Herzbruch in Hersbruck

Letzte Vorbereitungen: Während Wolfgang Luh 1000 Fenster in andere Welten gestaltet, biegt Dieter Serfas Figuren aus Draht für das Schattenspiel. Foto: privat2011/06/5_2_3_2_20110622_SERFAS.jpg

HERSBRUCK – Anlässlich des Hersbrucker Bürgerfestes am Samstag, 25. Juni, und des „Citta slow“-Festes zum 10-jährigen Bestehen der gleichnamigen Initiative in Hersbruck, am Sonntag, 26. Juni, wird die „SlowArt“-Initiative Hersbruck (HZ berichtete) wieder aktiv. Zwei Künstler und Gründungsmitglieder des „SlowArt“-Projektes werden an beiden Tagen unter dem Motto „Herzbruch in Hersbruck“ persönliche, künstlerische Statements zur „Citta slow“ am Oberen Markt 26 präsentieren.

Ihre Installationen in einem leerstehenden Geschäftsraum am Nürnberger Tor tragen die spannenden Titel „Nichtraum“ und „Sie sind da!“ und machen neugierig: Zwei Künstler — zwei Welten, zwei Positionen, zwei Installationen — folgen einer gemeinsamen Idee mit verschiedenem Ausgang.

Der Kasseler Künstler Wolfgang Luh, in Hersbruck bereits bekannt durch sein erfolgreiches Ausstellungsprojekt „Was war zuerst? Die Henne oder das Ei?“ im Kunstmuseum und nicht zuletzt durch die Verlesung des „SlowArt-Manifestes“ im Rathaus (Februar/HZ berichtete) wird einen normalen Raum zu einem „Kunstraum“ umgestalten, indem er alle Wände, vom Boden bis zur Decke, mit Tausenden von postkartengroßen, signierten Bildern überzieht („Petersburger Hängung“).

Alle Arbeiten (Öl auf Karton) sind Unikate. Wenn, nach dem Prinzip und der Funktion des „SlowArt-Würfels“, Bilder wie Fenster sind, also Wand-Durchbrüche, durch die man in andere Welten blicken kann, dann versucht Wolfgang Luh, mit seiner Installation, einen Raum zu schaffen, der, nur von Fenstern begrenzt, eigentlich keine Begrenzung mehr hat, und somit kein Raum mehr sein kann. Ein Paradoxon kann entstehen! Und Luh‘s Kunstraum selbst wird zum „SlowArt-Würfel“. Das Ergebnis kann jeder Besucher des „Nichtraumes“ an diesem Wochenende für sich selbst überprüfen!

Der Hersbrucker Künstler Dieter Serfas wird in der für ihn typischen Recycling-Technik aus alten metallenen Kleiderbügeln ein großes Heer kleiner, menschlicher Figuren schaffen, die aber alle nur in ihren Umrissen als solche zu erkennen sind. Doch wenn sie erst einmal in einem hellen Raum installiert sind, und das Licht und die Luft sie umspielen, beginnen sie zu leben. Dann füllen ihre Schatten den Raum! Magie macht sich breit und die „SlowArt”-Idee wird sichtbar.

Das verbindende Element der beiden Raumgestaltungen ist eine, von Serfas und Luh, entwickelte Klang-Installation zu den Themenbereichen „Mensch und Natur — fast and slow — laut und leise — Ist und Anfang — Zeit und Ewigkeit — Wirklichkeit und Realität“. Wer sich zur Feier der „Citta slow“ Hersbruck die Zeit nehmen will „SlowArt“ zu erleben, darf kommen und staunen.

Zudem wird der Künstlerstammtisch Hersbruck für die Dauer des Wochenendes in Gang und Hof des Restaurants „Roter Ochse“ eine Ausstellung und einen kleinen Kunstmarkt einrichten. Ganz im Sinne des „Citta slow“-Gedankens wollen die Künstler der schönen Lebensart auch noch ein wenig geistige Nahrung beimengen.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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