Fahrsicherheitstraining für Senioren

Freude auf die Vollbremsung

Viel härter auf die Bremse treten – das fordert der Fahrlehrer beim Sicherheitstraining von den Senioren. | Foto: J. Ruppert2017/10/8472356.jpeg

HERSBRUCK – Anfangs hatten die Kursteilnehmer noch Hemmungen, „in die Eisen zu steigen“. Doch nach einigen zaghaften Anläufen legten alle eine richtige Vollbremsung vor einem Stapel leerer Umzugskartons hin. Der Test war Bestandteil des Fahrsicherheitstrainings, zu dem der Arbeitskreis seniorenfreundliches Hersbruck eingeladen hatte – und zwar die Generation 65plus.

„Bei der Aktion geht es keinesfalls darum, dass jemand aus Altersgründen seinen Führerschein abgibt. Ganz im Gegenteil. Wer mitmacht, erhält wichtige Tipps, damit er oder sie die Fahrerlaubnis noch möglichst lange behalten kann“, betonte Mitinitiator Gerhard Stötzner. Der Arbeitskreis hatte für die schon dritte Auflage des Trainings erneut die örtliche Verkehrswacht und verschiedene Experten ins Boot geholt.

Den praktischen Teil auf dem Plärrer und dem Allwetterplatz leiteten Fahrlehrer der Fahrschulen Hegel und Hense. Eine Aufgabe war das Wenden in einem engen Hinterhof. Leitkegel und Stangen ersetzten die Wände. Jeder durfte in seinem eigenen Auto in das Karree hineinfahren und dann eifrig rangieren und mit dem Lenkrad kurbeln. Die Experten gaben Ratschläge zu den richtigen Lenkpunkten und Abständen, auch wenn die Annäherungsmelder eifrig piepten.

„Ich habe noch nie im Leben eine richtige Vollbremsung gemacht“, gestand einer der Senioren. Das durfte er dann beim Sicherheitstraining, wobei wiederum Fachleute von Hegel oder Hense assistierten und die Teilnehmer hart auf das Bremspedal steigen ließen.

Eine weitere Herausforderung war ein Slalomparcours. Ziemlich nah stehende Pylonen simulierten verengte Fahrspuren, wie sie etwa auf Autobahnen in Baustellenbereichen dauernd vorkommen. Hier ging es um das richtige Ansteuern der Kurven. Wer das nicht schaffte, streifte spätestens mit dem Hinterrad ein Hütchen. Ebenfalls geübt wurde die Alltagssituation „rückwärts einparken“ mit dem richtigen Abschätzen des Abstands zum Straßenrand.

Gefahrenpunkte in Hersbruck

Polizeichef Hans Meixner übernahm im Unterrichtsraum der Fahrschule Hegel den Theorieteil und beschrieb einige konkrete Gefahrenpunkte in Hersbruck. Dazu zählt das Pfeiffers Eck vor der Hersbrucker Zeitung, weil dort eine Vielzahl von Besonderheiten zusammenkommt: Spielstraße, Zebrastreifen, oft Radler auf dem Gehweg, Verbotsschild für Kraftfahrzeuge und mehr. „Das Unfallaufkommen ist dort trotzdem unauffällig, weil jeder mit Fehlern des anderen rechnet und aufpasst“, sagte Meixner.

Infos gab er zu den Themen E-Bikes, Begleitpersonen für kleine Drahteselfahrer, Rettungsgasse, Handy am Steuer und Verhalten an Schulbushaltestellen. Außerdem beantwortete Hans Meixner Fragen zu Anschnallpflicht auf Parkplätzen von Supermärkten, wer für die Verkehrszeichen in der Poststraße zuständig ist und Parken auf „bewirtschafteten Stellflächen“ wie im Hersbrucker City-Park oder am Bahnhof rechts.

Alle Theorie und Praxis nützen nur etwas, wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen für das Fahren passen. Deshalb wurde das Training durch einen Hör- und einen Sehtest ergänzt. Gerade diese Sinne gehen meist nicht plötzlich, sondern schleichend verloren. Bei der Akustik sind im Straßenverkehr auch hohe Töne und das Richtungshören wichtig, erklärte Alexander Wimar von der Firma Hörluchs. Brillenmacher Singer prüfte das Sehen, das zudem Grundvoraussetzung für das Einschätzen von Entfernungen ist.

Dass „Schule“ keine Altersgrenzen kennt, bewies am besten Josef Beutlhauser: Der 88-jährige Hersbrucker absolvierte alle Kursteile und bekam wie seine Mitstreiter als krönenden Abschluss von Gerhard Stötzner und Verkehrswachtchef Bernd Vogel eine „Mitmachurkunde“ überreicht. Bei manchen KFZ-Versicherungen ist dies nicht bloß ein Stück Papier, sondern kann – ähnlich wie das Sportabzeichen bei einer Krankenkasse – Bonuspunkte einbringen.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert