Kriminalitätsstatistik 2017

Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt

Zwar sind die offiziellen Zahlen zu häuslicher Gewalt im Hersbrucker Land leicht rückläufig, die Dunkelziffer ist und bleibt jedoch hoch. | Foto: Dan Race - stock.adobe.com2018/04/AdobeStock_62555760.jpg

HERSBRUCK – Um stolze 43 Prozent sind die sogenannten „Rohheitsdelikte“, wie Körperverletzungen und Raub, in Hersbruck 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das zeigt die Kriminalitätsstatistik der Polizei Hersbruck für 2017. Auch mit Diebstählen hatten die Beamten im Dienstbezirk weniger zu kämpfen als noch 2016. Ein anhaltendes und wahrscheinlich wachsendes Problem ist die Internetkriminalität. Und auch häusliche Gewalt beschäftigt die Polizei immer wieder.

Hauptgrund für die geringere Zahl an Delikten sind laut Johann Meixner, Dienststellenleiter der Polizei Hersbruck, dass mehr und mehr Gaststätten in der Stadt schließen. Es gebe nicht mehr so viele Möglichkeiten auszugehen, dadurch habe sich auch die Situation in der Innenstadt entspannt. Nur noch 76 „Rohheitsdelikte“ wurden zur Anzeige gebracht, 67 weniger als 2016. Im gesamten Dienstbezirk gingen die Fälle von 295 auf 228 zurück. Ein versuchter Totschlag im Oktober war dabei das schwerste Delikt.

Die Situation in Asylbewerberunterkünften sei ebenfalls ruhig gewesen, die Polizisten wurden nur zu „unterschwelligen“ Delikten gerufen. Von insgesamt 591 ermittelten Tatverdächtigen war ein Viertel nicht deutsch, was Meixner als „nicht auffällig“ bezeichnet.

273 Diebstähle, davon 152 in Hersbruck, wurden der Polizei 2017 gemeldet. Das sind zwar gut elf Prozent weniger als im Vorjahr, allerdings konnten auch weniger Fälle aufgeklärt werden: Die Quote sank von knapp 35 auf 27 Prozent. Die Täter agierten professioneller und spionierten das Objekt zum Beispiel vorher aus, um zu wissen, wo und wann sie zuschlagen können, so Meixner. Auf frischer Tat werde kaum mehr jemand ertappt.

In Wohnungen wurde 2017 zwölf Mal eingebrochen, 94 schwere Diebstähle verzeichnete die Polizei insgesamt. Beide Zahlen sind ebenfalls rückläufig. Die Beamten appellieren hier an die Bevölkerung, sich zu melden, falls verdächtige Personen oder Fahrzeuge auftauchen. Infomaterial gibt es in der Dienststelle in Hersbruck, die Kripo Schwabach bietet außerdem eine Beratung an.

Gleichzeitig spricht Meixner ein Lob an die Hersbrucker aus: Vor allem, wenn Betrüger bei Leuten daheim anrufen, sich als Polizisten ausgeben und zum Beispiel nach Geld fragen, sei die Bevölkerung im Umland sehr vorsichtig und melde sich bei den Beamten. Bisher sei noch niemand im Dienstgebiet auf solche Betrüger hereingefallen.

Zwar erhöhte sich die Zahl der Rauschgiftdelikte von 31 auf 48, laut Meixner sei das aber die „normale Fluktuation“ und nicht weiter problematisch. Auch bei Jugendlichen habe man das Thema durch die Zusammenarbeit mit Jugendamt und Jugendgerichtshilfe gut im Griff, so Polizistin Sybille Seiffert. Aufklärung sei hier wichtig, weil viele nicht wüssten, dass auch die Verwaltungsbehörde Bescheid bekommt, wenn ein Jugendlicher mit Drogen erwischt wird. Und die kann ihm zum Beispiel Probleme bereiten, wenn er den Führerschein machen möchte.

Ein Thema, das zwar nicht überhand nimmt, für die Beamten aber einen hohen Arbeitsaufwand bedeutet, ist häusliche Gewalt. Die Dunkelziffer ist außerdem um einiges höher und schwankt zwischen 75 und 90 Prozent. Bei dieser Einschätzung stützen sich die Beamten auf Gespräche mit Personen, die zunächst nur Beratung für bestimmte Situationen suchen. Wie viele Fälle es 2017 im Hersbrucker Land genau gab, dürfen die Beamten aus Sensibilitätsgründen nicht sagen.

„Zu 80 Prozent sind Frauen die Opfer“, weiß Werner Engelmann, der bei der Polizei Hersbruck beratend zur Seite steht. Zu ihm kommen Personen aus allen gesellschaftlichen Schichten, mit unterschiedlicher Bildung und Herkunft. Auch Asylbewerberinnen suchen immer öfter seine Hilfe: Sie erkennen ihre Freiheiten in Deutschland und lernen diese zu schätzen.

In Sachen Jugendkriminalität gebe es in Hersbruck kaum Schwerpunkte, erklärt Sybille Seiffert. Die Taten begrenzten sich auf Graffitischmierereien oder kleinere Sachbeschädigungen. Meistens seien es immer wieder dieselben, die auffällig werden, und man kenne sich gegenseitig, auch von Seifferts Vorträgen in den Schulen. So kommen zu ihrer Freude auch oft die Jugendlichen auf sie zu, wenn etwas vorgefallen ist. Prävention sei auch hier sehr wichtig.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner