Derbe Sprüche und Gesangseinlage

Komiker „Bembers“ trat in Hersbrucker Geru-Halle auf

Der fränkische Komiker „Bembers“. | Foto: W. Sembritzki2019/02/Bembers.jpeg

HERSBRUCK (ws) – Rauer Umgangston in Hersbruck: In seinem neuen Programm „Kaputt oder was?“ holt Bembers zum gesellschaftlichen Rundumschlag aus. Kein Abgrund ist ihm zu tief und kein Fettnäpfchen zu schade, um darin nicht ein Vollbad zu nehmen. Die bis auf den letzten Platz gefüllte Geru-Halle dankte es ihm am vergangenen Samstagabend mit stehenden Ovationen.

Grammatik, Online-Dating oder moderne Technik: Bembers macht vor gar nichts Halt. Gezielt pickt er sich ganz gewöhnliche Alltagssituationen heraus, um sie dann in Windeseile in die Absurditäten menschlichen Denkens und Handelns zu führen. Dabei nutzt der Kult-Komiker gekonnt seinen Heimvorteil und freut sich, dass ihn nach seinem Auftritt in Hersbruck niemand fragen wird, ob er überhaupt verstanden wurde.

Hämische Sozialkritik
Daheim geht die Gesellschaftskritik dann besonders leicht von den Lippen. Für alle Lebenslagen hat er die passende Bewältigungsstrategie und scheut sich auch nicht, diese öffentlich mit der gewohnten Portion Häme, Sarkasmus und schwarzem Humor kundzutun: Den Auftakt bilden die sogenannten „Smombies“, die partout nicht vom Smartphone lassen können und für die die Stadt Freiburg bereits Ampeln in den Bürgersteig eingelassen hat, damit sie nicht im Straßenverkehr überfahren werden. Gefundenes Fressen für Bembers, der daraus kurzerhand die Lösung für das Rentenproblem entwickelt und fordert, dass alle Ruheständler ab 2020 bei Rot über die Ampel gehen müssen.

Über mehrere Exkurse zur Jugendsprache, verbunden mit Kritik an der Mode von Nachwuchsrappern („Däi schaua aus, als hättns a Kaffeehaferl am Kupf!“), findet Bembers schließlich den Weg hin zur Romantik, bevor er nach einer Abhandlung über Erwachsenenkinos seine Online-Dating-Erfahrungen mit dem Publikum teilt.

Unter dem Motto „Die besten Geschichten schreibt das Leben“ eskaliert bei ihm selbst ein unverfängliches Kennenlernen im Netz zur schmerzhaften Sado–Maso–Einlage, die im Publikum kein Auge trocken lässt. Schon allein deswegen, weil er der Begrüßungsfloskel „Tritt ein, Sklave“ aus dem SM-Fachjargon mit einem unverhohlenen fränkischen „Servusla“ kontert, ehe er sich anderthalb Stunden lang auspeitschen lässt.

Im Zuge des allgemeinen Wahnsinns verwundert es auch nicht mehr, dass er sich musikalisch mit dem Kinderlied „Alle meine Entchen“ verabschiedet – in Pop-, Schlager- und Heavy Metal-Version, versteht sich. Sonst wäre es ja „normal“.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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