„Blues und Kusz“ im Paul-Pfinzing-Gymnasium

Große Lust am eigenen Dialekt

Das bescherte dem Publikum Glücksgefühle: die gut gelaunte Darbietung von Lyrik im fränkischen Dialekt und sehr agilem Blues durch Fitzgerald Kusz und Klaus Brandl. | Foto: U. Scharrer2017/11/8574052.jpg

HERSBRUCK – Es „mäanderd, es schbrudld, es schdrömd …“– die Eigenschaften, die Fitzgerald Kusz in seinem Gedicht „Bengerdz-Blues“ der Pegnitz zuschreibt, trifft auch auf seine Lesung im Paul-Pfinzing-Gymnasium zu: Es mäandert die fränkische Philosophie, es sprudelt der pure Wortwitz und es strömt die Lust an einem Dialekt über, dem oft fälschlicherweise der Ruf der Dümmlichkeit anhaftet. Ebenso wendig wie der heimische Dichterfürst präsentiert sich der fränkische Blueskönig Klaus Brandl, der mit der Gitarre den Blues zum Kusz liefert.

Viel Werbung muss für das eigene Idiom mit den umgekehrt weichen und harten Konsonanten nicht gemacht werden. Von der ersten Zeile der Lesung an ist das Entzücken des Publikums über den gleichermaßen anheimelnden wie überhöhenden Umgang mit der so vertrauten Muttersprache hör- und sichtbar: in Ahs und Ohs, wohligen Seufzern und murmelndem Einverständnis, in herzlichem Lachen und ertapptem Feixen über die ureigene fränkische Bockbeinigkeit.

Kusz´ Geheimnis? Vielleicht die Sinnlichkeit seiner Gedichte, in denen Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen und Riechen in unwiderstehlich profanen Beispielen vorkommen. In „mei kindheid“ erzählt er davon, wie er „des frigeo-brausebulfä …mid meinä schbodze vo meinä händ gleckd hou“ und katapultiert das über hundertköpfige Publikum zu den Wonnen der eigenen Kindheit zurück. Dann wieder beschwört er den „besdiolischen gschdank“ herauf vom „oodlwong, wou an miä vobeigfoän is“.

Ebenso erdig und zuweilen hemdsärmelig wie das Fränkische ist der Blues. Klaus Brandl erhebt die Kombination „Blues und Kusz“, die in der Ankündigung vorstellbar, aber nicht zwingend erschien, zur einzig wahren Form der musikalisierten Dichterlesung. Denn mit eigens zu den Kusz-Texten entstandenen Kompositionen untermalt der Blueser aus Nürnberg nicht nur, er treibt auch an, arbeitet die Pointen heraus und beglückt in seinen unglaublich lyrischen Vorspielen mit der Poesie seines Gitarrenspiels. Unwiderstehlich auch der milde Grusel in „die Krouhä“ (die Krähen).

Begeisterter Beifall entlockt dem sonst in sich zurückgezogenen Saitenhelden ein seltenes Lächeln, ansonsten hebt er nur den Kopf von der Gitarre, um „Fitz“ zu neuen dichterischen Höhenflügen zu animieren. Der wiederum findet die Weisheit der ganzen Welt im Krümelchen, das die Amsel in seinem „Lob der Amseln“ aufpickt und kondensiert sie in der dreizeiligen japanischen Versform des Haiku. Die Bodenständigkeit des über die Welt sinnierenden Franken bringt er gewohnt prägnant auf den Punkt: „di weld is ä wegglä/ ohne broudwerschd/ ned auszuhaldn.“ Mahlzeit.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer