Huml fordert Sicherstellung der stationären Versorgung

„Krankenhausträger in der Pflicht“

Aufgrund des Personalmangels befürchten die Ärzte eine vorzeitige Schließung des Krankenhauses. | Foto: M. Scholz2018/10/DSC_7656.jpeg

HERSBRUCK/NÜRNBERG – Auch wenn bei dem jüngsten Gespräch im Gesundheitsministerium in Nürnberg noch einmal das Aus für das Hersbrucker Krankenhaus bestätigt wurde, bekam die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH doch eine klare Botschaft von Gesundheitsministerin Melanie Huml mit auf den Weg: Das Unternehmen ist in der Pflicht, die stationäre Versorgung in Hersbruck bis zur Schließung des Krankenhauses sicherzustellen.

An dem Gespräch im Gesundheitsministerium hatten Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Nürnberg, Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel, Landrat Armin Kroder, Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg, Ärzte des Krankenhauses und der Bereitschaftspraxis sowie Angelika Pflaum und Horst Vogel von der Bürgerinitiative teilgenommen. Noch am gleichen Abend gaben Dr. Johannes Seitz, Dr. Alfred Schuller sowie die Belegärzte Dr. Hans Kolb und Dr. Thomas Träg eine Pressekonferenz. Es gehe ihnen darum, so die Mediziner, die Bürger zu informieren, wie die aktuelle Lage des Hersbrucker Krankenhauses tatsächlich ist. Und die ist alles andere als rosig.

Die Stellenkürzung im April (wir berichteten) habe eine Kündigungswelle ausgelöst, so Dr. Kolb. Derzeit könne aus Personalgründen nurmehr eine Station betrieben werden. Nahezu täglich müsse sich das Krankenhaus bei der Rettungsleitstelle abmelden, weil einfach keine Kapazitäten vorhanden seien, um weitere Patienten aufzunehmen. Landkreisweit seien aktuell 30 Betten weniger in Betrieb, als im Krankenhausplan eigentlich festgelegt. Sollte im Herbst und Winter eine Grippewelle anrollen, sei das System dem nicht mehr gewachsen. Dies hätten die Ärzte beim Gespräch im Ministerium deutlich gemacht.

Personelle Unterstützung nötig

Das wiederum veranlasste Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml und Staatskanzleichef Florian Herrmann zu klaren Worten Richtung Krankenhausbetreiber: „Bis zur Schließung sehen wir (…) den Träger – die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH – in der Verantwortung, die stationäre Versorgung in Hersbruck zu gewährleisten“, teilten Huml und Herrmann in einer Presseerklärung mit. Auch Bürgermeister Ilg forderte: „Wir erwarten, dass das Klinikum hier personell so unterstützt wird, dass es nicht zu einer vorzeitigen Schließung des Krankenhauses kommt.“ Denn genau das befürchten die Belegärzte.

Am definitiven Aus des Krankenhauses in vier Jahren ist wohl ohnehin nicht mehr zu rütteln. Man müsse die Entscheidung des Nürnberger Klinikums akzeptieren, das Hersbrucker Haus zu schließen, habe das Gesundheitsministerium gesagt, schildert Angelika Pflaum von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Hersbrucker Hauses ihren Eindruck von dem Gespräch im Ministerium. „Wir sind mit diesem Ergebnis nicht zufrieden“, sagt sie. An diesem Sonntag, 7. Oktober, ruft die BI deshalb um 19 Uhr zur Mahnwache am Hersbrucker Krankenhaus auf.

Das Gesundheitsministerium verkündet indes eine „gute Botschaft“ für Patienten vor Ort, nämlich „dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns die Bereitschaftspraxis am Standort Hersbruck mit der Hersbrucker Ärztegenossenschaft bei entsprechender Nachfrage auch trotz Einstellung des Krankenhausbetriebs aufrechterhält.“ Das teilen Huml und Herrmann mit. Ziel sei es zudem, auch weiterhin „ein attraktives medizinisches Angebot durch niedergelassene Ärzte“ in Hersbruck vorzuhalten.

Bisher kein konkreter Plan

Ob das angedachte Ärztehaus aber wirklich kommt, da sind die Mediziner noch skeptisch. „Es gibt keinen wirklichen Plan“, meint Dr. Seitz. Er ist mit seiner chirurgisch-orthopädischen Praxis im Krankenhaus untergebracht und auf einen OP sowie stationäre Betten für seine Patienten angewiesen. Auch Bürgermeister Ilg bestätigt, dass bislang wenig Konkretes auf den Tisch gelegt worden sei. Er wünsche sich mehr Klarheit von Seiten des Klinikums. Das habe er bei dem Gespräch im Ministerium auch deutlich gemacht.

Innerhalb der nächsten zwei Monate soll das Klinikum nun konkrete Zahlen nennen. Schließlich müssten potenzielle Interessenten ja wissen, zu welchen Konditionen sie Räume nutzen könnten. Eines aber betonte Ilg auch im Namen von Landrat Armin Kroder: „Es soll am Ende nicht an der Finanzierung scheitern.“ Auch Huml und Herrmann lassen in ihrer Pressemitteilung wissen: „Im Rahmen des rechtlich Möglichen sind wir weiter bereit, denkbare Nutzungsoptionen – auch finanziell – zu unterstützen.“

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner