Verkauf ab Samstag

Hersbrucker Bücherwerkstätte hat 44. Kunstdruckkalender fertig

„Lob & Tadel“ heißt diesmal das Thema. Günther Tobisch und Michael Gölling zeigen das Titel- und ein Monatsblatt. | Foto: M. Scholz2018/12/DSC_0232.jpg

HERSBRUCK – Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte wagt mit ihrem 44. Kalender einen Ausblick auf ihr Jubiläum nächstes Jahr: Dann gibt es die „Handwerker im Dienst der Kunst“ bereits 50 Jahre. Nur eine Lobrede auf sich selbst, das geht aber nicht, fanden sie. Deshalb heißt das Thema auf den zwölf hochwertigen, strikt auf 200 Exemplare limitierten Blättern „Lob & Tadel“.

Sie sind, was Typografie und Gestaltung angeht, Meister ihres Fachs. Dazu kommt ein Witz, eine gewisse Frechheit, manchmal sogar Freizügigkeit in den Texten und Darstellungen, die Kunstliebhaber jedes Jahr mit Spannung und Vorfreude auf den neuen Kalender warten lassen.

Den harten Kern bilden die Urgesteine Günther Tobisch, Michael Gölling und Siggi Zimmermann, der seit 50 Jahren auf der antiken Heidelberger Cylinder Druckmaschine den Kunst-Kalender produziert. Zum künstlerischen Stammpersonal gehören außerdem Waldemar Fuhrmann, Armin Krohne, Thomas Lunz, Dan Reeder und Timo Reger. Von ihnen und den Gästen Reinhard Michl und Johannes Gast stammen die Originalgrafiken, die Zimmermann in der alten Werkstatt im Mauerweg 200-fach vervielfältigt hat.

Der Kalender verströmt noch den Geruch nach Druckerfarbe, als Günther Tobisch und Michael Gölling ihn öffnen. Wenn sie beim Durchblättern von der Entstehung des frisch gedruckten Sammlerstücks erzählen, geraten sie ins Schwärmen über einzelne Lettern, zum Beispiel das Riesen-R, das Günther Tobisch auf seinem Blatt verwendete und das wohl aus einer alten italienischen Plakatdruckerei stammt. Michael Gölling, der wie Tobisch gelernter Schriftsetzer ist, aber in seiner Berufslaufbahn mehr zum Drucker tendierte, freut sich, dass die Künstlerkollegen neben gesetzten Lettern und Linolschnitten auch Holzschnitte verwendeten. „Sehen Sie“, schwärmt er, ganz Kenner, und deutet auf die Maserung im Druck.

Sinn für Gestaltung und die Ideen von zwölf Freigeistern — das macht den Kalender wieder aus. Es fällt auf: Die Werkstättenkünstler zitieren frei Schnauze drauf los. „Die Werkstatt ist ein brennendes Haus. Am Ofen mag es nicht liegen“, soll zum Beispiel Buddha gesagt haben. Einen Grund für Beschwerden, liefern sie auch unter anderem Kafka und Adorno, die sich ebenfalls angeblich über Drucker oder zum Thema „Lob & Tadel“ geäußert haben sollen.

So stricken die Druckkünstler auch in der 44. Ausgabe weiter an ihrem derbhumorigen Weltbild, führen den Menschen so vor, wie er nun mal ist: genussfreudig und oft ziemlich scheinheilig. Feingeister wollen sie gar nicht sein, das zeigt sich auf den zwölf Blättern einmal mehr. Sie sind anders hintergründig. Waldemar Fuhrmann sagt’s so: „Seit 50 Jahren auf der Suche nach der unglaublich schlagfertigen, vernichtend witzigen, rätselhaft perfekten, ökonomisch geglückten und ökologisch wertvollen veganen und laktosefreien Idee.“

An den Samstagen, 15. und 22. Dezember, 11 bis 17 Uhr, und am 23. Dezember, 13 bis 17 Uhr, findet der Kalenderverkauf im Mauerweg 17a in Hersbruck statt. Jedes Exemplar ist nummeriert und am Blatt signiert. Die Werkstätte bittet um Reservierung (info@hersbrucker-buecherwerkstaette.de). Der Kalender wird eine Woche zurückgelegt.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz