Strudelbad: 200.000 Euro zusätzlich

Mängel kosten Geld

Das Hersbrucker Strudelbad wird nach der kleinen Sanierung am Pfingstsamstag geöffnet. | Foto: J. Ruppert2017/05/8143779.jpeg

HERSBRUCK  – Die Strudelbadfans haben sich den Pfingstsamstag sicher dick im Kalender angestrichen. Bürgermeister Robert Ilg hat im Hauptverwaltungsausschuss des Stadtrates bestätigt, dass der Eröffnungstermin − wie angekündigt − steht. Allerdings wird das Planschbecken erst ein paar Tage später freigegeben. Bis dahin kann der Kinderbereich der Therme genutzt werden. Außerdem wurde bekannt, dass das diesjährige Defizit weiter um bis zu 200 000 Euro steigt. Sorgenkind ist das offenbar schlampig gebaute warme Becken.

Wie berichtet, ist heuer eine größere Sanierung im Bereich der undichten Dachterrasse und Fliesenarbeiten durchgeführt worden. Dafür standen 100 000 Euro im Haushalt bereit. Es hat sich aber gezeigt, dass die Dämmung und die Dampfsperre auf einer Teilfläche der Dachterrasse porös oder kaputt waren. Alles musste bis auf den Beton komplett raus und neu gemacht werden, sagte der auch für das Strudelbad zuständige Hersbrucker Verwaltungschef Karlheinz Wölfel.

Mit schuld an den Schäden waren die Pflanzbottiche an der Brüstung über dem Eingangsbereich. Die schweren Verzierungen drückten auf die darunter liegenden Teile. Damit das nicht mehr passiert, ersetzt künftig ein Geländer die Tröge mit dem Grün. Karlheinz Wölfel rechnet mit der Fertigstellung der Terrasse bis zum Ende der ersten Betriebswoche. Bis dahin bleibt das Areal gesperrt.

Der Kinderpool musste völlig erneuert werden, im warmen Becken sorgte der Frost für etliche Fliesenreparaturen, Sanitäranlagen wurden ausgetauscht und im Versorgungsgebäude war einiges zu tun. Alles in allem belaufen sich die Ausgaben auf rund 250 000 statt 100 000 Euro. Der Hauptverwaltungsausschuss bewilligte 50 000 Euro mehr. Die Summe wird dann abgerufen, wenn Unvorhergesehenes passiert.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass neben der Dachterrasse auch das Planschbecken zum Pfingstsamstag nicht zur Verfügung steht. Der neue Belag braucht noch einige Tage zum Aushärten. Die Kleinen dürfen sich in der Zeit im Kinderbereich der Therme austoben. Jürgen Amann fand, dass die paar Tage Verzögerung nur ein kleiner Preis sind, denn schließlich gehören nun die scharfkantigen Fliesen im Planschbecken der Vergangenheit an. Er wie auch Angelika Pflaum, Stephan Krimm, Götz Reichel, Peter Matzner („tolle Leistung“) und Dorothea Müller Philipps Sohn lobten die Verwaltung und vor allem die beteiligten Baufirmen für die rasche Behebung der akuten Probleme trotz des langen Winters.

Wie ein Damoklesschwert schwebt aber die Herausforderung „Sanierung warmes Becken“ über allen Verbesserungen. Die Misere bei den Fliesen ist so groß, dass keine Firma bei den in den vergangenen Wochen ausgeführten Arbeiten irgendeine Gewährleistung übernommen hat.

„Die Schäden sind doch durch Frost entstanden“, sagte Stephan Krimm und wollte wissen: „Kann man so etwas nicht dadurch vermeiden, indem das Becken im Winter besser abgedeckt wird?“
Robert Ilg nutzte die Frage, um das grundsätzliche Problem aufzuzeigen. Kinderpool, Rutsche samt Bassin und Warmwasserbecken sind im Zuge des Thermenbaus vor zwölf Jahren entstanden. Viele Arbeiten wurden damals unter hohem Zeitdruck im Winter ausgeführt. Zum Beispiel geschah das Fliesen im Januar obwohl der Beton noch gar nicht trocken war.

Diese Feuchtigkeit sei nach wie vor im Unterbau vorhanden und sorge dafür, dass jetzt immer wieder Platten bei Frost und Belastung „aufstehen“, sagte Ilg. „Außerdem wurde der Kleber teilweise zu dünn aufgetragen und hält wegen des nassen Fundaments nicht mehr“, ergänzte Karlheinz Wölfel. Ein besseres Abdecken halten Fachleute für unmöglich, denn der Beckenkopf sei so kaum zu schützen.

„Es handelt sich um Ausführungsmängel, weil das Strudelbad um jeden Preis fertig gestellt werden musste“, fasste Ilg zusammen. Als Kontrast beschrieb er die Situation beim fachlich einwandfrei erstellten kalten Becken mit den 50-Meter-Bahnen. Es ist Jahrzehnte älter und heuer fielen als „Unterhalt“ nur fünf Facharbeiterstunden an – der berühmte Klacks im Vergleich zu den in den zuletzt angefallenen 100 000 Euro allein für die Fliesen im beheizten Bassin.

„Die Fliesenreparaturarbeiten fressen uns auf Dauer auf“, sagte der Bürgermeister. Eine Lösung wäre eine Edelstahlwanne im warmen Becken. Ohne eine Zahl zu nennen, bezifferte das Stadtoberhaupt die Kosten auf „siebenstellig“. Das Strudelbad ist eine freiwillige Leistung, das heißt, es gibt sicher keine Zuschüsse.

Bereits für die aktuell benötigten bis zu 300 000 Euro waren laut Robert Ilg „finanzielle Klimmzüge“ nötig. Von einer Schließung des Strudelbades wollte dennoch keiner der Stadträte etwas wissen. „Es ist uns lieb und teuer“, sagte der Bürgermeister im Namen aller ausdrücklich.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert