nürnberger Land genügend eigenes Personal und Bewerber aus dem letzten Prüfungsjahrgang“, legt Schnabel dar. Jedoch könne sich die Zahl im Laufe des Jahres nochmals ändern. Immerhin bleibt die Zahl der Lehrkräfte mit befristetem Arbeitsvertrag mit acht Personen sowie die der Jung-Pädagogen in Ausbildung mit 56 Studenten (2017: 59) konstant.

Gesunken dagegen ist die Zahl der Asylbewerber. Je eine Deutschklasse gibt es an der Grundschule Lauf II sowie an den Mittelschulen Velden, Schnaittach, Röthenbach und Altdorf – einige weniger als 2017. Im Gegensatz dazu wird das Konzept „Lehrplan Plus“ für die Mittelschule weiter ausgebaut. Er wird laut Schnabel erstmals ein bayerischer Lehrplan sein, der in abgestimmter und aufeinander aufbauender Form in allen Schularten eingeführt wird, von der Grundschule bis hin zum Gymnasium.

Die fünften Klassen kamen damit bereits in Kontakt, nun soll der neue Lehrplan auch in der siebten Jahrgangsstufe umgesetzt werden. Der Vorteil für die Schüler, erklärt Schnabel, ist, dass sie im Mittelpunkt stehen: „Welche individuellen Stärken oder Schwächen sind in einem Fachbereich feststellbar? Das ist dann die Grundlage vielfältiger Lehr- und Lernsituationen, die sich zum Ziel setzen, die Kompetenzen der Schüler individuell zu entwickeln.“ Geschehen soll dies mit Hilfe von vielfältigen Methoden, kooperativen Lernformen und der Reflexion durch die Schüler.

Auch das Thema Inklusion wird vom Schulamt weiterhin begleitet und gefördert. Schließlich sieht das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz die Einführung der „inklusiven Schule“ vor, sprich Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam in der Regelschule aller Arten unterrichtet werden. Laut Schnabel befinde man sich noch in einer Übergangsphase mit diversen Modellen wie Partnerklasse zwischen Grundschule und Lebenshilfe, Kooperationsklassen oder „Schulprofil Inklusion“. Dank Letzterem bekommt die Happurger Mittelschule 13 Stunden einer sonderpädagogischen Lehrkraft aus der Richard-Glimpel-Schule zugesprochen.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch