Rotes Kreuz: Lauf bräuchte mehr Aufnahme-Kapazität

Krankenhausschließung eine Katastrophe?

Für Notfälle wird das Hersbrucker Krankenhaus etwa 700 Mal im Jahr angefahren. Das Bild zeigt einen Krankentransport aus Nürnberg. | Foto: M. Scholz2017/10/8494874.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Es lässt aufhorchen, wenn Landrat Armin Kroder die angekündigte Krankenhaus-Schließung in Hersbruck als „Katastrophe für den Katastrophenschutz“ bezeichnet, wie beim Runden Tisch. Immerhin ist er derjenige, der im Nürnberger Land den Ernstfall ausruft. Was sagen die Rettungsdienste zur künftigen Situation? Die HZ hat nachgefragt.

Ein mögliches Szenario stand den Rettern im östlichen Landkreis erst neulich direkt vor Augen: Bei der Feuerwehr-Großübung in einem Eisenbahntunnel zwischen Enzendorf und Rupprechtstegen (wir berichteten) gingen die 400 Einsatzkräfte von 70 Verletzten aus. Wo sollen die im Ernstfall hin, fragt sich Markus
 Deyhle, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes. Das sei nicht nur in der Hersbrucker Schweiz ein Thema. Im ganzen Bundesgebiet werden auf der Fläche stetig Betten abgebaut, kleine Krankenhäuser geschlossen, während sich die Notfallversorgung immer mehr auf Zentren konzentriert.

Das heißt für den Rettungsdienst, die Fahrtzeiten werden länger und die Aufnahmekapazität der übrigen Kliniken müsste wachsen. Der Landrat, der auch Rot-Kreuz-Kreisvorsitzender ist, sagte bereits mehrmals, dass ihm dieses Problem gerade auch im Katastrophenfall bisher in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt — trotz nachvollziehbarer wirtschaftlicher Gründe für eine Krankenhaus-Schließung.

Deyhle sieht derzeit keinen Grund zur Panik. Das Nürnberger Klinikum habe alle rechtzeitig informiert. Immerhin vier bis fünf Jahre vor der Schließung. Sein Hinweis an die Vertreter des Kommunalunternehmens, das den Standort Hersbruck mit seinen 60 Betten in vier Jahren abschaffen und dafür die Kapazität in Lauf um 48 Betten erhöhen will, war dennoch deutlich. Zu Geschäftsführer Dr. Thomas Grüneberg und Vorstand Achim Jockwig sagte er: „Bitte denken Sie nicht nur an Betten und teure Spezialgeräte, sondern auch an Aufnahmeräume und zusätzliche Kapazitäten.“

Gutes Drittel bleibt hier

Alleine der Rettungsdienst des Roten Kreuzes verzeichnete im vorigen Jahr im östlichen Landkreis knapp 2000 Notfalleinsätze, bei 36 Prozent war das Hersbrucker Krankenhaus das Ziel. Die Wahl der Klinik trifft die Nürnberger Leitstelle, die die Sanitäter in die nächstgelegene geeignete stationäre Aufnahmeeinrichtung beordert. Maximal zwölf Minuten darf es dauern von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Retter.

Hersbruck ist spätestens seit dem Ende der stationären Chirurgie nicht mehr das Ziel bei schweren Verletzungen, sondern eher bei Schwäche, zum Beispiel Kreislaufkollaps, Blutdruckstörungen, Unterzucker und Ähnlichem. Es besteht aber weiterhin eine gut funktionierende Kooperation mit der ambulanten orthopädisch-chirurgischen Praxis im Klinik-Gebäude. Für die 60 Krankenhaus-Betten gilt allgemein: „Das größte Klientel sind ältere Menschen oder Pflegebedürftige“, fasst Uwe Winkler, der Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz, zusammen. Darum ist die Schließung vor allem für Senioren ein Thema. Winkler und Deyhle fragen da nur: „Können Sie sich einen 80-Jährigen vom Land im Südklinikum vorstellen?“

Sie gehen davon aus, dass Lauf trotz angekündigtem Ausbau nicht immer genügend Kapazität haben wird. Immerhin sagte der für Lauf zuständige Geschäftsführer Grüneberg zu, die zentrale Aufnahmestation in der Kreisstadtklinik bis 2021/22 zu erweitern, einen neuen Computer-Tomographen anzuschaffen und die Intensivstation von neun auf zwölf Betten aufzustocken. „Wir hoffen, dass so Fahrten nach Nürnberg wegfallen und wir einen Teil davon abdecken können“, schätzt er.

Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit von Rettungswagen. „Wenn wir bei einem guten Drittel der Notfälle nicht mehr Hersbruck ansteuern können, sondern entferntere Kliniken, dann ist das Auto mindestens eine Stunde länger auf der Straße unterwegs“, stellt Deyhle fest. Sollte neben dem sogenannten „öffentlichen Rettungswagen“ der Hauptberuflichen gleichzeitig auch das identisch ausgestattete Fahrzeug der Ehrenamtlichen im Einsatz sein, dann sei Hersbruck erst mal blank. Aber die Leitstelle kennt ohnehin keine Gebietsgrenzen, sondern ruft schlicht den, der am schnellsten vor Ort sein kann. Zum Beispiel den ASB in Velden.

Die kommende neue Situation muss das Innenministerium berücksichtigen, das eine funktionierende Versorgungsstruktur sicherstellt. Ansprechpartner im Großraum ist der Zweckverband Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung in der Metropolregion.
Die zweite Schiene des Roten Kreuzes, die Krankentransporte vom Krankenhaus zum Beispiel zur Röntgenpraxis, fallen künftig weg. „Da sehen wir in Hersbruck sogar eine gewisse Entlastung“, sagt
Deyhle, der aber natürlich das ganze Nürnberger Land im Blick haben muss. Die Hersbrucker Autos fahren bei Bedarf in der gesamten Region, nicht nur im näheren Umfeld der Wache. Zugleich steigt die Zahl der Rettungs- und Transporteinsätze insgesamt stetig, berichtet Deyhle. Darum spielt es durchaus eine Rolle, wenn der Rettungsdienst künftig länger unterwegs ist.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz