Open-Air-Konzert

Karibik im Hersbrucker Schlosshof

Wally Warning musizierte gemeinsam mit Tochter Ami. | Foto: A. Pitsch2017/07/WallyAmi-Warning.jpg

HERSBRUCK – Wer verbringt nicht gerne einen entspannten Abend mit Freunden. Daher hatten sich Werner Schmidbauer und Martin Kälberer im Rahmen ihrer Sommer-Friends-Tournee nicht nur Wally Warning eingeladen, sondern ganz viele Freunde: Im Hersbrucker Schlosshof herrschte aufgrund der lockeren Musik, des gemeinsamen Singens, Witzeleien und persönlicher Erzählungen fast schon Wohnzimmer-Atmosphäre.

„Das tolle am Open-Air ist, ich sehe euch alle und kenn‘ euch jetzt persönlich“, sagte Werner Schmidbauer. Sofort entspann sich eine rege Interaktion zwischen den Liedermachern und dem von Anfang an begeisterten Publikum, was sich nicht nur beim vielen Mitsingen zeigte und dem Abend eine besondere, einzigartige Note verlieh. Dazu trugen nicht nur die witzigen Moderationen Schmidbauers bei („Wir haben ja eine Duo-Pause, aber von Trio hat keiner was gesagt“), sondern auch viele persönliche Einblicke.

Genau Zuhören war also angesagt – vor allem bei den zwar einfachen, aber tiefgründigen und wahren Liedtexten. In locker-flockiger Mucke versteckt, nahmen die beiden zum Beispiel bei „Endlich mal wieder“ die rasante Gesellschaft gekonnt aufs Korn. Auch die Themen Straßenmusik, Türkei – per Liebeslied an Istanbul –, Lebensfreude, Angst, Loslassen, Rassismus, Nationalstolz („Man kann nur auf das stolz sein, was man selbst geschaffen hat!“) und Politik („Deppenschwämme in politischen Führungspositionen“) packten Schmidbauer und Kälberer in leichte Klänge, mal fröhlich, mal wehmütig, mal nachdenklich. Die Worte und Aussagen waren aber immer deutlich.

Soul in der Stimme
Überbordende Lebensfreude hüllte die Zuhörer dann ein, als der Gast von den niederländischen Antillen, Wally Warning, zu Schmidbauer und Kälberer stieß. Vor rund einem Jahr hatte der Musiker eine seltene Auto-Immunerkrankung erlitten, die er mit Glück überlebt hat. Wohl gerade aus dieser Erfahrung heraus fand Warning, dass „an einem Abend wie heute aufgespielt und gelacht werden muss“.

Wohl jedem bekannt ist Warnings Charthit „No Monkey“, dessen Reggae-Sound die Füße der Zuschauer zum eifrigen Mitwippen veranlasste. Mit Warning strömte Karibik-Flair in den Schlosshof. Trotz manchmal trauriger Texte waren die Songs nie bedrückend. Seine vielseitige Stimme und Begabung an Instrumenten fügten sich harmonisch in das Duo ein. Die Musiker wechselten in höchster Perfektion von Percussion zu Piano, von Gitarre zu Mundharmonika oder zum Bass in Kindergröße.

Mit Spielgeräten wie der indischen Shrutibox oder dem schweizerischen Klangkörper Hang sorgten die drei für spannende Hörerlebnisse, die das Publikum mit Standing Ovations belohnte.  Sogar dem Hit „Ain’t no Sunshine“ verpassten die Künstler einen ganz eigenen, faszinierenden und mitreißenden Stil. Anteil daran hatte auch Warnings Tochter Ami. Die karibische Schönheit, die selbst als Musikerin unterwegs ist, flashte das Publikum mit einer soulig-rauchigen und tiefen Stimme.

Und so hatte Wally Warning recht, dass an diesem Abend voller Musik gelacht und genossen werden muss. Spätestens bei „Momentensammler“ war jedem bewusst, dass dieses Konzert ein einzigartiger Moment mit vielen Freunden war.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch