Ausstellung von Gedok

Hersbrucker Stadthaus ist bis März in weiblicher Hand

Leonie Böhnel aus Weigendorf zeigt einer interessierten Besucherin, wie ihr Mosaik auf der symmetrischen Formschönheit der Blaualge beruht. | Foto: U. Scharrer2018/12/Leonie.jpg

HERSBRUCK – Kunst ist nicht weiblich oder männlich und eine Unterscheidung gendertypischer Merkmale in Malerei und Bildhauerei macht wenig Sinn. Trotzdem oder gerade deswegen ist es interessant, wenn die 116 Werke, die bis zum 17. März im Stadthaus auf drei Stockwerken präsentiert werden, ausschließlich aus der Hand von 58 Frauen stammen. Diese sind Mitglieder in der Gedok Franken. Es sind neue Arbeiten mit dem Titel und der Größenbeschränkung „1/2 qm Kunst“.

Ulrike Rosenbach ärgert sich über die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, die Frauen in der Kunst gesondert zu fördern. Sie ist die langjährige Vorsitzende der Bundes-Gedok, die 1926 als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet wurde. „Die Gleichstellung weiblicher Kunst mit männlicher zu erstreben“, sagt sie, „ist in meinen Augen der wesentliche Weg zum Erfolg der Kunst von Künstlerinnen. Das zu diskutieren und auszutragen ist auch eine wichtige kulturpolitische Aufgabe. Ich würde dieses Vorgehen „in Aktion“ nennen“. Auch die 2009 verstorbene Hersbrucker Kunstförderin Anna M. Scholz hielt die Stärkung der weiblichen Kunst wohl nicht für obsolet und gründete vor 30 Jahren die Gedok Franken.

Die Werke von knapp 60 Frauen „in Aktion“ kann man nun im Stadthaus betrachten, dicht gehängt und in einer anerkennenswerten kuratorischen Leistung zu einer runden Schau gezügelt. Die Beschränkung im Format auf maximal einen halben Quadratmeter diente ausschließlich der Sache und schränkt die kraftvoll-expressiven Künstlerinnen mitnichten ein. Die kraftvoll-amorphen Formen von Pia Morgenthum, die rahmensprengenden Rotexplosionen von Gisela Süß, die schummrig in geheimnisvollen Rembrandt-Tönen gehaltenen Quadrate von Luitgard Wießner, die wuchtigen Spachtelstatements von Anna Luise Oechsler oder das expressive „Blau mit Spalt“ all diese Arbeiten würden auch als Großformat funktionieren.

Vor dem Großformat an sich verneigt sich augenzwinkernd Edith Groß, deren mit Farbresten gezierte Leiste mit 200 x 23 cm noch gut im Bereich des halben Quadratmeters bleibt und mit dem Titel „Kunst und was bleibt …“ auch das eigene Schaffen philosophisch in Frage stellt. Zu umgehen scheinen die Größenbeschränkungen Silvia Lobenhofer-Albrecht und Christine Engels, die mit dreiteiligen Arbeiten der großen Geste Raum verschaffen.

Es geht aber auch anders als mit Schmackes: zart, ja poetisch und sehr klein sind die diffusen Fotografien Heide Eggermanns und die exquisit illusionistisch gemalten Landschaften von Barbara Gröne-Trux. Alles andere als lieblich ist die Unbehagen auslösende Arbeit von Karin Waßmer und auch die verspielten Keramik-Tassen und -Kannen von Bettina Graber-Reckziegel sind nur auf den ersten Blick niedlich. Sieht man von Federica Burzis verträumten Kinderbildnissen ab, bildet in dieser Ausstellung Ilse Feiners „Diva in Pose“ am offensichtlichsten vermeintlich weibliche Interessen ab.

Zeitlos Elegantes aus der Welt der Angewandten Kunst, frech farbige vergnügte Malerei und interessante Skulpturen: Stadtrat Götz Reichel durfte sich in seiner Begrüßungsrede mit Recht über eine Vielfalt an Stilen und Techniken freuen. Die frischgebackene Gedok-Franken-Vorsitzende Silvia Lobenhofer-Albrecht kündigte weitere Attraktionen an. Am 3. März werden neun der rund um Hersbruck ansässigen Künstlerinnen von 10 bis 18 Uhr ihre Ateliers für Interessierte öffnen. Und am 17. März gibt es bei der Finissage Künstlerinnengespräche von 13 bis 14.30 Uhr und von 15 bis 16.30 Uhr eine literarische Soirée mit Hildegard Pohl.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer