Konzert des Collegium Musicum

Klänge im Dialog

Wegen des Wetters musste das Konzert des Collegium musicum in die Stadtkirche verlegt werden. Das Publikum war trotzdem begeistert von der musikalischen Qualität. | Foto: M. Ermer2018/07/Bericht.jpg

HERSBRUCK – Mit der 36. Serenade des Collegium Musicum Hersbruck im Schlosshof sollte es nichts werden. Schon den ganzen Tag hatte sich abgezeichnet, dass das regnerische Wetter keine Open-Air-Veranstaltung zulassen würde und so ging es zum Schutz der empfindlichen Instrumente in die Stadtkirche. Dort beeindruckte das Orchester unter Leitung von Susanne Pflaumer mit anspruchsvollen Stücken aus dem Liedzyklus „Mein Vaterland“, einem Konzert in a-Moll von Edvard Grieg und einer „Norwegischen Rhapsodie“.

Ohne groß einleitende Worte zu verlieren, begann das Collegium Musicum in Hersbrucks gut gefüllter Stadtkirche klangvoll mit der „Norwegischen Rhapsodie Nr. 1 op 17“, komponiert von Johan Severin Svendsen. Immer wieder bedienten sich die Musiker des altersmäßig bunt gemischten Orchesters der Pizzicato-Technik, bei der die Saiten der Geigen nicht gestrichen, sondern gezupft werden. Das Stück selbst stellt ein Sinnbild poetischen Charakters dar und beinhaltet Volksmelodien, bis es sich gegen Ende doch zu sinfonischen Klängen steigert.

Weiter ging es mit dem Mittelpunkt des Programms und einem zweiten Norweger, nämlich Edvard Grieg und seinem einzigen Instrumentalkonzert, bestehend aus drei Sätzen. Dabei unterstützte der gebürtig aus Kastl stammende Pianist Johannes Raab als Solist die Orchestermusiker um Susanne Pflaumer. Er beeindruckte nicht nur klanglich mit schnellen Läufen auf seiner Klaviatur, sondern auch mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit.

Virtuose Solokadenz

Die Komposition von Grieg zeichnet sich dabei durch effektvollen Einsatz der Instrumente und große Stimmungskontraste aus. So begannen auch beim Collegium Musicum erst die Pauken, bevor Raab am Klavier einstieg. Hier zeigte er seine Klasse mit einer virtuosen Solokadenz, während das Orchester anschließend das prägende Hauptthema erklingen ließ. Im zweiten Satz, dem „Adagio“, ist das Klavier erneut präsentes Hauptinstrument. Gedämpfte Streicher begleiteten hierbei den kunstvoll gefächerten Klaviersatz, einen Dialog zwischen Orchester und Klavier beschreibend. Das dritte Thema endete schließlich mit kraftvollen Elementen in einem großformatigen Finale.

Nach einer kurzen Pause, die den Zuhörern die Gelegenheit gab, frische Luft zu schnappen oder im Selneckerhaus einen Drink einzunehmen, um schon einmal auf den gelungenen Abend anzustoßen, schloss das Orchester nahtlos drei Stücke aus dem Liedzyklus „Mein Vaterland“ des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana an. „Vyšehrad“ handelte von Aufstieg, Triumph und Niedergang eines Adelsgeschlechts, bei dem die Musiker den Satz nun mit Harfenbegleitung ausgehend vom ersten Ton gesamtmusikalisch entwickelten. In „Šárka“ wiederum bespielten die Musiker mit ihren Streich-, Holz- und Blechblasintrumenten die dramatische Liebesbeziehung ebenjener Amazone zu einem Ritter in einer sehr wechselvollen Komposition.

„Moldau“ als Höhepunkt

Zum Schluss ließ das Collegium Musicum noch „Die Moldau“ erklingen, die für viele Zuhörer wohl den gelungenen Höhepunkt des Abends bildete. Der Verlauf des Flusses von der Quelle bis zur Ankunft in Prag wurde hierbei in Musik übersetzt und beschrieben.

Das Orchester erntete anerkennenden Applaus und Standing Ovations, kaum dass der letzte Ton verklungen war. Susanne Pflaumer nahm dies für ein kurzes „Danke“ zum Anlass und bekam nicht nur selbst einen Blumenstrauß, sondern verteilte Rosen an ihre Musiker. Die ließ sie anschließend noch einmal zu einer Zugabe aufspielen, was den Konzertabend zu seinem endgültigen Abschluss brachte.  MICHELLE ERMER

N-Land Hersbrucker Zeitung
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