Fackelmann rettet die Küchen-Quelle

Fackelmann-Mitarbeiter speisen im Küchen-Quelle-Store: Links von vorne Jörg Bertram, Carsten Esser, Alexander Fackelmann, Dirk Vroomen, Thomas Sperber und Volker Skuras. Rechte Seite von vorne: Srdjan Urosevic, Wolfgang Kalbacher, Horst Bär (verdeckt), Friedrich Lutz und Werner Heiss. Foto: privat2011/08/5_2_1_2_20110901_FACKEL.jpg

HERSBRUCK / NÜRNBERG (won/gz) – Vom einst stolzen Konzern Quelle ist nichts mehr übrig, auch in Hersbruck verschwindet der Kaufhaus-Name Schickedanz. Aber ein Unternehmenszweig lebt deutschlandweit weiter und bewahrt sogar das alte blaurote Quelle-Logo: die „Küchen-Quelle“. Der Hersbrucker Unternehmer Alexander Fackelmann gehört zu den Rettern.

„Ich bin als Franke stolz darauf, dass zumindest ein Teil des ehemaligen Quelle-Konzerns durch zwei Freunde und mich gerettet werden konnte“, sagt Fackelmann der Hersbrucker Zeitung . Beim endgültigen Aus des Quelle-Versands vor eineinhalb Jahren übernahmen Fackelmann (Haushaltswaren) sowie die anderen fränkischen Investoren Hannes Streng (Obi-Baumärkte) und Christian Bühler (MittelstandsInvest GmbH) die Küchen-Quelle, vertrauten auf den guten Klang der Marke, investierten viel Geld in den Neustart. Mittlerweile ist die Last der Insolvenz des früheren Mutterkonzerns längst abgeschüttelt, die Sanierung ist gut bewältigt. Fackelmann: „Wir schreiben schwarze Zahlen und haben zweistellige Wachstumsraten.

Küchen-Quelle-Geschäftsführer Bernd Warnick denkt über neue Produktlinien und die Expansion ins Ausland nach: „Die Mitarbeiter haben ihre anfängliche Unsicherheit überwunden.“ Schließlich sei es nicht leicht gewesen für die Einrichtungsberater, mit halbleerem Terminkalender die erste Durststrecke zu überwinden. Damals war längst nicht sicher, dass Küchen-Quelle tatsächlich auf eigenen Füßen im Markt erfolgreich agieren könnte.

Mit dem Aus für den Quelle-Katalog war auch für die Küchen der größte Teil der Werbeplattform weggebrochen — kein Quelle-Katalog, keine Kundenansprache mehr. Gleichzeitig wurde mit den Quelle-Technik-Centern das bisherige stationäre Standbein zerschlagen. Und dann war ja auch noch der Name „Quelle“ durch die Pleite schwer beschädigt.

Doch nach holprigem Start mit rund 150 Mitarbeitern sorgten massive Werbeanstrengungen für einen Ruck in den Auftragsbüchern. 40 Mio. Euro Umsatz und schwarze Zahlen schon nach einem Jahr waren der Lohn für das unternehmerische Risiko. Bis heute ist der Umsatz schon auf über 50 Mio. € brutto angewachsen.

Hilfreich war auch, dass der Neustart in eine Phase des konjunkturellen Aufschwungs fiel — zumindest nachdem die Folgen der US-Lehman-Pleite ausgestanden waren. „Das Konsumklima hat gepasst“, sagt Warnick rückblickend. Die gegenwärtigen Börsenturbulenzen mit den noch unkalkulierbaren Folgen für die Kauflaune der Verbraucher machen ihm zwar etwas Sorgen, doch der Küchen-Quelle-Chef ist von Haus aus Optimist: „Wir setzen auch für 2012 auf Wachstum.“

Mit dazu beitragen soll auch ein Strauß neuer Ideen: So arbeitet die Küchen-Quelle als Handelspartner gemeinsam mit dem mittelständischen Einbauküchen-Hersteller Max Kempfle aus dem oberbayerischen Rohrenfels an einer neuen Produktlinie namens Komfort-Plus. Was als kleine Nische mit barrierefreien Küchen für Schwerbehinderte begann, soll zu einer eigenen Produktlinie für Senioren ausgebaut werden: beispielsweise mit absenkbaren Küchen-Oberschränken, deren Inhalt sich auf Arbeitsplattenniveau leichter erreichen lässt. „Unser Ziel ist, diesen Zuwachs an Komfort auch Menschen mit mittlerem Einkommen zugänglich zu machen“, sagt Warnick und sieht sich damit in direkter Nachkommenschaft zu Quelle-Gründer Gustav Schickedanz, der mit dem Versandhandel „Luxus für alle“ bezahlbar machen wollte.

Neben dem Vertrieb über den 130 Seiten starken Katalog, über die fünf „Mega-Stores“ und über TV-Verkaufskanäle setzt die Küchen-Quelle auch aufs Internet. Marketing auf virtuellem Weg ebnet auch den Weg für eine Expansion im Ausland, vor allem im deutschsprachigen Raum.

Alexander Fackelmann bietet bei Küchen-Quelle auch seine eigenen Badmöbel an, „mit bisher noch mäßigem Erfolg“, wie er eingesteht. Das tue aber dem Erfolg der Küchen-Quelle keinen Abbruch. Wie sehr er seinen eigenen Mitarbeitern auch den Erfolg der Küchen-Quelle ans Herz legt, zeigte kürzlich ein gemeinsames Essen mit Fackelmann-Führungskräften im Nürnberger Küchen-Quelle-Store.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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