Hund wieder bei Besitzern

Happy End für Labrador „Boy“

Nach vier Monaten konnten Egbert Norder und seine Frau Harmina de Jonge ihren „Boy“ wieder in die Arme schließen. Der freute sich sichtlich. | Foto: M. Wildner2017/04/DSC_1487.jpg

HERSBRUCK – Es war ein turbulentes Wiedersehen: Der Labrador-Rüde, der an Ostern in Algersdorf bei Kirchensittenbach gefunden wurde, konnte am Donnerstag seinen Besitzern übergeben werden. Der Hund hat eine lange Reise hinter sich: Seine Heimat liegt an der holländischen Grenze.

Als Harmina de Jonge und ihr Mann Egbert Norder in der Nacht des 17. Dezember nach Hause kamen, wollten sie ihren Augen nicht trauen: Der Zwinger ihres Labradorrüden „Boy“ war leer. „Die Tür stand offen und der Hund war weg“, erzählt Norder aufgeregt. Das Ehepaar glaubt, dass „Boy“ von illegalen Tierhändlern gekidnappt wurde.

Händler stehlen Welpen
„Das ist nicht selten“, erklärt Martina Höng, Leiterin des Hersbrucker Tierheims. Vor allem in England seien zur Zeit vermehrt Tierhändler unterwegs, die vornehmlich bei Züchtern einbrechen und Welpen klauen, um sie dann in anderen Ländern wieder zu verkaufen.

De Jonge und Norder starteten sofort eine Suchaktion. Weil de Jonge in den Niederlanden eine bekannte Sängerin ist, erregte die Geschichte auch das Aufsehen verschiedener Medien in dem Land. Aber ihr Hund schien wie vom Erdboden verschluckt. „Mir ging es sehr schlecht in dieser Zeit, ich wollte nichts mehr essen und habe 20 Kilo abgenommen“, erzählt de Jonge.

Für sie war „Boy“ nicht nur ein Hund, sondern eine Art Therapie: In den vergangenen Jahren musste die Sängerin viel durchstehen, auf einen Hirnschlag folgte wenig später ein Herzinfarkt. Ihr Mann schenkte ihr den Hund zum Valentinstag. „Boy hat mir neuen Mut gegeben, durch ihn habe ich wieder Laufen gelernt“, erzählt sie mit feuchten Augen. Als ihr geliebter Labrador plötzlich nicht mehr da war, brach für sie eine Welt zusammen.

In schlechter Verfassung
Umso glücklicher war das Ehepaar, als es vor einigen Tagen von einer Freundin auf das Bild eines gefundenen Hundes im Internet aufmerksam gemacht wurde: „Boy“ war an Ostern in Algersdorf entdeckt worden, als er alleine durch das Dorf streunte. Die Mitarbeiter des Hersbrucker Tierheims nahmen den Labrador auf und pflegten ihn. Sein Gesundheitszustand war alles andere als gut. „Er hatte Durchfall und eine Entzündung an den Hoden. Wer weiß, was er durchgemacht hat“, erzählt Martina Höng.

Mit Facebook- und Zeitungsaufrufen hatte das Tierheim nach den Besitzern gesucht. Auch viele Gemeinden beteiligten sich über die Hundesteuerlisten an der Suche. Doch es tat sich lange nichts. „Dass wir nach so viel öffentlicher Suche nicht schneller einen Besitzer ausfindig machen konnten, war sehr ungewöhnlich“, sagt die Tierheimleiterin. Zwar meldeten sich einige Leute und gaben an, der Hund könnte ihnen gehören. Das mache es den Tierheimmitarbeitern oft schwer, den echten Halter ausfindig zu machen. „Wir lassen uns auffällige Merkmale beschreiben und den Namen des Tieres nennen“, so Höng.

Spezieller Trick
Bei „Boy“ gab letztendlich ein spezieller Trick Aufschluss, den nur sein wahrer Besitzer kennen konnte: Ein bestimmter Befehl auf Holländisch, der dem Hund bedeutet, sich zu setzen und eine Pfote auf einen Stuhl zu legen. Als de Jonge das am Telefon einer Mitarbeiterin des Hersbrucker Tierheims erklärte und diese dem Hund daraufhin den Befehl gab, gehorchte der Labrador sofort. „Neben dem Namen und der Beschreibung war das für uns der endgültige Beweis“, erklärt Martina Höng. Sie geht davon aus, dass „Boy“ entweder den Händlern oder aber seinem neuen Besitzer ausgebüxt war.

Und so machten sich de Jonge und Norder auf den Weg von ihrem Heimatort Emlichheim an der deutsch-holländischen Grenze in das gut 600 Kilometer entfernte Hersbruck. „Meine Frau ist der glücklichste Mensch auf der Welt“, freute sich Egbert Norder, als die beiden am Donnerstag ihren „Boy“ nach vier langen Monaten endlich wieder in die Arme schließen konnten.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner