Konzert mit „Quadro Nuevo“

Grandioser Auftakt beim Gitarrenfestival Hersbruck

Vor dem sprichwörtlichen fliegenden Teppich (unten links): „Quadro Nuevo“ mit Mulo Francel, Andreas Hinterseher, D.D. Lowka und Evelyn Huber (v. links). | Foto: S. Baderschneider2017/08/QuadroNuevo-4764.jpg

HERSBRUCK – Mit virtuosen Interpretationen von Musik aus Orient und Okzident begeisterte das Quartett „Quadro Nuevo“ das Publikum in der voll besetzten Geru-Halle – und zwar ohne Gitarre. Dennoch war es ein fulminanter Auftakt für das 18. internationale Gitarrenfestival.

Das Quartett „Quadro Nuevo“ brachte zwar eine ganze Reihe Instrumente mit auf die Bühne, eine Gitarre war aber tatsächlich nicht dabei. Die musikalische Einordnung von „Quadro Nuevo“ ist sowohl einfach als auch wieder nicht. „Kann man machen“, drückte Saxofonist Mulo Francel gleich zu Beginn sein Unbehagen über das Etikett „Weltmusik“ aus, mit dem die Gruppe oft angekündigt wird. Und er hat Recht. Die Musik dieser Welt liefert für die Künstler lediglich die Zutatenliste für ihre ganz eigenen Interpretationen, die oft einem Genre zugeordnet werden können, noch öfter aber auch etwas komplett Neues entstehen lassen.

Entfesselter Tango
Der argentinische Tango ist die eine große Liebe der Musiker. „Wir spielen ihn gern, aber nicht richtig“, kommentierte Francel zwei Stücke aus diesem Genre. „Nicht richtig“ entpuppte sich dann eher als „nicht orthodox“ oder vielleicht besser „entfesselt“. Andreas Hintersehers Akkordeon klang mal frech, mal schwer melancholisch und setzte die emotionale Farbe für die Tango-Interpretationen. Die Harfe hingegen, virtuos gespielt von Evelyn Huber, schien in diesem Quartett gegen den Strich besetzt.

Den zweifelhaften Ruf als hübsches Beiwerk für Klangteppiche und Hintergrundmusik hat sie aber definitiv nicht verdient. Gezupft, gestrichen, mal sanft, mal aggressiv unterlegt – Huber dominiert mit ihrer Harfe sowohl den Tango als auch die orientalischen Interpretationen scheinbar nach Belieben. Sie forderte ihrem Instrument so viel ab, dass während Piazzollas „Libertango“ am Ende des Konzerts tatsächlich eine Saite riss.

Insbesondere die arabisch inspirierten Werke, die aus einem Aufenthalt in Ägypten stammen, fanden beim Publikum großen Anklang. D.D. Lowka lieferte mit Kontrabass und Trommel das Rückgrat für eine Musik, die bei Sufi-Einflüssen mit dem musikalischen fliegenden Teppich auf eine Reise über Länder und Kontinente entführte. Francels Klarinette und Saxofon klangen dabei wahlweise messerscharf oder watteweich in einer Weise, die an den späten Charlie Mariano erinnert. Sanfte, getragene Melodien steigerten sich dabei meisterhaft bis zu geradezu unerträglicher Geschwindigkeit.

Nach dem Szenenapplaus für die zahlreichen Soli und den Bravo-Rufen schon zur Pause waren die stehenden Ovationen, mit denen das Hersbrucker Publikum ein großartiges Konzert bedachte, keine Überraschung mehr. Auch ohne Gitarre.

Susanne Baderschneider

N-Land Hersbrucker Zeitung
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