Headquarter am ehemaligen Mercedes-Scharrer-Gelände

Löffler plant Umzug nach Hersbruck

Thomas Schriefers erläutert die erste Konzeptidee für den Neubau von Löffler auf dem ehemaligen Mercedesareal in Altensittenbach. | Foto: J. Ruppert2018/11/L.jpg

HERSBRUCK – „Nach dem Wegzug des Mercedes-Autohauses war diese Wendung nicht unbedingt zu erwarten“, zeigte sich Bürgermeister Robert Ilg rundum glücklich über das Vorhaben. Der Reichenschwander Bürostuhl- und Büromöbelhersteller Löffler möchte − wie berichtet − sein „Headquarter“ nach Altensittenbach verlagern. Die derzeitige kahle Industriebrache am Westrand Hersbrucks soll sich in einen Blickfang verwandeln.

Firmenchef Werner Löffler präsentierte das Konzept dem Bauausschuss des Stadtrates, unterstützt vom Architekten Thomas Schriefers und von Michael Hofmockel (Projektentwickler GCA aus Nürnberg). Auf dem 5200 Quadratmeter großen Grundstück soll auf etwa 3000 Quadratmetern ein geschichteter Baukörper entstehen: unten eine Tiefgarage, im Erdgeschoss Empfang und Montage, in der ersten Etage Leitung, Verwaltung und Entwicklung und darüber ebenfalls Entwicklung sowie Lager.

Die „Löffler-Welt“ ist nicht als Block geplant. Das Gebäude enthält vielmehr Öffnungen, ist feingliedrig und der zweite Stock ist nach hinten versetzt. Architekt und Stadtplaner Thomas Schriefers möchte, dass der neue Firmensitz das Entree zur Stadt berücksichtigt, sich zum Landschaftsraum Pegnitz hin öffnet, die Blickachse zur Kirche nicht mindert – kurz: „Das Altensittenbacher Ortsbild wird nicht angetastet.“
Werner Löffler beschrieb kurz seine Firma. 1992 in einer Aspertshofener Scheune gegründet, kam 1998 der Umzug nach Reichenschwand. Am dortigen Standort sind alle Erweiterungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Mittlerweile beschäftigt Löffler 85 Mitarbeiter, macht im Jahr 20 Millionen Euro Umsatz und ist laut Inhaber „schuldenfrei“.

Firma mit Leidenschaft

„Hersbruck bekommt ein Unternehmen, das Leidenschaft hat und das Lust hat, Nachhaltigkeit zu zeigen“, sagte der 55-jährige gebürtige Hersbrucker dem Bauausschuss. Er lässt in Deutschland produzieren und garantiert beste Verarbeitung. „Der Euro ist nicht unsere oberste Prämisse“, betonte Werner Löffler. Für seine Angestellten will er im künftigen Headquarter als Beitrag für die Umwelt 30 bis 40 Elektrofahrräder anschaffen, 1700 Quadratmeter des früheren Autogeländes begrünen und das Dach als Garten anlegen.

Wichtig ist den Planern die Beziehung zu den Nachbarn. Die Materialien sollen sich an der Umgebung mit zum Beispiel dem markanten Wildensinn-Sandsteinhaus gleich nebenan orientieren. Baurechtlich werden alle Abstandsflächen eingehalten. Werner Löffler denkt auch an die berühmten i-Tüpfelchen: Die Früchte von Obstbäumen auf dem Gelände dürfen alle pflücken.

„In einer Krise (Wegzug des Autohauses) steckt auch eine Chance. Der Neubau wird Hersbruck prägen und voranbringen“, befürwortete Robert Ilg die Pläne. Zur Zeitschiene gefragt, hofft Werner Löffler, dass 2019 der Rohbau entsteht und er dann Ende 2020 in seinem neuen Firmensitz „drin“ ist.

„Weniger ist mehr“

Norbert Thiel begrüßte den Entwurf und sagte, dass die CSU-Fraktion alles tun werde, dass bald gebaut werden kann. Beim Baukörper mahnte er mit Blick auf die ersten Skizzen „nicht zu bunt, weniger ist mehr“ an. Werner Löffler sagte eine „leise Fassade“ zu, die sich als „add-on“ in die Umgebung einfüge. „Die Architektur soll durch Schichtung leben und nicht durch Leuchtendes“, ergänzte Thomas Schriefers.

Irmgard Raum und Iris Plattmeier für den Freien Rathausblock und die SPD begrüßten das Projekt uneingeschränkt. Auch Dr. Ulrike Eyrich von den Grünen lobte das Konzept mit Tiefgarage und ohne Neuversiegelungen von Flächen. Dennoch möchte sie ein Modell, um den Neubau im Verhältnis zu den Nachbarbauten zu sehen. Die Fachleute versprachen dies.

Im Bauausschuss ging es diesmal nur um einige Änderungen des Bebauungsplanes, wie zum Beispiel andere Baugrenzen. Die bisherigen Vorgaben waren offenbar genau für das frühere Autohaus festgelegt worden. Norbert Thiel und die CSU wären sogar bereit gewesen, die neuen Festsetzungen noch großzügiger zu handhaben. Für die Bemessung der Lärmsituation ist das Landratsamt zuständig. Die Entscheidung fiel einstimmig. „Ein schöner Startschuss für die Löffler-Welt in Hersbruck“, sagte Ilg.

Noch immer ein Thema ist auch ein Neubau von Löfflers Stuhlmuseum in Hersbruck, das sich derzeit am Reichenschwander Standort befindet. Im Ausschuss fiel darüber kein Wort. Im Konzept für Altensittenbach ist es bisher nicht vorgesehen.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert